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REDbook – Wenn eine Empfehlung Unsinn ist!

Da hat man das Image, dass Kreuzfahrten eine nur für die ältere Zielgruppe passende Reiseform ist, mit viel Kraft und ordentlich Geld endlich „angebracht“ und sich mit einem Produkt, das längst keine Wünsche und Geschmäcker mehr offenlässt, bei allen Reisetypen und Börsen nachhaltig etabliert, kommt ein kleines Virus daher, verpasst einer der beliebtesten Reiseformen eine gewaltige Breitseite und lässt dem noch bis vor kurzem boomenden Segment die Sinnfrage stellen.

Wenn Vorsicht, Sicherheit und höchste Hygieneprävention einen Namen haben, dann Kreuzfahrt, denn wozu die schwimmenden Hotel-, Club- und Funanbieter coronabedingt gezwungen wurden, wurde von den AIDAs, TUIs, MSCs, Costas, NCLs, RCLs, Hapags und vielen weiteren Kreuzfahrtunternehmen weltweit innerhalb kürzester Zeit an Bord jedes einzelnen Schiffes mit Akribie, Sorgfalt und hohen Investition umgesetzt. Damit man nach knapp 18 Monaten Stillstand endlich wieder Leinen los sagen konnte und den Gästen ein dem aktuellen Pandemiegeschehen laufend angepasstes dennoch möglichst unbeschwertes maritimes Reiseerlebnis bieten zu können. Die einen fuhren anfangs nur in ihrer „Bubble“ auf hoher See im Kreis, die anderen ließen Landgänge im geschlossenen System zwar zu, ein Ausscheren aus der Sicherheitsblase – und sei’s nur, um einem natürlichen menschlichen Bedürfnis freien Lauf zu lassen – wurde strikt mit der Roten Karte, dem Schiff-Betretungsverbot, gepackten Koffern und dem Return-Ticket nach Hause geahndet. Dauertesten, Maske tragen, Hände desinfizieren und Abstand halten sind – seit die Schiffe sukzessive wieder in den Vollbetrieb starteten – die neuen „goodies“ im großen All Inclusive Angebot, die wohl gekommen sind, um länger zu bleiben und alsbald um geimpft und genesen und später noch zusätzlich getestet erweitert wurden.

Langsam kam also wieder Bewegung und fast so etwas wie Normalität auf die Weltmeere zurück, die Leichtigkeit des Seins – so wie früher, als eine Kreuzfahrt der Inbegriff eines grenzenlos freien und unbeschwerten Reiseerlebnisses war – stellte sich jedoch nur schwer ein. Weil, auch wenn man sich noch so bemüht, um selbst das kleinste Schlupfloch für das listige Virus zu schließen, eine hundertprozentige Sicherheit kann auch das beste Präventions-Maßnahmenpaket nicht garantieren. Wie uns ja gerade die neue Omikron-Variante leidvoll vor Augen führt. Irgendwann, irgendwie, irgendwo fand also Mr. C ohne viel Trara als blinder Passagier doch seinen Weg an Bord der AIDAnova, Mein Schiff 6, MSC Grandiosa, der EUROPA und EUROPA 2 oder auch der Amera – und lässt nun die Kreuzfahrtbranche vor einem erneuten Totalstopp fürchten. Der sich dann, wie ein Rattenschwanz durch die ganze touristische Leistungskette fortsetzen würde – vom kleinen Reisebüro, über Mobilitätsanbieter wie Fluglinien, Bahnbetriebe, Mietwagen- und Taxiunternehmen bis zu Hafenbetrieben, gastronomischen Einrichtungen, Cityguides, Souvenirverkäufern uvm.

Weil die Wertschöpfung, die das Kreuzfahrtensegment jährlich erwirtschaftet beachtlich und für ganz viele Menschen überlebenswichtig ist. Ein nachhaltiger stabiler Restart ist also für Wirtschaft und Arbeitsplätze essentiell, was alleine nur am Beispiel Deutschlands deutlich wird: Vor Corona erwirtschaftete das Kreuzfahrtsegment in Deutschland jährlich rd. 6,6 Mrd. Euro und war für rd. 48.000 Menschen Arbeitsplatz. „Die Kreuzfahrtindustrie hat bewiesen, dass sichere Kreuzfahrten auch unter Corona-Bedingungen möglich sind. Die Branche ist bestens vorbereitet, Sicherheit und Gesundheit stehen stets an erster Stelle“, betont auch Helge Grammerstorf, National Director von CLIA Deutschland.

Die Mitgliedsrichtlinien der Cruise Lines International Association (CLIA) beinhalten verpflichtende COVID 19-Tests für alle Passagiere und Besatzungsmitglieder vor der Abfahrt. Darüber hinaus gelten in den öffentlichen Schiffsbereichen Abstandsregeln, eine Maskenpflicht sowie weitere Sicherheits- und Hygienemaßnahmen. Sollten im Verlauf der Reise vermutete oder bestätigte Infektionen auftreten, greifen zudem ausgereifte Reaktionspläne. Alle Maßnahmen sind erprobt und werden im Austausch mit weltweit führenden medizinischen Experten und Behörden stetig weiterentwickelt. In der Tourismusindustrie ist das Sicherheits- und Hygienekonzept von CLIA vorbildhaft und ermöglicht der Branche, eines der sichersten Urlaubserlebnisse überhaupt anzubieten.

Aktuell hilft das leider wenig, rd. 88 Kreuzfahrtschiffe werden zurzeit von der US-Seuchenschutzbehörde mit coronainfizierten Passagieren an Bord überwacht, wie das C.D.C – Center for Disease Control and Prevention – die COVID-19-Warnstufe für Kreuzfahrtschiffe auf die höchste Stufe (4) anhob und in Anbetracht von vermehrten Coronafällen in den letzten Wochen auf verschiedenen Schiffen überhaupt zur Vermeidung von Kreuzfahrten unabhängig vom Impfstatus rät.

Für die CLIA ein „verwirrendes“ Vorgehen, denn die Zahl aller positiven Fälle an Bord der Schiffe mache nur einen sehr kleinen Anteil gemessen an der Gesamtbevölkerung aus, wie auch die Mehrheit der Fälle asymptomatisch sind bzw. nur einen leichten Verlauf zeigen und die medizinischen Ressourcen an Bord oder an Land wenig bis gar nicht belasten. So teilte etwa die Royal Caribbean Group mit, dass an Bord ihrer Schiffe seit der Wiederaufnahme des Betriebs im Juni 2021 in den USA 1,1 Mio. Gäste gereist sind, davon wurden 1.745 Personen positiv getestet. Die Mehrheit dieser Passagiere zeigte lediglich leichte oder keine Symptome, 41 Personen mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Das ist nicht viel, aber – gerade im Hinblick auf den Omikron-Turbo – auch nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen darf. Auch, und alles deutet gottlob darauf hin, dass Omikron zwar gerade ein Hansdampf in allen Gassen, aber ohne große Nachhaltigkeit ist. Was hoffen lässt, dass COVID-19 am Weg ist, eher endemisch als epidemisch zu werden, so Richard D. Fain, CEO von Royal Caribbean Cruises. Eine Hoffnung, der sich mit Sicherheit die ganze Kreuzfahrtindustrie anschließt, denn ein erneuter längere Stillstand wird wohl nur mehr schwer zu verkraften sein.

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