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WWF

Acht Verpackungsmythen – Tetrapack, Plastik & Co.

Es gibt viele Mythen rund um Tetrapack, Plastik und Co. – Images, die sich seit Jahrzehnten in vielen Köpfen festhalten und das ein oder andere Mal fernab der eigentlichen Wahrheit liegen. Der WWF klärt mit acht Verpackungsmythen auf und hilft, sich beim Einkauf besser zu orientieren.

Genauso wenig wie es Waldstädte oder gar explosive Bäume in Österreich gibt, nimmt es die Verpackungsindustrie mit der Wahrheit ernst – viele Mythen entstehen durch gekonntes Marketing über Generationen und lassen sich nur mehr schwer aus dem Kopf bringen. Der WWF gibt einen Überblick über acht Verpackungsmythen:

1. Tetrapack ist extrem umweltfreundlich

In Ökobilanzen schneiden die Getränkekartons meist gut ab – die Verpackung soll den großen ProduzentInnen zu Folge zu 70 % recycelt werden können. Doch Untersuchungen zeigen einen Fehler im System der Berechnung: Denn die Recyclingquote wird aus technischen Gründen bereits vor dem eigentlichen Recycling-Prozess bestimmt. Aber 42 % der Getränkekartons landen dort erst gar nicht, sondern als Restmüll in der Verbrennung. Die tatsächliche Recyclingquote ist daher deutlich niedriger: sie liegt anstatt bei den angegebenen 70 nur bei 36 %.

Auch die Herstellung der Kartons muss betrachtet werden. Der Anteil der nachwachsenden Rohstoffe in der Produktion liegt im Durchschnitt bei 70 %. Es wird dafür allerdings kein recyceltes Material benutzt, sondern es werden größtenteils Neufasern verwendet. Das bedeutet, es müssen immer neue Bäume gefällt werden.  Daher gilt auch bei Tetra Pak, dass der Verbrauch insgesamt verringert werden muss, wie bei allen Einwegprodukten.

2. Joghurtbecher müssen unbedingt ausgespült werden

Viele VerbraucherInnen spülen Dosen und Joghurtbecher aus, bevor sie diese in den Abfall geben. Das ist für das Recycling allerdings gar nicht notwendig. Im Gegenteil: durch das Reinigen wird sogar unnötig Energie und Wasser verschwendet. Denn für die Wiederverwertung wird der Müll ohnehin auf dem Müllentsorgungshof (nochmals) gereinigt. Ein Teil des Mülls wird zur Energiegewinnung auch verbrannt, wobei die Verschmutzung natürlich keinen Unterschied macht. Es reicht also vollkommen aus, Becher und Dosen nur auszukratzen (damit sie „löffelrein“ sind), bevor sie in den Müll wandern. Viel hilfreicher als das Ausspülen ist für das Recycling, den Aluminium Deckel vom Plastikbecher zu trennen. So werden die verschiedenen Komponenten in den Sortieranlagen besser erkannt und können hochwertiger recycelt werden. Falls der Plastikbecher mit einem Karton umwickelt ist, sollte dieser auch unbedingt abgetrennt werden. Sonst wird der Becher in der Müllanlage nicht erkannt und kann dadurch auch nicht entsprechend recycelt werden.

Damit jedoch der Müll nach einer Zeit aufgrund der Speisereste nicht zu stinken anfängt, empfiehlt es sich den Becher nur per Hand kurz auszuspülen. 

3. Papiertüten sind umweltfreundlicher als Plastiksackerl

Im Gegensatz zum Plastiksackerl ist eine Papiertüte leichter zu entsorgen und zu recyceln. Auch baut sich Papier in der Natur relativ rasch ab, während Plastik sogar noch Jahrhunderte weiterbestehen kann. Ihr Öko-Image hat die Papiertüte aber trotzdem zu Unrecht, weil ihre Herstellung die Umwelt stark belastet. So werden pro Sackerl 3 Liter Wasser verbraucht und auch mehr CO2 erzeugt, u.a. durch ihr schwereres Gewicht beim Transport. Außerdem braucht es für die Reißfestigkeit mehr und besonders widerstandsfähige Fasern, die dazu mit Chemikalien bearbeitet werden müssen. Damit ein Sackerl aus Papier umweltfreundlicher ist als eines aus Plastik, muss es mindestens vier Mal benutzt werden. Die Grundregel für nachhaltige Verwendung ist auch hier: Das beste Sackerl ist das, das man schon zuhause hat.
Besonders geeignet sind spezielle wiederverwendbare Taschen, zum Beispiel aus strapazierfähigem Stoff. Diese haben nach mehrmaligem Verwenden eine bessere Bilanz als eine einmal verwendete Papiertüte.

