Extremadura

Spanien intensiv

Eine Reise durch die Extremadura in Zentralspanien ist eine intensive Auseinandersetzung mit der spanischen Geschichte, der Natur und der Lebensart der Einheimischen. Es bedeutet Eintauchen in einen sehr authentischen Teil Spaniens, eine der ärmsten und am wenigsten besiedelten Regionen des Landes. Aber vielleicht macht gerade das den ganz besonderen Reiz der Extremadura aus, meint der traveller nach einem Lokalaugenschein.

Zwischen Salamanca im Norden und Sevilla im Süden liegt, angeschmiegt im Westen an Portugal, die Extremadura. „Extremo“ hießen die während achthundert Jahren umkämpften Grenzgebiete zwischen Christen und Mauren und gaben damit der 380 Gemeinden zählenden, autonomen Provinz ihren Namen. Sie und vor allem die Römer hinterließen ihre Spuren, prägten durch ihre Bauwerke die Städte. Vom Massentourismus ist die Extremadura weit entfernt, wer hierher reist, ist Kenner und weiß, was ihm geboten wird: Eine Landschaft, die vielfältiger nicht sein könnte, mit mediterranen Wäldern, ausgedehnten, saftigen Weideflächen, kristallklaren Seen und wilden Gebirgen, dazu ein reiches kulturelles Erbe, das in ganz Spanien seinesgleichen sucht. Es sind die Bauwerke der Mauren, die christlichen Gotteshäuser, aber vor allem die Spuren der Römer, die die ganze Region prägen, dazu die prächtigen Paläste und Burgen, die Eroberer wie Pizarro oder Cortés mit dem Gold aus den Beutezügen in der Neuen Welt hier in der Extremadura erbauten. So manches Städtchen wirkt beinahe wie ein Freilichtmuseum, logisch, dass auch die internationale Filmindustrie auf diese perfekte Kulisse aufmerksam wurde. Steht man auf dem Castillo de Trujillo oder am Arco de la Estrella in Cáceres, sieht man sie direkt vor sich, die Lannisters, Starks und Targaryans aus der Mega-Saga „Game of Thrones“, sieht die Drachen am Himmel fliegen und die Unbefleckten in den schmalen Gassen kämpfen.

Von Trujillo bis Zafra

Entdecken lässt sich die Extremadura am besten mit einer Kombination aus Flug (Iberia) und Mietwagen, z.B. von Madrid nach Sevilla. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es viele, besonders stimmig sind die Paradores Esentia-Hotels, denn sie sind allesamt Teil der Geschichte des Ortes, in dem sie stehen. Denkmalgeschützte, historische Gebäude wurden mit sanfter Hand in 4* Hotels umgebaut, so wohnt man in einem Palast aus dem 14. Jhdt., einem Kloster aus dem 16. Jhdt. oder einem Schloss aus dem 15. Jhdt. Unser Lokalaugenschein beginnt im Städtchen Trujillo und mit dem Besuch der bereits zuvor erwähnten Burg, einem Gebäude aus dem 9.Jhdt. mit bezauberndem Blick auf die Dächer und Türme der Altstadt, auf denen die Störche nisten. Nur eine halbe Stunde Fahrzeit ist es von Trujillo nach Cáceres, einer der schönsten mittelalterlichen Städte in Spanien. Die historische Altstadt Barrio Monumental ist UNESCO-Weltkulturerbe, das Betreten des Rundweges durch die Puerta de la Estrella einfach magisch. Die engen, verwinkelten Gässchen sind gesäumt mit Adelspalästen, historischen Kirchen und kleinen Plätzen mit Zisternen, die Zeit scheint still zu stehen. Nur ein paar Schritte von der ­Altstadt entfernt, pulsiert das Leben, auf den malerisch beleuchteten Plätzen wird gegessen, getrunken und gefeiert.

Das nächste UNESCO-Weltkulturerbe wartet in Mérida, der Hauptstadt der Extremadura, mit den archäologischen Stätten aus der Römerzeit. Über die ganze Altstadt sind die Ruinen verteilt, das Teatro Romano aus den Jahren 16 bis 15 v. Chr. bietet auch heute noch 6.000 Zuschauern Platz und wird für Festivals genutzt. Vorbei am Tempel der Diana und dem Rathaus ist es nicht mehr weit zum Ufer des Guadiana, den die historische, 800 Meter lange Puente Romano überspannt, ein faszinierender Zeitzeuge in einer Stadt, die einst der Endpunkt der alten Römerstraße, der Via de la Plata, markierte. Ganz im Süden, am Ende der Extremadura, liegt die kleine Stadt Zafra, gegründet 1030 als Grenzort zum Königreich Sevilla, mit ihren weißen Häusern und lauschigen Plätzen. Das Eintauchen in die Zeit der Cäsaren und Legionäre, der Gladiatoren, Kaufleute oder mittelalterlichen Krieger gelingt uns spielerisch, in den Gassen ist entspanntes Schlendern möglich und vor den Sehenswürdigkeiten fehlen die obligatorischen Menschentrauben. Vergangenheit und Gegenwart sind hier eins, die historischen Bauwerke und Denkmäler lebendiges Beiwerk zum Leben in dieser Region, sind Selbstverständnis der Einwohner, die stolz sind auf die Geschichte ihrer Provinz und dies auch gerne den Gästen zeigen. 

Glückliche Schweine 

Natürlich spielt bei einer Reise nach Spanien die Kulinarik eine große Rolle, das gilt auch für die Extremadura. Während der Fahrt quer durch die Provinz ziehen Weinstöcke und Olivenbäume vorbei, aber auch Dehesas mit ihren Stein- und Korkeichen, die heute ein Viertel der Gesamtfläche der Region ausmachen. Hier tummeln sich froh und glücklich die berühmten Iberico-Schweine und futtern Eicheln, Kräuter und Getreide. Das muss so sein, sind sie doch die wertvolle Grundlage für den weltbekannten Jamón Ibérico, der in Salz eingelegt, monatelang von Hand bearbeitet und luftgetrocknet wird. Wer wie wir diesen einzigartigen Schinken in verschiedenen Qualitäten inklusive Sonnenuntergang und rotem Wein am Ufer eines Stausees, mitten in den Dehesas, verkosten darf, ist ein ganz besonderer Glückspilz. Das wäre es eigentlich schon gewesen mit unserem Lokalaugenschein, aber – Schicksal oder Wunschgedanke – ein Flugausfall in Sevilla beschert uns noch eine Nacht in der zauberhaften Stadt in Andalusien, perfekt untergebracht in den geräumigen Zimmern des Palacio Marmoles, nur zehn Gehminuten vom Zentrum entfernt. Und als würden unser Herz und Hirn nicht schon übergehen vor unvergesslichen Eindrücken, erhalten wir als Zuckerguss vor unserem endgültigen Heimflug noch eine Spezialführung durch den Alcázar von Sevilla, dem ältesten, noch genutzten Königspalast in Europa. Aber das, mit Verlaub, ist eine andere Geschichte.

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Partner

Newsletter

Mit nur einem Klick zur Anmeldung für Newsletter und E-Paper. Immer up2date in der Touristik mit dem traveller.

Anzeige

Aktuelles E-Paper

Touristik Telefonbuch 2019

Anzeige
Anzeige