Walflüsterer 2020

Emotionale Achterbahnfahrt in der Bucht von Samaná

Dort, wo dem Menschen an Puderzuckerstränden unter Palmen das Klischee eines karibischen Traumurlaubs erfüllt wird, findet auch alljährlich ein Naturschauspiel ersten Ranges statt. Wenn von Jänner bis März die Buckelwale kommen, um sich in den karibischen Gewässern der Dominikanischen Republik um den Nachwuchs zu kümmern und damit die geschützte Bucht von Samaná zur großen Babystube wird. Ein fantastisches Erlebnis, das man nicht vergisst, wie Tim Philippus, der Walflüsterer 2020, im Gespräch mit dem traveller erzählt und die erlebten Bilder nochmals lebendig werden lässt. 

Was genau ist der Walflüsterer, wollen wir zu Beginn unseres Gesprächs wissen und erfahren von Tim, dass hinter diesem Slogan weit mehr als eine coole Marketingidee steckt. Denn der Slogan ist Programm, hinter dem sich eine nachhaltige und sehr sinnvolle Aktion verbirgt, die der Förderung des Öko-Tourismus in der Dominikanischen Republik dienen und Mensch wie Tier gleichermaßen zugutekommen soll. Die Halbinsel Samaná als eines von vielen Naturschutzgebieten der karibischen Insel ist eine überaus beliebte touristische Destination, die gerade auch wegen der Buckelwale, die alljährlich zur Paarung und zum Gebären ihrer Jungen in die Bucht kommen, berühmt ist. Was durchaus einen schwierigen Grenzgang zwischen Tourismus und Naturschutz darstellt und wie Tim sagt: „Einen verantwortungsbewussten und sensiblen Umgang mit diesen fantastischen Geschöpfen unbedingt notwendig macht.“ 

Genau hier setzt die Walflüsterer-Aktion des Tourist Boards der Dominikanischen Republik an, die mit diesem Projekt nun schon seit zehn Jahren die Naturschutzorganisation CEBSE (Center for the Conservation and Ecodevelopment of Samaná Bay and its Surroundings) vor Ort unterstützt. Indem sie jährlich in einer ganzheitlichen Online-Ausschreibung einen lässigen, kommunikationsfreudigen, naturschutzambitionierten Blogger-Typen sucht, der nach einem Auswahlkriterium für vier Wochen in die Dominikanische Republik fliegt, um den Buckelwalen ganz nahe zu kommen, ohne ihnen zu nahe zu kommen. 

Heuer hieß der Jubiläums-Walflüsterer Tim Philippus, der zum Zeitpunkt der Bewerbungsphase im Oktober 2019 irgendwo fotografierend in Sri Lanka unterwegs war. „Ich habe von dem Projekt gehört und mich einfach per Video beworben,“ sagt Tim, der als Fotograf bereits ähnliche Projekte etwa mit Orang-Utans im Regenwald von Borneo aufweisen kann und dieses Abenteuer gleich in die Videobewerbung reinpackte, was wohl ein kluger Schachzug war. „Ich habe den Zuschlag bekommen und mich riesig gefreut, für einen Monat in die Dominikanische Republik fliegen und die Wale in Echt beobachten zu könne. Wir waren drei Wochen lang täglich live dabei und haben ganz besondere Momente erleben dürfen.“ Und dann nimmt uns Tim mit auf seine Reise und erzählt von einzigartigen Erlebnissen, die er, wie er sagt, nie vergessen wird. 

Verliebt in einen Vierzigtonner

„Wir waren drei Wochen mit dem Boot unterwegs, anfangs dachte ich, oje das wird langweilig. Aber genau das Gegenteil war der Fall. Dieses Naturschauspiel macht süchtig, man mag nicht mehr weg und nicht mehr aufhören, diese Tiere zu beobachten. Obwohl es durchaus einem Lotteriespiel ähnelt, weil man nie weiß, ob und wo sie sich zeigen, was es natürlich umso spannender macht. Es passieren unglaubliche und krasse Sachen, die unbeschreibliche Gefühle auslösen. Whale Watching in der Bucht von Samaná zur Babyboomzeit ist eine emotionale Achterbahnfahrt der absoluten Sonderklasse, die nur sehr schwer zu toppen ist. So haben wir zwei Wochen lang den Blas oder Spaut – die Wasserfontäne, die Wale beim Auftauchen ausstoßen – ‚nur‘ bei Babys gesehen. Die Eltern sind ein bisschen größer, der Blas auch, was uns dann eindrucksvoll nach einem anfangs eher unspektakulären Tag am Wasser vor Augen geführt wurde. Lange passierte nichts, nur Ruhe am Meer. Dann, auf einmal, schießt aus dem Nichts ein erwachsener Buckelwal – ein Vierzigtonner – in die Höhe, um sich elegant ins Wasser zurückfallen zu lassen. Das ist so unglaublich, da kommt man mit dem Schauen, geschweige denn mit dem Filmen und Fotografieren gar nicht mit. Das Boot hat ordentlich gewackelt, glaub ich zumindest, denn erinnern kann ich mich daran nicht. Als dann noch eine Walkuh mit ihrem Kalb unter unserem Boot durchtauchte und mit einer riesigen Wasserfontäne auftauchte – das Geräusch ist der Knaller – war ich nur noch sprachlos.“ Das sind wir alleine nur beim Zuhören auch. 

