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REDbook – Wohin mit dem Ding?

„Da Mensch is a Sau“ –  genau! Und an dem, was die legendäre Worried Men Skiffle Group in breiter Wiener Mundart auf ihren eigenwilligen Instrumenten, auf Waschbrett, Holzkiste mit Besenstil und gespannter Wäscheleine „skiffelnd“ schon in den 1970ern besangen, hält bis heute und hat auch in den digitalen 2020ern wenig an Gültigkeit verloren. Was der Mensch nicht mehr braucht, verliert er heute wie vor 50 Jahren irgendwo unterwegs und „bereichert“ mit seinem Müll – vom Zuckerlpapierl über ausgedämpfte Tschick und angeschneuzte Taschentücherln und jetzt gerade besonders modern, mit Mundschutzmasken – das Stadtbild. Was scheren mich die anderen, was schert mich schon die Umwelt, so die mehrheitliche Denke derer, die ihren Dreck ganz selbstverständlich irgendwo unterwegs verlieren, weil er eh von den anderen, den guten Seelen in Orange, weggeräumt wird.

Ich habe mich immer schon gefragt, was so schwer daran ist, seinen Mist dort zu deponieren, wo er hingehört: In den Mülleimer, von denen es ja auch im öffentlichen Raum und farblich markant sichtbar, ausreichend gibt. Wenn nicht, wenn gerade nicht eine dieser sinnvollen Tonnen in Reichweite ist, dann trag ich meinen Müll halt im Sackerl wieder mit nach Hause und entsorge ihn dort. Und dass dies sehr viele Wiener so handhaben, zeigt sich auch daran, dass unsere schöne Stadt – und das soll sie bitte auch jetzt in diesem uncharmanten Maskenzeitalter bleiben – immer wieder an den vordersten Plätzen der saubersten Metropolen der Welt zu finden ist. Obwohl, aktuell habe ich das Gefühl, dass wir diesen „Einser-Bonus“ im „Ich-bin-Ich Zeitalter“ gerade verspielen.

Anfangs dachte ich mir noch: OK, da hat jemand seine Maske verloren, aber jetzt wird’s inflationär. Das ist kein schusseliges Verlieren mehr, das ist einfach nur ein hirnloses, ungezogenes und ziemlich egoistisches Verhalten. Wenn man seine getragene Einwegmaske einfach dort, wo man gerade liegt, steht oder sitzt, unbedacht fallen lässt. Die dann in kleinen Grünstreifen mit dem Gackerl, das eigentlich ins Sackerl gehört, eine unansehnliche Koexistenz bildet. Die sich im Rinnsal im innerstädtischen Raum oder – und das ist erzieherisch besonders wertvoll – in Sandkisten und auf Spielplätzen „harmonisch“ vereinigen. Da geht dem Wiener, wie man so schön sagt, das „G´eimpfte“ auf und man wird rasch zum Fan einer rigoroseren und konsequenteren Stadtpolitik. Damit dann endlich auch die letzten Ignoranten lernen, wohin ein gebrauchter Mund- Nasenschutz – sicher nicht auf den Spielplatz – aber auch der Tschickstummel, das ausgefutterte Maci-Sackerl und  leergetrunkene Engergydoserl und natürlich das Schneuztücherl gehören.

Singapur geht seit vielen Jahren einen überaus strikten und daher sehr erfolgreichen Weg, der sich auch darin manifestiert, dass der Stadtstaat den ersten Platz im weltweiten Sauberkeitsranking seit Jahren für sich beanspruchen kann. In der Löwenstadt ist längst für alle – auch für Touristen – gelebte Selbstverständlichkeit, keine Kippen, keinen noch so kleinen Müll und auch keinen Kaugummi – das Kauen war lange Zeit bei Strafe verboten und Kaugummi auch kaum erhältlich – unbedacht im öffentlichen Raum zu entsorgen. Singapur ist so zu einer blitzsauberen und grünen Vorzeigemetropole geworden, weil man nämlich auch den Zusammenhang zwischen Sauberkeit, Mülltrennung und Umwelt erkannt hat.

Apropos Umwelt: Da rollt mit den sich gerade aufbauenden Masken-Müllbergen sowieso eine Lawine auf unseren Lebensraum zu. Alleine nur in Italien steht laut WWF zu befürchten, dass, wenn auch nur elf Prozent der Mundschutzmasken in Italien nicht regelkonform entsorgt werden, mehr als zehn Millionen Stück im Meer, in Flüssen oder auf Stränden landen könnten und damit für Fische und Schildkröten im Mittelmeer zu einer weiteren Gefahr werden (Quelle: KURIER). Wenn man weiß, welche Mengen an Plastikmüll die Meere sowieso schon überschwemmen, braucht man nicht lange über die Konsequenzen nachdenken. Über Lösungen sehr wohl.

Daher ist auch die Maßnahme, die Italien bzw. die Stadt Rom setzt, eine nachvollziehbare wie notwendige. Wenn das Geld, das aus den eingenommen Strafen für weggeworfene Masken auch entsprechend zweckgebunden verwendet wird. Das Land, das vom Coronavirus arg gebeutelt ist, wird gerade von Millionen gebrauchten Schutzmasken, Handschuhen, leeren Plastik-Desinfektionsflaschen und sonstigem Schutzmaterial regelrecht überschwemmt. Daher wird das Wegwerfen von Masken und Handschuhen im öffentlichem Raum auch mit 500 Euro Strafe geahndet, denn dieses Verhalten, so Roms Bürgermeisterin, Virginia Raggi, muss bestraft werden (Zitat: KURIER).

Nun, so schlimm ist es zwar bei uns nicht und wird es hoffentlich auch nicht werden. Dennoch wäre es eine überlegenswerte und wohl auch erzieherische Maßnahme, Achtlosigkeit dem Mitmenschen und der Umwelt gegenüber entsprechend zu ahnden. Damit endlich auch die letzten Egoisten begreifen, wohin der eigene Dreck gehört.

Wie singt die Worried Men Skiffle Group treffend:

Da Mensch is a Sau.
Er verliert sein Dreck in der Natua und legt si söba a dazua.
Daran siachst es genau, da Mensch is a Sau!

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