4. Für Lebensmittel sind Behälter aus Glas besser als Konservendosen

Eigentlich sind beide Verpackungsmöglichkeiten nicht optimal: Metalldosen sind in der Herstellung sehr aufwendig und für Gläser im Lebensmittelbereich gibt es – im Gegensatz zu Gläsern als Getränkeverpackungen – kein Mehrwegsystem. Glas lässt sich zwar recyceln und einschmelzen, aber dieser Prozess ist sehr energieintensiv. Muss man zwischen den beiden wählen, greift man aber trotzdem besser zum Glas. Die typische Weißblechdose weist zwar etwas niedrigere Umweltlasten auf als die Einwegglasverpackung, allerdings sind sie auf Grund ihrer Lackierung umstritten. Denn um das Metall vor Korrosion zu schützen, sind die Dosen innen mit Kunststoffen (Epoxylacken) beschichtet. Diese enthalten die umstrittene Chemikalie Bisphenol A (BPA), die auch auf die enthaltenen Lebensmittel übergehen kann. Also am besten frisch kaufen – Linsen, Kichererbsen und Co. gibt es auch in getrockneter Form. 

5. Unverpackte Lebensmittel sind umweltschonender und nachhaltiger

Grundsätzlich gilt es natürlich, unnötiges Verpackungsmaterial so gut es geht zu vermeiden. Aber: Viele Lebensmittel verderben ohne entsprechenden Schutz (also eben jene Verpackung) sehr rasch und landen daher schneller im Müll. Nahrungsmittelproduktion hat einen extrem großen Klimaabdruck, der jenen von Verpackungsmaterial oft um ein Vielfaches übersteigt. Im Sinne der Nachhaltigkeit ist es also auch ein wichtiges Ziel, Lebensmittel optimal zu schützen und so ihre Haltbarkeit zu verlängern, denn das ist ein wichtiger Beitrag zur Reduktion von Lebensmittelverschwendung im Haushalt. Es sollte aber dennoch darauf geachtet werden, den Verpackungs- und Materialeinsatz der Schutzfunktion möglichst zu reduzieren und dabei auf umweltschonende Materialien (wie z.B. auf Recyclat und nachwachsende Rohstoffe bzw. wiederverwertbare Rest- und Abfallstoffe) zurückzugreifen. Zudem gilt: haben die Lebensmittel von Natur aus eine feste Schale, also einen gewissen Schutz, macht eine Verpackung wenig Sinn (Orangen, Bananen, Kiwis etc.)

6. Bioplastik ist die umweltfreundlichste Verpackungsalternative

Bioplastik wird oft als sehr umweltfreundlich beworben. Doch die Herstellung von Kunststoff ist grundsätzlich ressourcen- und energieintensiv, unabhängig davon wie die Rohstoffe angebaut wurden. Bioplastik birgt noch ein weiteres Problem: Es wird oft nicht schnell genug oder gar nicht in der Umwelt zersetzt, sondern braucht spezielle Kompostierungsanlagen. Nur sogenanntes „heimkompostierbares“ Bioplastik, z.B. erkennbar an der Zertifizierung „OK compost HOME,“ kann sich auf dem eigenen Kompost zersetzen. Durch die falsche Annahme Bioplastik sei biologisch abbaubar, könnte in Zukunft also sogar noch mehr unnötiger Plastikmüll unsere Umwelt belasten.

Kurzlebige Einwegprodukte oder -verpackungen sollten daher grundsätzlich nicht als umweltfreundlich angesehen werden. Beim Kauf von Plastiktüten, Einweggeschirr oder Getränken sollten VerbraucherInnen also nicht auf Bioplastik, sondern auf Mehrweglösungen setzen.

