Xinjiang

Trotz Repressionen Tourismusboom

Die Taklamakan-Wüste, die schneebedeckten Berge von Tianshan oder der Karakul-See: Das Bild, das China offiziell von der Provinz Xinjiang zeichnet, entspricht dem eines touristischen Idylls. Dabei herrschen in der im Nordwesten des Landes gelegenen Provinz Diskriminierung und Unterdrückung.

Menschenrechtsorganisationen werfen China vor, muslimische Uiguren in Internierungslagern festzuhalten und ein beispielloses Überwachungssystem installiert zu haben. Mehr als eine Million Uiguren und Angehörige anderer muslimischer Minderheiten sollen in Xinjiang in Umerziehungslagern inhaftiert sein, um sie zur Aufgabe ihrer Religion, Kultur und Sprache zu zwingen und zu "guten" chinesischen Staatsbürgern zu machen. Peking bestreitet dies und spricht von "Bildungszentren", die dem Kampf gegen islamistische Radikalisierung dienten.

Gleichzeitig boomt der Tourismus in der Provinz, die unter anderem an Afghanistan und Pakistan grenzt. Für die - meist chinesischen - Touristen haben die Behörden allerdings ein Paralleluniversum geschaffen, in dem von den gewaltigen Repressionen gegen die muslimischen Bewohner nichts zu spüren ist.

"Auf mich persönlich wirkte es nicht so, (...) als lebten die uigurischen Gemeinschaften in Angst", sagte der Tourist William Lee. Der Dozent unterrichtet seit zehn Jahren an chinesischen Universitäten und besuchte Xinjiang im Juni.

Fast nirgendwo sonst in China wächst der Tourismus so schnell wie in Xinjiang. Auch die massive Präsenz bewaffneter Polizei und die zahllosen Überwachungsstellen konnten dieses Wachstum nicht bremsen: 2018 lag die Zahl der Touristen im Vergleich zum Vorjahr nach offiziellen Angaben um 40 Prozent höher. 2020 will die Region nach Angaben des Tourismusbehörde 300 Millionen Besuche von Touristen verbuchen - und damit doppelt so viele wie 2018. 600 Milliarden Yuan (77 Milliarden Euro) an Einnahmen soll die Tourismusbranche dann erzielen.

"Xinjiang ist sehr stabil", sagt Wu Yali, Betreiberin eines Reisebüros. Zwar seien die Touristen nicht an die straffen Sicherheitsbedingungen gewöhnt, doch "nach ein paar Tagen passen sie sich an".

Der Zuwachs an Touristen ist von China gewollt - was sie in Xinjiang sehen, wird allerdings von den Behörden gesteuert. Die außerhalb der touristischen Hochburgen gelegenen Internierungszentren für Uiguren bekommen Besucher nicht zu Gesicht. Während einer sechstägigen Reise durch Xinjiang stießen Journalisten in der Nähe solcher Internierungslager immer wieder auf Straßensperren und wurden von Sicherheitskräften weggeschickt.

"Die Gewalt, mit denen Institutionen der uigurischen und anderer muslimischen Minderheiten unterdrückt werden, ist so gut wie unsichtbar", sagt Rachel Harris, Expertin für uigurische Kultur und Musik an der School of Oriental and African Studies (SOAS) in London. Für Touristen sei diese Gewalt aber nicht zu sehen. "Es ist alles sehr ruhig, weil ein gegen die Lokalbevölkerung gerichtetes Regime herrscht", fügt die Expertin an.

Zwar bieten offizielle Reiseagenturen in Xinjiang sogar "ethnische" Reiseerlebnisse an. Touristen besuchen dabei meist traditionelle uigurische Tanzaufführungen. Manche Reiseagenturen bieten sogar Besuche bei uigurischen Familien an.

Experten werfen den chinesischen Behörden jedoch vor, die komplexe Kultur der Uiguren auf wenige Aspekte zu reduzieren. "Die uigurische Kultur wird auf Tanzen und Singen reduziert", kritisiert der US-Autor Josh Summers, der seit zehn Jahren in Xinjiang lebt. Jene Aspekte der uigurischen Kultur, die dem Tourismus nicht dienten, würden hingegen ausgeblendet oder sogar bekämpft.

Immer wieder sind in den vergangenen Jahren prominente Uiguren spurlos verschwunden. Kritiker der chinesischen Minderheitenpolitik fürchten, dass sie in den Internierungszentren gefangen gehalten werden.

Doch selbst unter den Bedingungen des strikt kontrollierten Tourismus in Xinjiang kommt es immer wieder vor, dass Reisende in Berührung mit den vom Staat gezogenen roten Linien kommen. Ein muslimischer Tourist aus Südostasien schilderte, wie er von Sicherheitskräften daran gehindert wurde, in der Idkah-Moschee in Kaschgar zu beten. "Sie wollen die Touristen von der Lokalbevölkerung fernhalten", sagt er.

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