Slawonien

Das ganz andere Kroatien

Es ist eine eher unbekannte Gegend, in die uns eine individuelle Pressereise führt. Die Reise geht in das „andere“ Kroatien, in eine historische Region, die als Kornkammer des Landes gilt und die mit dem Kuna, zu deutsch Marder, als Wappentier „lustigerweise“ auch Namensgeber der heutigen kroatischen Währung ist. Doch das ist nicht das einzige Bonmont, einer einzigartigen Reise durch einen besonderen Landstrich.

Meiner persönlichen Heldin begegne ich gleich am ersten Tag in Gradiste. Ein Straßendorf, wie so viele andere hier. Hübsche Häuser, verlassene Häuser, verfallende Häuser, die Straßen sind leer, die Jungen ziehen weg, die Alten müssen bleiben. Marica Jovanovac ist schätzungsweise 70 Jahre alt, hat einmal im Schwarzwald gelebt und gearbeitet, spricht gut deutsch und  hat ihr 100 Jahre altes Gehöft mit den typischen Arkaden zu einem Schmuckstück gemacht. Sie hat die Familienschätze gesammelt und aufbewahrt, ein kleines Volkskunde-Museum. So lerne ich die schönen bestickten Trachten kennen, die kunstvollen Handarbeiten und all die liebevollen Dinge des Alltags. Zusammen mit ihrer Tochter hat sie ein paar Zimmer renoviert und vermietet sie. In Zeiten des Internets ist das keine Hexerei, solche privaten Initiativen werde ich in den kommenden fünf Tagen noch einige kennenlernen. Einen Keramiker, der eine uralte Dampfmühle restauriert hat, aus einer Wildnis einen Prachtgarten machte, Workshops abhält und davon leben kann. Einen ehemaligen Ingenieur, der heute die landestypische Wurst (Kulen) und Speck herstellt und vermarktet. Aber zum Kulinarischen kommen wir später, das ist ein großes Kapitel.

Die ersten Europäer

Ich habe nicht gewusst, dass bereits 3.000 Jahre vor Christus an den Abhängen zur Donau die sogenannten Vucedol-Menschen siedelten. Sie wohnten in Häusern aus Lehm, formten Gegenstände aus biegsamen Ästen, töpferten kunstvolle Gefäße  und ihre Schamanen erstellten den ersten Kalender der Menschheit basierend auf dem Lauf des Gestirns Orion. In den Schlössern von Vinkovci und Vukovar sind die vielen Funde und die gesamte Urgeschichte in vorbildlichen Dauer-Ausstellungen  bestens aufbereitet. 2015 wurde in Vukovar an den Ufern der Donau ein bemerkenswert gutes, architektonisch hochinteressantes Museum eröffnet.

Wir befinden uns im äußersten Nord-Osten Kroatiens, einst die Militärgrenze der österreichisch-ungarischen Monarchie und zugleich ihre Kornkammer. Hierher wurden Garnisonen verlegt, hier bauten Adelige ihre Schlösser und Befestigungsanlagen, hier wurden Kirchen und Kathedralen gegründet. Das alles ist heute zu besichtigen und atmet noch immer ein gewisses K&K Flair und habsburgische Herrlichkeit. Es verwundert daher auch nicht, wenn da in irgendeiner  Ecke immer wieder ein Thonet-Ensemble auftaucht. Die Zentren sind teilweise bereits renoviert, es herrscht buntes Leben. 

Meine Lieblingsstadt heißt Osijek und liegt an der Drau, die dort in die Donau mündet. Pralles Leben und pure Lebensfreude, wie das in studentischen Städten so üblich ist. Dazu kommt eine wirklich prachtvolle Architektur mit herrlichen Jugendstil-Häusern, die zum größten Teil auch schon restauriert sind. Anders als beispielsweise in Vukovar wurde 1991 im Heimatkrieg (so ist die offizielle Schreibweise) hier weniger zerbombt und zerstört.  

Die prachtvolle Natur

Ich wusste auch nicht, dass die Mündung der Drau ein fast unüberschaubares Delta bildet. Der Naturpark Kopacki Rit ist somit ein unbedingtes Muss jeder Reise. Entweder zu Fuß über Stege und Brücken, oder besser mit einem Boot durch eine schier endlos scheinende Wasser-Wildnis. Für Vogelliebhaber ein Dorado, so viele majestätische Seeadler sind kaum anderswo zu sehen. 

Die etwas gezähmtere Natur wäre in Djakovo zu finden. Das Lipizzaner-Gestüt kann jederzeit besucht werden. Die Stuten donnern mit ihren wiehernden Fohlen auf die Weiden, nach drei Jahren ist für die Hengste allerdings Schluss mit lustig, sie werden traditionell ausgebildet oder vor die Kutschen gespannt. Im Vergleich zur Hofreitschule in Wien, läuft hier allerdings alles deutlich weniger barock und viel entspannter ab. 

Slawonien ist ein weites, fruchtbares Land. Das Korn ist eingefahren, der Futtermais wird gerade geerntet, die Sonnenblumen färben sich dunkel. Dazwischen dichte Eichenwälder und am Horizont kleine Hügel. Die slawonische Eiche  und die sanften Berge spielen eine große Rolle beim Weinbau.

Das große Fressen

Ich wusste nach den ersten beiden Mahlzeiten, ich werde zunehmen. Die Bitte nach kleinen oder gar halben Portionen wird nur milde belächelt und bedeutet wohl eine Beleidigung für den Wirt oder die halbe Gespanschaft. Üppig zubereitetes Schweinefleisch ist üblich, wenn Donaufisch dann mit kalorienreicher Soße, Verwendung von Schmalz ist gang und gäbe, Beilagen wie für eine halbe Kompanie und Süßspeisen, die den Namen süß wahrlich verdienen. Vieles ist uns bekannt, weil die österreichische Küche ja zum Großteil eine Balkanküche ist. Weinberge und die dazugehörigen Betriebe sind überall zu finden, ganz alte in tiefen Kellern und ganz kleine in quasi Privathaushalten. 

Nie vergessen werde ich die Stunden bei Ivo Brzica. Wir – mein Chauffeur und mein Guide – sitzen in der Sonne auf einer Anhöhe 180 Meter über der Donau, hinter uns auf sechs Hektar 24.000 Rebstöcke auf bestem Löss-Grund. Daraus keltert der ehemalige Manager 40.000 Liter erstklassige Weine. Dazu die unumgängliche Schweinswurst Kulen, Käse, Speck und Brot. Und zu seinem außergewöhnlichen 2012er Cuvée (unglaubliche zehn Euro die Flasche) serviert er 80prozentige Schokolade. Der Mann weiß zu leben und hat noch viel Touristisches vor. Ich kann ruhigen Gewissens von diesem Wein schwärmen, denn es gibt ihn bei uns (wie leider die meisten slawonischen Weine) nicht zu kaufen.

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