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REDbook – Wenn Reisen zum Abenteuer wird

Wie sich eine Geschäftsreise in Pandemiezeiten darstellt, schildert Dagmar Lang, Herausgeberin und Geschäftsführerin des Manstein Zeitschriftenverlags am Beispiel eines kürzlich erfolgten Businesstrips nach Düsseldorf, der die Skurrilität von Maßnahmen und die damit verbundene Verunmöglichung vormals eingespielter, logischer und sinnvoller Abläufe deutlich macht.

Der Berg an Unterlagen bei der Vorbereitung einer Flugreise zu den Fashion Days in Düsseldorf hatte zum Schluss ein beachtliches Ausmaß: Die Anleitungen der WKO (übrigens lobenswert klar), die Einreiseanmeldung.de und das Einreiseformular für die Rückreise nach Österreich (beides für den Notfall ausgedruckt) das Schreiben des Arbeitgebers über die Wichtigkeit der Dienstreise, der Mail-Verkehr mit den Kunden in Düsseldorf und ein Terminplan für die Kundengespräche.

Dabei wollten Brigitte Pfeifer-Medlin, Chefredakteurin der Textilzeitung, und ich lediglich ein paar sehr wichtige Kunden in Düsseldorf treffen, was uns zehn Einzelreisen erspart. Wir wären Tagesrand geflogen, aber die Flugverbindungen sind derartig ausgedünnt, dass uns die mühsame Nächtigung nicht erspart blieb. Am Sonntag vor unserer „Abenteuerreise“ waren wir gut beschäftigt: Antigen-Test im Austria Center und Ausfüllen der Einreisemeldungen – total easy bei den Deutschen, supermühsam beim schlecht programmierten österreichischen Formular, wo man als Schlusspunkt auch noch einen komplizierten Chapta-Test machen muss. So heißt die fehleranfällige Überprüfung, bei der man mit Rechnungen oder Bilderrätseln beweisen soll, dass man „kein Roboter“ ist. Wobei dahingestellt sei, welcher Roboter Interesse haben könnte, eine Vormerkung für eine Einreise nach Österreich zu fälschen. Beim Boarding des Austrian-Fluges will die Bodenhostess die Einreisemeldung nach Deutschland sehen. Wirklich hingeschaut hat sie dann aber nicht, ich hätte auch den Haushund Niko anmelden können, denn zu unserer Überraschung hat uns in Düsseldorf bei der Einreise niemand kontrolliert: Wir verlassen den Flughafen, wie die vielen Jahren vor der Pandemie, einfach durch den Ausgang.

Da nimmt es der Rezeptionist des Hotels Innside by Melia schon genauer: Er kopiert unsere Dienstreisebescheinigung und teilt uns mit, dass wir uns zum Abendessen gerne etwas extern mit Lieferando bestellen können. Wenn wir die Zimmernummer angeben, käme der Bote auch gerne hinauf?! Nein, Roomservice vom Hotel gäbe es nicht. Ob wegen der Pandemie oder wegen der Kurzarbeit können wir nicht feststellen. Also entscheiden wir uns fürs sichere Selbstabholen beim Koreaner ums Eck.

Beim Abflug am nächsten sehr frühen Morgen zeigt sich das Düsseldorfer Security-Personal mal wieder von seiner gründlichen Seite. Während die VIAS-Mitarbeiter in Wien sehr auf den Abstand achten, muss man in Düsseldorf im Ganzkörper-Scanner auch noch die FFP2 Maske lüften (wozu eigentlich?) und die Security-Mitarbeiterin, die nur eine OP-Maske trägt, kommt mir bei der Leibesvisitation so nahe, dass ich fast in Schnappatmung verfalle. Offenbar sind die Herrschaften auch aus der Übung, denn sie leeren meine Handtasche, weil ihnen mein Schlüsselbund (mit dem ich seit 30 Jahren völlig unbehelligt um die ganze Welt fliege) suspekt erscheint.

Verwöhnt vom guten Frühstück bei Austrian am Hinflug, nehmen wir zur Kenntnis, dass Eurowings in der gleichen Buchungsklasse nur Chips oder Schokolade anbietet. Dem dortigen Bodenpersonal reicht unser Hinweis, wir hätten die österreichische Einreiseanmeldung online ausgefüllt. Doch im Gegensatz zu Düsseldorf, nimmt es die Behörde in Schwechat bei der Einreise sehr genau, kontrolliert alle Papiere und Ausweise. Zum Schluss wünscht der Bundesheersoldat dann auch noch den Antigentest zu sehen. „Eigentlich habe ich den am Sonntag hochgeladen“, meine ich, habe ihn aber natürlich auch ausgedruckt mit. Wozu war dann das Hochladen gut?

Fazit meiner Reise, die wir aufgrund der wirklich sehr guten Kundengespräche trotz allem nicht hätte missen wollen: Was jetzt ganz dringend notwendig ist, sind einheitliche Spielregeln, Formulare und Vorschriften für ganz Europa. Gerne ein verpflichtender Antigen-Schnell-Test für jeden Flug – da wäre die IATA gefragt. Der Länderzirkus muss schnellstens ein Ende haben. Aber, wie es gerade aussieht, ist eher das Gegenteil der Fall.

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