Tunesien

Dahar – Sanft, authentisch, spektakulär!

Meistens war der feine Sand an den weiten Stränden des Mittelmeers die Motivation der zehn Millionen Touristen, die in Vor-Corona-Zeiten jährlich nach Tunesien gereist sind. Eventuell wurde noch ein Ausflug zu den Höhlenwohnungen von Matmata oder zum Amphitheater von El Djem unternommen. Ansonsten ließ man sich von der Kulinarik und dem gepflegten Ambiente der Hotelkomplexe an den Stränden verwöhnen. Das soll sich jetzt ändern, erklärte Tourismus-Minister Mohamed Moez Belhassine kürzlich österreichischen Journalisten bei einem Treffen inTunis.

„Durch die Pandemie ist der Tourismus in Tunesien fast komplett eingebrochen. 2020 waren etwa 2.000 Österreicher bei uns zu Gast, ein Rückgang von 90 % gegenüber 2019. Wir wollen aus dieser Krise heraus, mit einer neuen Strategie starten und unser Land für den Eco-Tourismus erschließen und bekannt machen. Neben Umwelt- und sozialen Komponenten sollen auch kulturelle Aspekte einfließen. Das Projekt ‚Destination Dahar‘ ist ein gutes Beispiel, wie wir diese Strategie umsetzen. Viele kleine, verstreute Dörfer werden integriert, die Bevölkerung eingeladen, an Projekten mitzuwirken und eigene Ideen einzubringen,“ umreißt Mohamed Moez Belhassine die zukunftsweisende touristische Fokussierung. Dass die Destination Dahar bereits unter den Top 100 der nachhaltigen Tourismusdestinationen der Welt rangiert, zeigt, dass man bereits ein gutes Stück des neuen Weges beschreitet.

Vom Strohhüttendorf zum Alternativurlaub

Man möchte an den Beginn des Tourismus Anfang des 20. Jahrhunderts anknüpfen, als Reisende der vielen Kulturschätze wegen nach Tunesien kamen. Erst 1954, mit der Eröffnung des Club Med Djerba la Fidele – einem Strohhüttendorf – wurden Strandurlaube in Tunesien populär und die Erschließung der Mittelmeerstrände mit Hotelkomplexen setzte ein. Jedoch war die Saison kurz, nur vier Monaten im Jahr waren die Anlagen genutzt. In den 1980er Jahren begann sich dann der Gesundheitstourismus mit Thermalbädern und Thalassotherapie zu entwickeln und hat Tunesien zum zweitbedeutendsten Land mit diesem gesunden Angebot nach Frankreich gemacht.

Tunesien verfügt aber auch über acht UNESCO-Welterbestätten und eine Vielfalt an Naturschönheiten. An einem Tag kann man den Sonnenaufgang am Mittelmeer und den Sonnenuntergang in der Wüste erleben. Flamingos an der Küste der Insel Djerba aus nächster Nähe beobachten und tags darauf bei einer Wanderung durch eine Schlucht des Dahar-Gebirges Adler auf einem nahen Felsvorsprung entdecken, ehe sie sich mit ihren weiten Schwingen in die Luft erheben und majestätisch ihre Kreise ziehen. Man kann alte Berber-Siedlungen wie Tamrezet besuchen, wo vor einigen Jahren engagierte Zuwanderer aus Belgien ein Boutique-Hotel eröffneten und ein Café am Hügel revitalisierten, in dem man bei einem duftenden Minze-Tee mit Mandeln viel über die Geschichte der Bewohner, ihre Pläne und Wünsche an die Zukunft erfährt. Bei einer Übernachtung in einer Höhlenwohnung kommt man dann dem Leben der Berber näher oder man rumpelt mit einem Nomaden im Jeep, der scheinbar jede einzelne Düne in diesem unwegsamen Gelände kennt, ins (Zelt) Camp Mars, weit draußen in der Sahara. Wo man dann spätnachts von einem fantastischen Sternenhimmel „zugedeckt“ wird. Das alles ist Tunesien und eben diese große Angebotsvielfalt ist, was Tunesien für Alternativ-Urlauber so interessant macht.

Als erste Journalisten-Gruppe treffen wir in der Stadt Medenine auf Initiatoren des „Destination Dahar“ Projekts, das 2014 begonnen wurde. Mit dabei sind auch Vertreter der Schweizer Regierung, die dieses Projekt finanziell fördert und Entwicklungsarbeit in den vielen verstreuten Siedlungen leistet. Die Schweizer Delegation möchte sich bei diesem Besuch vergewissern, dass alles widmungsgemäß umgesetzt wird. Ziel ist, in dieser Gebirgsregion zwischen Mittelmeer und Sahara ein Bewusstsein für nachhaltigen Tourismus zu schaffen, von den Unterkünften in Höhlenwohnungen über „Eco-Doms“ aus Lehm, geführten Wanderungen zu Fossilien-Fundstätten und Abdrücken von Dinosauriern, Essen in lokalen Gaststätten bis zum Astro-Tourismus. So haben Astronomen aus Österreich bereits Gruppenreisen in das Dahar-Gebirge organisiert, wo Dank der Lichtarmut und der trockenen Luft besonders interessante Himmelsbeobachtungen möglich sind.

Erst kürzlich – am 5. Oktober 2021 – wurde das Projekt „Destination Dahar“ von der Organisation Green Destination in Anerkennung der Bemühungen für einen verantwortungsvollen Tourismus und für besonderen Charme unter die Top 100 nachhaltiger Tourismusdestinationen gewählt. Als erste Region in Nordafrika, der diese Auszeichnung verliehen wurde, worauf man doppelt stolz sein kann. Sanfter Tourismus soll auch helfen, eine der letzten und ältesten Berber-Kulturen in Nordafrika, die der Amazigh, zu erhalten. Man möchte den Trend zu Naturverbundenheit der Urlaubsreisenden nutzen und die Region Dahar zu einem Übernachtungsziel ausbauen. So soll demnächst der erste markierte Wanderweg eröffnet werden, wie man das nachhaltige Tourismuskonzept auch auf den hoffentlich bald wieder stattfindenden Tourismus-Messen präsentieren möchte, um Agenturen und Veranstalter auf die „Destination Dahar“ aufmerksam zu machen.

Tunesien und sein großer touristischer Schatz liegen nur zwei Flugstunden von Wien entfernt. Allerdings ist das Land am Mittelmeer zurzeit nur einmal pro Woche mit einem Tunis Air Flug von Wien nach Tunis zu erreichen. Dieser ist meist ausgebucht, und bedauerlicherweise auch oft verspätet. Wobei auch der Ticketpreis von 580 Euro in der Economy-Klasse nicht gerade ein Schnäppchen darstellt, beides ist dem Tourismusminister nicht ganz angenehm. So versteht man auch seinen Wunsch nach Wiederaufnahme einer Charterverbindung zwischen Österreich und Tunesien mit der Zusage für Unterstützung bei nicht ausgebuchten Charterflügen.

Ja, es ist ein wunderbares Projekt, sanften Ökotourismus zu entwickeln, um ein authentisches Tunesien mit vielen unvergesslichen Eindrücken erleben zu können. Erlebnisse und Impressionen dieser Reise lesen Sie demnächst an dieser Stelle in einem weiteren Beitrag.

discovertunisia.at
destinationdahar.com

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