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REDbook – Wien, Wien nur Du allein!

Städtetourismus ist ja gerade ein Ladenhüter und Sightseeing in den hippen Metropolen eher weniger angesagt. Wie viele beliebte Städte, nimmt sich auch Wien – sehr zum Leidwesen der Stadthotellerie, der Cityguides, der Café-, Beisl-, Würstelstand-, Heurigen- und Restaurantszene, des Handels, der Transport- und Taxizunft und natürlich von Kunst und Kultur und der vielen Wiener Museen, aktuell eine unfreiwillige Auszeit. Sie wissen schon, warum …. Bummelt man dieser Tage also durch die Wiener Innenstadt, ist man ziemlich unter und mit sich. Die vielen internationalen Besucher, die dem Wien Tourismus und der Stadt Wien jährlich aufs Neue ein all time high Ergebnis bescherten, sind aktuell alle zu Hause in ihren Ländern und haben von ihren Städten möglicherweise ein ähnlich ungewohntes Gefühl und sehr einsames Bild.

Wien, meine Stadt, gehört gerade „nur“ mir und halt noch ein paar anderen Wienern. Und das ist, wenn auch für Tourismus und Wirtschaft ziemlich ungesund, zugegeben doch auch einigermaßen lässig. Auf Zeit halt, denn irgendwie geht sie einem schon ab, diese internationale Städtepilgergesellschaft, die den von den Guides hochgehaltenen roten, grünen oder gelben Fähnchen im Gänsemarsch folgen, einen Selfiemarathon hinlegen, einen Hotspot nach dem anderen abfotografieren, ein Stück Sachertorte oder Apfelstrudel mit Schlag im Vorbeigehen „genießen“ und, bevor es auch schon weitergeht in die nächste coole Metropole, noch rasch eine Wiener Schnee- oder Mozartkugel als Souvenir erstehen. Also kaufe ich jetzt eine Schneekugel, eine mit Klopapier, denn die gibt es als Erinnerung an diese wahrlich außergewöhnliche Zeit in limitierter (gerade vergriffenen) Edition von der Original Wiener Schneekugelmanufaktur zu kaufen. Und mache mich auf einen Stadtspaziergang auf, denn auch der wird in dieser ruhigen und abstandskonformen Form wohl auch nicht mehr so schnell möglich sein.

In den letzten Jahren war ich nicht wirklich oft als „Sightseeing-Wiener“ unterwegs. Wenn es in die City ging – und das war bis vor Corona berufsbedingt stets sehr oft der Fall – hatten diese „Ausflüge“ nichts mit gemütlichem Betrachten und Beachten der vielen historischen und kulturellen Zeitzeugen, über die man in der Wiener Innenstadt quasi von ganz alleine stolpert, zu tun. Gehetzt führte mich mein Weg meist von der Wiener Oper – eigentlich von der dort befindlichen Parkgarage – ohne dem „Ersten Haus am Ring“ und einem der bekanntesten Opernhäuser der Welt auch nur einen würdigenden Blick zu schenken, schnurstracks zum jeweiligen Termin. Der meist irgendwo in einem Café oder Restaurant zwischen Kärntner Straße, Albertinaplatz, Kohlmarkt, Graben und Stephansplatz stattfand. Dass ich mich dabei eigentlich immer auf der klassischen Touri-Route befand, wusste ich wohl, aber was soll ich, die ich in Wien geboren, aufgewachsen und noch immer wohnend bin, die ihre Stadt also wie ihre Westentasche kennt, da schon Neues entdecken? Tja, das ist des Wieners typische Überheblichkeit – und auch ich war bis zum Zeitpunkt meiner Corona-Citytour fest davon überzeugt, so ziemlich alles über mein Wien und all seine Sehenswürdigkeiten, die sich wie eine Perle auf der Schnur etwa nur auf genannter Route aneinanderreihen, zu wissen.

Ein ziemlicher Irrglaube, wie sich rasch zeigen sollte. Denn mein historisches Wissen reichte gerade mal bis zum Albertina Museum mit dem berühmtesten Bewohner, dem Dürer-Hasen und Alfred Hrdlickas Mahnmal gegen Krieg und Faschismus davor, bis zur Hofburg bzw. jenem Trakt, der mit seinem prächtigen Prunksaal zu den schönsten Bibliothekssälen der Welt zählt. Und auch wenn mir der Steffl mit seiner Pilgramkanzel, Schönbrunn als kaiserlich-königliche Wohnstätte von Sisi und Franzel und das Belvedere als Zeitzeuge der zweiten Republik ein Begriff sind, liegen zwischen schulischem Halb- und echtem stadtgeschichtlichem Wissen halt doch noch ein paar Kilometer. Was mir spätestens am Kohlmarkt bewusst wurde. Wahrscheinlich, so leite ich ab, hat man hier in alten Zeiten Kelch, wie der Wiener sagt – also Kohl - verkauft. Vielleicht sogar schon in Römerzeiten, denn die haben mit ihrem Legionslager ganz tiefe Spuren in Vindobona hinterlassen. Und die würden sich wohl heute ziemlich wundern, was aus ihrem damals schon sehr durchdachten und strukturieren Militärlager geworden ist.

Die schönste Stadt der Welt nämlich, ein absoluter place to be, wie das auch der „Anholt Ipsos City Brands Index“ ausweist und Wien in der Kategorie „Places“ aufs oberste Podest stellt. Weil es in Wien nicht nur schön, sondern vor allem auch sauber, sicher und gesund ist. Und sieht man sich die Konkurrenz an, die Wien im Gesamtranking auf Platz sieben verweist – London, Sydney, Paris, New York, Rom und Amsterdam – spielt die Stadt an der Donau auf der besten internationalen Klaviatur längst nicht mehr nur die zweite Stimme. „Wien ist weltweit als funktionierende Metropole bekannt, das bestätigt dieses Ranking. Dies ist gerade jetzt ein wichtiges Zeichen und hilft uns in der Reaktivierung des Tourismus. Denn sobald die Menschen wieder reisen dürfen, werden sie verstärkt auf Sauberkeit sowie andere Aspekte einer funktionierenden Stadt achten“, ist Norbert Kettner, Direktor Wien Tourismus überzeugt.

Meine Entscheidung ist gefallen, ich buche heuer einen Citytripp in Wien und werde in meiner Stadt all das, was sonst nur die vielen Touristen – die ja bald wieder kommen können – und noch ein bisserl mehr tun. Ich werde rauf auf den Steffl, in die Albertina, ins Kunst- und Naturhistorische Museum, ins MAK, ins Haus des Meeres und in den ältesten Tiergarten der Welt gehen.  Ebenso wie in die Nationalbibliothek und von der „porta decumana“ bis zur Limesstraße auf den Spuren der alten Römer wandeln. Ich werde auf den Donauturm und mit dem Riesenrad, auf die Donauinsel, in die Lobau, in die Praterauen, auf den Wilhelminenberg und, und, und fahren!

Wien, Wien, nur Du allein, im Sommer 2020 wirst Du hoffentlich nicht nur mein Sightseeing-Hotspot sein!

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