Tirana

Stadt der Gegensätze

Als ich im Dezember des vergangenen Jahres meine Pläne für eine Albanienreise unter Freunden kundtat, war das Feedback verhalten. Albanien, ein Wochenende in Tirana? Die Verwunderung war groß, doch immer mehr westeuropäische Reisende schätzen das mediterrane Lebensgefühl des südosteuropäischen Staates, der lange Zeit als Armenhaus Europas galt. Nach Jahren der politischen Isolation, erlebt Albanien gerade einen touristischen Aufschwung, von dem auch die Hauptstadt Tirana zunehmend profitiert.

Tirana ist tatsächlich eine Hauptstadt der Gegensätze! Während in der Peripherie der 800.000 Einwohner Stadt noch graue Plattenbauten und einfache Häuser das Aussehen prägen, wandelt sich das Gesicht der Hauptstadt in ein farbenfrohes Ambiente, desto näher man ins Stadtzentrum vorrückt. Der frühere Künstler und heutige Ministerpräsident, Edi Rama, wurde im Jahr 2000 zum Bürgermeister der albanischen Hauptstadt gewählt. Während seiner elfjährigen Amtszeit veränderte er das Bild der Stadt radikal, er ließ illegal errichtete Gebäude abreißen, revolutionierte das Abfallsystem, begrünte Parks und verschönte die Fassaden der grauen Plattenbauten mit bunten Farben und Graffitis.

Land der Toleranz 

Zentraler Mittelpunkt von Tirana ist der Skanderbeg Platz. Benannt nach dem albanischen Nationalhelden, dem auch eine elf Meter hohe Reiterstatue gewidmet ist, bietet der im Jahr 2017 renovierte Hauptplatz auf einer Fläche von 38.000 m² die größte Fußgängerzone Europas. Durch ein stadtplanerisches Meisterstück enden alle wichtigen Straßen sowie alle sehenswerten Gebäude der Stadt am Sheshi Skënderbej, wie der Platz auf Albanisch genannt wird. 

Das macht den Mittelpunkt der Stadt nicht nur besonders fußgängerfreundlich, sondern auch zu einem zentralen Treffpunkt für Jung und Alt. Zahlreiche Springbrunnen und schattige Sitzgelegenheiten laden zu allen Jahreszeiten zum Verweilen an diesem pulsierenden Ort ein. Jedes Jahr kurz vor Weihnachten verwandelt sich der Skanderbeg Platz in einen weihnachtlichen Jahrmarkt mit Essbuden und Fahrgeschäften. Obwohl mehr als 60 % der Bevölkerung Albaniens dem moslemischen Glauben zugehörig sind, überstrahlt weithin sichtbar ein 30 Meter hoher Christbaum das Zentrum des Platzes. 

Albanien ist ein Vorreiter in Sachen religiöser Toleranz. Zahlreiche Kirchen und neue Moscheen entstanden in den letzten Jahren rund um den Skanderbeg Platz. Im September 2014 war Papst Franziskus in Albanien zu Gast und sprach in einer Rede die besondere Vorreiterrolle des Landes in Sachen religiöser Toleranz und des friedlichen Zusammenlebens verschiedenster Religionen an. Eines der bedeutendsten religiösen Gebäude ist die kleine, 1821 fertiggestellte Et`hem Bey Moschee, die nur Raum für 60 Gläubige bietet. Direkt neben den Minaretten ragt als weiteres Wahrzeichen Tiranas der 35 Meter hohe Uhrturm in die Höhe. Bis 1970 war er das höchste Gebäude der Stadt. 

