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REDbook – Vögel, die früh singen …

Jetzt, da das Virus „weit“ weg scheint, verabschieden sich auch Vorsicht und Rücksicht zunehmend aus unserer Wahrnehmung und machen dem Leichtsinn – der gute Freund der Torheit – Platz. Denn, warum noch dieses ganze Getue um Social Distancing, wenn hierzulande die Zahlen in den Keller fallen und Mr. C sich ans andere Ende der Welt verzogen hat? Dass sich allerdings COVID-19 weltweit ganz und gar nicht klein, sondern ziemlich wichtig macht und es noch lange keinen Grund zu gelebter Unbeschwertheit gibt, ist beim Blick auf die aktuellen Neuinfektionen – auch wenn diese weit weg von Österreich und Europa sind – eine ernstzunehmende Tatsache. Alleine nur am 21. Juni registrierte die WHO innerhalb von 24 Stunden mehr als 183.000 Neuinfektionen.

Komm Mutti, wir fahren an den Strand. Die Maske brauchst nicht einzupacken und auch unsere Babyelefanten geben wir in Pflege. Ober besser noch, wir „schenken“ ihnen am Weg in den sonnigen Süden die Freiheit. Du weißt schon, so, wie wir das vor Jahren bereits mit unserem kleinen Wastl getan haben … Weiter möchte ich diesen unschönen und unmenschlichen Gedanken nicht spinnen, wir wissen alle, dass diese Geschichten nicht aus Grimms Märchenbuch entstammen. Aber kurze Geister setzen eben kurze Handlungen, von Wastl’s und vielen ähnlichen Schicksalen können Tierschutzorganisationen gerade in der sommerlichen Hochsaison alljährlich ein sehr trauriges Lied singen. So gesehen ist gut, dass für die vielen Babyelefanten, die uns seit kurzem auf Schritt und Tritt begleiten (sollten), keine Gefahr besteht, irgendwo am Straßenrand am Weg in den Urlaub einfach „vergessen“ zu werden.

Obwohl, das hat man längst. Der putzige imaginäre Abstandhalter wird – seit es auch die Maskentragepflicht nicht mehr gibt – zusehends zu einem Auslaufmodell. Wozu also weiter auf Distanz zum Mitmenschen gehen, wenn doch längst alles vorbei ist und wir Corona im kleinen Österreich wie im großen Europa erfolgreich besiegt haben? Aber haben wir das wirklich, oder gönnt uns Mr. C – der gerade auf rekordverdächtiger „Tournee“ durch Nord-, Mittel- und Südamerika ziemlich rasant unterwegs ist – nur eine kleine Auszeit? Könnte es nicht die vielzitierte Ruhe vor dem nächsten Sturm sein? Den wir Menschen, dem Leichtsinn und der Torheit folgend, auch entsprechend Zund geben, indem wir auf die jüngst gelernten Gebote – Hände waschen, Abstand halten und vielleicht doch auch dort und da die Maske weiter tragen – einfach verzichten? Weil’s gemütlicher, cooler, attraktiver und für die ganz Gescheiten sowieso völlig unsinnig ist, ein dünnes Fetzerl als Prävention über den Mund zu binden. Und das mit dem Abstand halten – naja, das muss man jetzt auch nicht ganz so ernst nehmen. Oh doch ….

Europa sperrt jetzt die Grenzen wieder ganz weit auf und stellt die Reisefreiheit wieder her. Und von Nord bis Süd und Ost bis West greift der erholungs- und erlebnishungrige Mensch bedenkenlos in die große Urlaubsangebotskiste. Weil er auch im Sommer 2020 das tun möchte, was er über die vielen Jahre immer schon getan hat: An sonnigen Stränden unbeschwert das pure Leben genießen. Verständlich, gerade in diesen „anderen“ Zeiten, dass der berühmten Leichtigkeit des Seins ein großer Stellenwert zukommt und überhaupt: So gefährlich, wie alle tun, ist dieser Coronatyp sowieso nicht. Sagen die, die’s immer schon besser gewusst haben. Also werden sich die Reiseströme auch im Sommer 2020 – von Griechenland bis Spanien, von Kroatien bis Italien, von Österreich bis Deutschland und so weiter und so weiter fröhlich miteinander mischen. Das Resultat? Nun, das wird vom vielzitierten Hausverstand abhängen, denn fährt dieser nicht mit zum sommerlichen Erlebnisurlaub, wird dieser beim Einpacken von Bikini und Badehose genauso wie beim Treffen mit Freunden beim Stammwirten einfach vergessen, könnte unter Strich bald ein wenig erfreuliches Ergebnis und uns allen damit wieder erhebliche Einschränkungen ins Haus stehen.

Wie heißt es so treffend: Vögel, die früh singen, holt abends die Katz. Oder Corona, denn nur weil Mr. C gerade weit weg ist, heißt das nicht, dass er nicht da ist …

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