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REDbook – Wir haben’s selbst in der Hand!

Wie schön, wir gelten für die deutsche Politik und die beratenden Virologen und Gesundheitsexperten doch als normal – inzidenzwertbezogen – und das ist in Zeiten wie diesen doch auch schon was. Auch wenn’s uns und vor allem den heimischen Tourismusbetrieben nicht wirklich hilft, dass Österreich bis auf ein paar regionale Ausnahmen von unserem Lieblingsnachbarn und wichtigsten touristischen Incoming-Quellmarkt – wie fast alle europäischen Länder – zu den „normalen Risikogebieten“ gezählt wird. Per se ändert das zwar nichts an den Reisehindernissen und Quarantänepflichten, aber was ist heute reisetechnisch schon normal? Zumindest bleibt mit dieser halbwegs guten Ausgangsposition die Hoffnung, dass in der verbockten Wintersaison vielleicht doch noch ein bisserl was geht. Vorausgesetzt, wir schaffen’s unseren Siebentage-Inzidenzwert in Richtung 50er Benchmark pro 100.000 Einwohner zu bringen. In Anbetracht des schon sehr individuell gewordenen Umgangs mit den 1-2-3 Maßnahmen (Maske, Abstand, Händewaschen) und der B 1.1.7. Mutanten im Nacken an sich schon eine gewaltige Anstrengung, dem die EU noch eins draufsetzen möchte.

Winter baba, Sommer so lala – glaubt man den Prognosen der seriösen und versierten Virologen, die von Beginn der Pandemie mit ihren klugen wie schonungslos ehrlichen Einschätzungen kaum verkehrt lagen, dann wird’s mit Sommer, Strand und Sonnenschein – so wie wir das gewohnt sind und wonach wir uns alle sehnen – möglicherweise eine haarscharfe Sache. Für die arg gebeutelte Touristik mit all ihren branchennahen Zuliefererbetrieben wäre eine weitere maue Saison, wäre ein hinkender Sommer nach dem gänzlich verunglückten Winter eine nicht mehr verschmerzbare Zäsur. Und auch dem Staat wird irgendwann die Luft ausgehen, weil er nicht bis zum allerletzten Coronafall das Füllhorn über die gesamte Wirtschafts-Dienstleistungskette ausleeren kann, ohne sich dabei ernsthaft zu fragen, wie diese Rechnung letztlich beglichen werden soll? Koste es, was es wolle ist leicht dahingesagt, bezahle, wer muss, folgt halt immer einer anderen Tonlage.

Aktuell konzentriert sich Europa und die ganze Welt auf die Impfung, was richtig, gut und im Sinne der globalen Wirtschaft alternativlos ist, um unser aller Leben wieder zu einem freien, individuellen und lebenswerten zu machen. Nur, so schnell wird’s halt leider nicht gehen, weil sich’s zum einen bei der Impferei aufgrund seltsamer Bestellvorgänge und verzögerter oder geringerer Lieferungen ordentlich spießt und weil sich die Gemeinschaft mit jedem gesetzten Spritzerl logischerweise auch ein Ende der ungeliebten Maßnahmen erwartet. Genau hier orten die Experten auch die große Gefahr: Dass nämlich, gibt man diesen gesellschaftlichen, politischen, rechtlichen und natürlich wirtschaftlichen Forderungen zu schnell nach, die Kurve innerhalb kürzester Zeit explosionsartig nach oben ausreißt. „Dann haben wir im worst case Fallzahlen von 100.000 pro Tag,“ sagt Christian Drosten und der Berliner Virologe geht auch nicht von einem annähernd ähnlichen Sommer wie 2020 aus. Denn, dass der vergangene Sommer doch ein halbwegs entspannter war, führt Drosten darauf zurück, dass die Fallzahlen im Frühling 2020 weit unter der kritischen Grenze waren. Davon sind wir jetzt weit entfernt, auch wenn die wärmere Jahreszeit das Leben grundsätzlich wieder einfacher machen wird, sind, so die Experten, trotz sommerlich heißer Temperaturen weiter steigende Zahlen zu erwarten. Dass die WHO ebenfalls noch nicht von einem baldigen Ende der Pandemie ausgeht, weil die notwendige Herdenimmunität – selbst bei Akkordimpfungen – nicht so schnell erreicht wird, zeigt, dass das Feuer am Dach noch ordentlich lodert.

Die EU zieht gerade mit noch rigideren Reisebeschränkungen die Daumenschrauben weiter an. Auch wenn das niemanden, der in der Reisebranche beschäftigt ist, gefällt und weiter demotiviert, vielleicht ist’s ja im Hinblick auf den kommenden Sommer und die trüben Aussichten der Virologen doch der eine unvermeidliche, weil notwendige und vorausschauende Schritt. Andernfalls müsste man sich nämlich ernsthaft fragen, ob man die Welt überhaupt wieder aufsperren möchte, um dort anzuknüpfen, wo Corona den Faden vor einem Jahr gekappt hat.

Vielleicht irren sich die schlauen Epidemiologen ja und der Sommer 2021 wird einer (fast) wie damals. Denn bis aufs Wetter haben wir‘s selbst in der Hand.

Zitate: Quelle KURIER

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