Am Weg in die Moderne

All das ist längst Geschichte, denn in den vergangenen Jahren hat sich das Aussehen Tiranas im wahrsten Sinne des Wortes in die Höhe entwickelt. Nach den Wünschen der Stadtregierung sollte die Hauptstadt ein modernes Gesicht verliehen bekommen, weshalb der italienische Stararchitekt Stefano Boeri mit dem Entwurf eines Masterplan 2030 beauftragt wurde. Dieser sieht vor, dass rund um den Skanderbeg Platz zehn moderne Hochhäuser als neue Wahrzeichen der Stadt in den nächsten Jahren erbaut werden sollen. Als eines der ersten fertiggestellten Hochhäuser wurde 2016 der 85 Meter hohe TID Tower eröffnet. Das moderne Büro- und Wohngebäude, wurde mit einem Geflecht aus Dreiecken überzogen, die das Licht der südlichen Stadt brechen und filtern sollen. Ob das futuristische Gebäude in das historische Stadtzentrum passt, liegt im Auge des Betrachters. Doch die Veränderung des Stadtbildes scheint sowieso unaufhaltsam, wie die vielen Baustellen im Zentrum von Tirana zeigen. Im Oktober des vergangenen Jahres wurde in unmittelbarer Nähe des TID Towers ein weiteres Hochhaus seiner Bestimmung übergeben. Als erstes zertifiziertes 5* Hotel in Albanien, wurde das Maritim Plaza Hotel mit insgesamt 23 Stockwerken und 190 Zimmern feierlich eröffnet. 

Im Nordwesten des Skanderbeg Platzes befindet sich auch das größte Museum des Landes. Das historische Nationalmuseum beheimatet zahlreiche Artefakte aus der turbulenten Geschichte Albaniens. Ein Hingucker ist das über den Eingang des Museums angebrachte 440 m² große Mosaik „Shqiptarët“, dass eindrucksvoll die albanische Geschichte interpretiert. Die wohl berühmteste Persönlichkeit Albaniens ist die Missionarin Mutter Theresa, die 1979 den Friedensnobelpreis für ihr Lebenswerk verliehen bekam. Ihrem Schaffen ist eine Ausstellung in einem Pavillon des Nationalmuseums mit persönlichen Gegenständen gewidmet.

Ein weiteres Museum beschäftigt sich mit der traurigen Geschichte des Landes. Der Bunk`Art 2 ist einer von 200.000 zwischen den Jahren 1972 und 1984 gebauten Bunker, in dessen unterirdischen Ausstellungsräumen man anschaulich alles über die Unterdrückung der albanischen Gesellschaft während der Herrschaft des Langzeitdiktators Enver Hoxha erfahren kann. 

Wer nach so viel Geschichte und Kultur eine Pause einlegen möchte, dem sei der Besuch des neuen Basars empfohlen. Zahlreiche kleine Restaurants und Straßencafés bieten neben den Produkten der lokalen Bauern ihre Spezialitäten an. Wer gerne einen kurzen Abstecher ans sonnige Meer machen möchte, dem sei ein Tagesausflug in die nur 32 Kilometer entfernte Hafenstadt Durres empfohlen. Eine neu errichtete Strandpromenade mit zahlreichen Fischrestaurants lädt zum Flanieren unter Palmen ein. Zahlreiche historische Gebäude, wie das Amphitheater aus römischer Zeit oder die alten Stadtmauern werden den Besucher bei einem Rundgang faszinieren. Albanien kann dank seiner niedrigen Kosten, einem ganzjährig mediterranen milden Klima sowie viel Kultur und Geschichte punkten. Wer also Amsterdam, London oder Paris schon wie seine Westentasche kennt und Neues abseits des touristischen Mainstreams entdecken möchte, sollte sich vielleicht für einen Städtetrip ins noch relativ unbekannte Tirana entscheiden. Sie werden überrascht sein!

Informationen

  • Anreise: Austrian Airlines fliegen seit 1993 nach Tirana und bieten Tickets für die zwei täglichen Flüge von Wien nach Tirana ab 119 Euro (retour mit Handgepäck) an.
  • Hotel: Im Botschaftsviertel unweit vom Stadtzentrum, befindet sich das gut geführte 4* Colosseo Tirana. Doppelzimmer mit Frühstück gibt es bereits ab 77 Euro/Übernachtung.

Informationen über Tirana bietet www.visit-tirana.com. Das staatliche Fremdenverkehrsamt Albaniens bietet unter www.albania.al zahlreiche nützliche Infos über das Reiseland Albanien.
www.austrian.com 
www.hotelcolosseotirana.com 

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