Ziel und Sinn des Walflüsterers

Einen Überblick über das Urlaubsland Dominkanische Republik konnte sich Tim während seiner Reise natürlich auch machen. Denn auch wenn die Wale im Mittelpunkt seiner Expedition standen, ist der Rest der Insel nicht minder sehenswert. Von Ziplining über Canyoning und White Water Rafting in den Bergen und Lagunen spannte sich der abenteuer-sportliche Bogen, überrascht hat den Walflüsterer aber vor allem die große und reiche Geschichte, die er in den alten Palästen der Hauptstadt Santo Domingo entdecken konnte. Und warum es so vielen deutschen und österreichischen Urlaubern in der Dominikanischen Republik besonders gut gefällt, wurde rasch an den endlos langen Puderzuckerstränden von Cabarete oder Puerto Plata klar. „Die Dominikanische Republik ist ein echt lässiges Urlaubsziel, in dem man aber auch großen Wert auf ein ökologisches Gleichgewicht legt,“ so Tim und verweist hier im Besondern nochmals auf die vielen Projekte des Teams von Whale Samaná und CEBSE: Etwa ein Korallenaufzuchtprojekt, das Tim schnorchelnd inspizieren konnte. „Hier werden zur Prävention Korallen gezüchtet, die nach zwei bis drei Jahren ins Meer verpflanzt werden. Das ist für die Unterwasserwelt enorm wichtig.“ 

Aber es gibt noch viel zu tun, der Weg zu einer nachhaltigen Reisedestination ist ein weiter und wohl nie enden wollender. Daher ist die Walflüsterer-Initiative auch von derart großer Bedeutung und längst auch in den lokalen Schulen ein Thema, um für den Schutz der Tiere zu sensibilisieren. „Der Walflüsterer hilft enorm, um in den Tieren nicht nur die touristische Nutzung zu sehen. Auch wenn das Geschäft mit dem Tourismus für sehr viele Menschen auf der Insel ein wesentlicher Teil der Lebensgrundlage ist und noch nicht alle die wichtige Rolle des Walflüsterers erkannt haben. Dass es sich hierbei nämlich nicht um ein jährliches Spektakel handelt, sondern um eine echte Hilfsmaßnahme zum Erhalt der Natur,“ ist Tim überzeugt. Er versteht aber auch, dass Boote Touristen für gutes Geld – von dem dann eine ganze Familie ernährt werden kann – für ein cooles Foto so nahe wie möglich an die Wale herangebracht werden. Aber schön langsam erkennt man, dass diese Geschöpfe des Menschen Schutz benötigen, und man, auch wenn man vom Tourismus lebt, mit Maß und Ziel vorgehen muss. „Denn wenn es keine Wale mehr gibt, gibt es auch keine Einnahmen. Daher ist der Schutz der Tiere essentiell.“ 

Mit Kim Beddall hat sich vor 31 Jahren eine Frau in der Bucht von Samaná niedergelassen und begonnen, den Tier- und Walschutz voranzutreiben, 1994 hat sie dann Whale Samaná gegründet. Seither sind viele Maßnahmen und Regulative entstanden, wie beispielsweise verantwortungsvolles Whale Watching auch als wirtschaftlich nachhaltige Alternative angeboten werden kann. Denn zu viel Stress, ausgelöst durch zu viele Boote, veranlasst die Tiere abzuwandern. Also gilt weiterhin das Ziel, einen gemeinsamen verträglichen Weg zu gehen, in dem Platz für gesunden Tourismus und die Buckelwale ist. Der Walflüsterer wird dabei weiter unterstützen.

Informationen zum Walflüsterer und zur Dominikanischen Republik gibt es unter www.walfluesterer.de bzw. 
www.GoDominicanRepublic.com 
Für 2021 wird gerade an der Erweiterung des erfolgreichen Konzeptes gearbeitet, Informationen dazu folgen zeitnah.

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