Tschechien-Südmähren

Eine grenznahe Sehenswürdigkeit

Man muss nicht immer in die weite Ferne reisen, wenn so viel Schönheit so eng beieinanderliegt. Die UNESCO Weltkulturerbe-Region ist ganze 200 km² groß und somit größer als das Fürstentum Liechtenstein.

Keine eineinhalb Stunden sind es von Wien nach Breclav im bequemen ÖBB-Zug. Dort ist – oder besser gesagt war – seit 900 Jahren das Land der Fürstenfamilie Liechtenstein. Die Region zwischen den Flüssen Thaya, March und Zaya, lange Zeit getrennt durch den Eisernen Vorhang, heute Grenzland zwischen Österreich und Tschechien. Die Liechtensteiner waren wohl sehr oft auf der Seite der Sieger, das beweisen die vielen Schenkungen und Landgewinne und Fürstin Sidonia war mit ihren 24 Kindern die Stammmutter der heute noch lebenden Familie. Geschäftstüchtig, klug und technikbegeistert dürften sie auch gewesen sein, das merkt der Besucher sehr bald bei einer Besichtigung ihres Stammschlosses Valtice (Feldsberg).

Die Residenz wurde unter Karl I. (1569-1627) zu einem hochbarocken Schloss umgestaltet und zu einem bedeutenden Kulturzentrum mit Gemäldegalerie, Kunstkammer, Kuriositätenkabinett und einem Theater. Dieses wurde vollständig restauriert und wird aktuell auch bespielt. Im Oktober 2021 mit der Barockoper Farnace von Vivaldi im Zuge des ehrgeizigen und höchst empfehlenswerten Lednice-Valtice-Musikfestivals. Kunstkenner aus Wien reisen extra deshalb an.

Die Schlosskapelle ist ein barockes Meisterstück, die Repräsentations-Räume, aber auch die privaten Gemächer sind Prototypen des Zeitgeschmacks mit viel Marmor, Fresken, Gold, Stuck und Original-Mobiliar. Und was die diskret hinter Tapetentüren versteckten Badezimmer betrifft, die waren auf dem technisch höchsten Standard der damaligen Zeit.

Rund um das Schloss der Park, ein Stück gezähmter Natur und unter dem Schloss die tiefen Keller – hier ein zweckdienlicher Hinweis: Die gekelterten Weine sind von höchster Qualität, sehr preiswert und außerhalb des Landes nicht zu kaufen.

Freizeitvergnügen der Fürsten

Wer ein so stolzes Stammschloss besitzt, braucht naturgemäß auch eine standesgemäße Sommerresidenz und die steht acht Kilometer entfernt in Lednice (Eisgrub). Atemberaubend ist dieses Gebäude im anglo-neugotischen Stil mit seinen unzähligen Türmchen, hoch aufragenden Dächern und spitzen Zinnen. Die Innenräume sind nicht minder spektakulär, Holzarbeiten von solcher Schönheit, Perfektion und Kunstfertigkeit sind sonst noch kaum wo zu besichtigen, geschweige denn herzustellen und natürlich viele, viele Jagdtrophäen. Das Palmenhaus und die Orangerie schließen direkt an den Wohntrakt und werden so zum größten Wintergarten der Welt. Selbstverständlich ist die Natur unmittelbar rund um das Schloss zu einem Garten im klassischen französischen Stil „zurechtgestutzt“.

Aber dann die große Überraschung, das übrige riesige Areal gleicht einer wilden Naturlandschaft, was so auch wieder nicht ganz stimmt. Von renommierten Landschaftsarchitekten des ausgehenden 17. Jahrhunderts wurden Seen aufgestaut, Flussläufe verändert, Hügel aufgeschüttet, Sichtaxen geschaffen, wie es damals halt so üblich war, man denke an Versailles und Schönbrunn. Die Fürsten schickten Biologen ins ferne Amerika, um fremdartige Bäume und seltene Pflanzen heimzubringen. Und irgendwo mittendrin stehen dann ein Minarett, eine Kolonnade, eine Burgruine, eine Kapelle. Man sieht sie förmlich vor sich, die hochadeligen Herrschaften, wie sie sich hier amüsierten, Tratsch und Klatsch austauschten und zur Jagd gingen.

Unsereiner besteigt eine Kutsche, erklettert einen Turm, nimmt dann ein Boot und gleitet damit durch eine gänzlich naturbelassene Flusslandschaft. Fischer stehen am Ufer, Kinder spielen und baden, die Eltern kampieren, Reiter galoppieren vorbei. Eine perfekte Sommeridylle, vielleicht haben sich die Liechtensteiner das sogar genau so vorgestellt, innovativ genug wären sie ja gewesen.

Information

www.sued-maehren.de/
www.visitczechrepublic.com
Hotel: Resort Valtberg, www.valtberg.cz/ 
Festspiele: www.lvhf.cz/de/

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