7. Mehrweg-Kaffeebecher sind automatisch umweltfreundlich

Handelsübliche To-go-Becher sind eines der größten Feindbilder umweltbewusster Menschen. Immer mehr KonsumentInnen greifen daher mittlerweile zu Mehr-weg-Bechern. Doch auch Becher aus Bambus, Porzellan, Keramik oder Glas sind nicht unbedingt die ultimative Lösung. Denn die Trinkgefäße sind in ihrer Herstellung aufwendig und verbrauchen viel Energie und Wasser. Schäden am Material (z.B. Sprünge oder Zerbrechen) und eine damit einhergehende verkürzte Lebensdauer wirken sich negativ auf die Ökobilanz aus. Keramik und Porzellan müssen zusätzlich dazu im Restmüll entsorgt werden. Für VerbraucherInnen bergen manche Materialien auch Gesundheitsrisiken, so sind manche Becher mit Kunststoff beschichtet, der sich bei hohen Temperaturen lösen kann. Vor allem das Melamin in Bambusbechern kann gesundheitsschädlich sein.

Eine Alternative dazu sind Edelstahlbecher, die robust, gesundheitlich unbedenklich und recyclebar sind. Die Herstellung benötigt zwar ebenfalls sehr viel Energie, bei dauerhafter Nutzung (ab circa 40 Mal) haben sie aber eine bessere Ökobilanz als Einwegbecher vorzuweisen. Grundsätzlich gilt aber auch, wie bei den Sackerln, die Devise: der beste Becher ist der, den man schon zuhause hat – z.B. ein ungebrauchtes, leeres Einwegglas. Mit Schaumstoff drumherum verbrüht der heiße Kaffee nicht die Finger und ein Deckel ist auch immer mit dabei. 

8. Plastik ist das umweltschädlichste Verpackungsmaterial

Grundsätzlich ist das Ziel der komplette Ausstieg aus fossilen Rohstoffen wie Erdöl, also auch aus der Produktion von Plastik. Es wird im Moment zwar bereits an recyclingfähigen Kunststoffen aus nachwachsbaren Rohstoffen geforscht (idealerweise aus agrarischen Reststoffen), das oberste Prinzip ist aber jeglichen Verpackungsmüll zu vermeiden. Denn auch Bio-Kunststoffe brauchen Ressourcen und werden oft noch nicht umweltfreundlicher produziert. Daher sollte man versuchen auf Mehrweg-Alternativen umzusteigen. Wenn dies nicht möglich ist, ist Plastik, das getrennt und recycelt wird, ein Stoff, der zumindest in seiner Produktion besser ist als einige andere Verpackungsmaterialien. Es ist robust, wasserfest und leicht, was beispielsweise beim Transport weniger CO2-Emissionen verursacht. Jedoch muss sichergestellt werden, dass kein Plastik mehr in die Umwelt gelangt! Der WWF hat daher eine Petition für ein verbindliches UN-Abkommen gegen die Plastikflut gestartet: www.wwf.at/plastikflut-petition

Achtsamkeit bei Verpackungen und Mülltrennung machen Sinn

  • Aus Kartonverpackungen werden wieder neue Verpackungen oder Zeitungs- und Hygienepapier hergestellt.
  • Kunststoffverpackungen, die in vielen Teilen Österreichs gemeinsam mit dem Restmüll erfasst werden, können thermisch zur Energieerzeugung verwendet werden. Damit wird der Einsatz von Erdöl und Kohle reduziert. Im Sinne der Abfallhierarchie sollte das Ziel jedoch sein, Kunststoffverpackungen qualitativ hochwertig zu recyceln indem man sie in der gelben Tonne oder dem gelben Sack entsorgt.
  • Aus gesammelten Glasverpackungen werden neue Glasverpackungen mit gleicher Qualität.
  • Weißblechverpackungen werden zu Automobil- und Zugkomponenten, Eisenbahnschienen etc.
  • Aluminiumverpackungen werden eingeschmolzen und z.B. zu Fensterrahmen, Motoren und Kfz-Teilen verarbeitet.
  • Holzverpackungen werden zu Spanplatten verarbeitet oder als Brennstoff oder Kompostiermaterial eingesetzt.

Die untenstehende Grafik bietet eine Orientierungshilfe für Konsumenten für die Wahl umweltverträglicherer Verpackungen – nun liegt es an den Entscheidungsträgern das nötige Angebot zu schaffen!

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