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REDbook – Sorry, no kids an der Bar!

Die einstigen Diskussionen um „no kids“ im Hotel und das daraus resultierende sehr erfolgreiche for Adults only Produkt könnte jetzt in der Gastronomie eine Fortsetzung erfahren. Aber, darf der Wirt das überhaupt? Darf er Gästen, im konkreten Fall Kindern, den Zutritt verweigern?

Als Roland Ballner im Jahr 2005 in seinem Hotel Cortisen „sorry, no kids“ sagte, brach der innovative Hotelier damals nicht nur mit einem bis dahin absoluten Tabuthema in der heimischen Hotellerie, er musste für seine Entscheidung, nur noch Teenager ab jugendlichen 12 Jahren als Gäste zu begrüßen, von der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) für sein „adults only Konzept“ auch heftige Kritik einstecken. Ein ordentlicher Shitstorm, um es mit der modernen Social Media Sprache zu sagen, war dem mutigen Hotelier aus St. Wolfgang sicher. Mit Blick auf www.cortisen.at gibt der Erfolg dem „nur für Erwachsenen“ Pionier vollinhaltlich recht. Auf ähnlichen Wegen wandelt gerade der Salzburger Szenegastronom Erich Berer, denn auch er sagt in seiner Salzach-Insel-Bar jetzt „sorry, no kids“ und gefällt damit nicht all seinen Gästen.

Ein Blick zurück ins Jahr 2005: Was sich Ballner damals mit seinem feinen Boutiquehotel am schönen Wolfgangsee traute, ist heute, 16 Jahre später und nicht nur in Österreich, zu einem fixen Bestandteil im weltweiten touristischen Reiseangebot geworden. Adults only Hotels, damals in den dicken Reisekatalogen der großen Konzernveranstalter noch dezent umschrieben bzw. gut versteckt im Blätterwerk platziert, finden sich heute quer durchs große Sortiment in nahezu allen Reisezielen wie auch auf Kreuzfahrtschiffen. Und gibt es sie nicht als rein für Erwachsene ausgewiesene Hotels – etwa der großen, namhaften Konzern-Eigenmarken – ist zumindest ein veritabler Teil der oft riesigen Resorts mit separaten Strandabschnitten und eigenen Poollandschaften ausschließlich für die meist in den besten Jahren befindliche, zahlungskräftige und qualitätsorientierte Klientel reserviert. Adults only ist also längst kein Nebenprodukt und touristisches Unwort, das man leise hinter vorgehaltener Hand flüstert und im großen Angebot versteckt, es wird auch von niemandem mehr mit Kinderfeindlichkeit oder Ausgrenzung und Diskriminierung der familienreisenden Zielgruppe in Verbindungen gebracht.

Jedem Tierchen sein Pläsierchen, jeder Zielgruppe ihr passgenaues Angebot. Die einen können ihre Kinder nach Lust und Laune tollen und toben lassen, die anderen fühlen sich von den fröhlichen und laut spielenden Kindern in ihrer Urlaubsruhe nicht gestört. Alle glücklich, alles gut, darum geht’s letztlich allen in der langen Reise-Lustbringungskette, dem, der auf Reisen geht am allermeisten. Ob mit Kind und Kegel oder lonely only. Und schon damals, mit einem noch kaum vorhandenen reinen Erwachsenen-Angebot, sprach die Resonanz der Gäste für das rasch stark wachsende Adults only Produkt eine deutliche Sprache: 99 % bewerteten damals das kinderfreie Cortisen als überaus positive Bereicherung im großen Urlaubsortiment.

Jetzt stößt ein Salzburger Szenegastronom ins gleiche Horn und muss sich für seine Entscheidung, Kinder unter zwölf Jahren die Türe seiner Amadeus Salzach-Insel-Bar zu verschließen – wie damals Roland Ballner – herbe Kritik gefallen lassen. Weil Erich Berer sich erlaubt, sein Lokal – Salzburgs einzige Inselbar auf der Salzach – nicht zum Spielplatz für kleine Zappelphilippe machen zu wollen. Die sich, während Mama und Papa abends – die Bar öffnet erst um 18:00 Uhr – ein wenig chillen möchten, mit allem, was man halt am Spielplatz, aber nicht in einer Abendbar tut, die Zeit vertreiben. Hüpfen, laufen, springen, was vielen Gästen und wohl auch so manchem Hund – Vierbeiner sind am Ponton gerne gesehen – wohl berechtigt nicht gefällt. Grundsätzlich, so muss man sagen, ist’s schon Sache der begleitenden Eltern, ihren lieben Kleinen die does & dont's im öffentlichen Raum, im Beisl wie im Hotel, zu vermitteln. Und nur weil’s in der Salzach-Bar „Poltern erlaubt“ heißt, ist dieses explizite Merkmal der Salzburger Szenebar kaum als Einladung an die lieben Kleinen zu verstehen, um ihrer überschüssigen Energie zu abendlicher Stunde zwischen Barhockern freien Lauf zu lassen. Natürlich polarisiert der Barbetreiber und scheidet mit seiner Einlasspolitik die Geister. Jedoch gleich von Diskriminierung der Familie mit Kindern zu sprechen, ist auch im Sinne des Diskriminierungsschutzes gar ein wenig zu weit gegriffen. Geht’s nicht vielmehr auch um Grundsätzliches wie den abendlichen Barbesuch mit kleineren Kindern, die, so würde es Oma und Opa sagen, um diese Uhrzeit nach Hause und nicht ins Beisl gehören.

Denn, man nennt das Reizüberflutung, wenn der Tag schon lange und voll mit vielen coolen Eindrücke war, ist der Fortpflanz halt oft schon ziemlich überdreht. Wer Kinder hat, weiß um diesen kindlichen Gemütszustand, ein Barbesuch ist dann wohl nicht mehr das probateste Mittel, um den kleinen Hosenmatz aufs Sandmännchen vorzubereiten.

In einer Umfrage der Salzburger Nachrichten sehen das mehr als 38 % der Befragten ähnlich, rd. 24 % geben dem Betreiber in seiner Entscheidung recht, 17 % finden das Lokalverbot für Kinder unter 12 Jahren nicht OK, knapp 20 % könnten sich den Mittelweg mit eingeschränktem Zeitfenster vorstellen.

Sei’s wie’s sei, letztlich sollte es, wie damals vor mehr als 16 Jahren im Hotelbereich, dem Betreiber vorbehalten sein, für welche Zielgruppe er sein Lokal definiert. Und wie in der Hotellerie muss auch im Restaurant- und Barsegment erwachsenenfreundlich nicht automatisch kinderfeindlich bedeuten, wie beides durchaus gut miteinander kann und nicht im Widerspruch stehen muss. Außer, man will es nur so sehen, aber dann ist dagegen sowieso kein Kraut gewachsen.

[Quelle Umfrage: https://www.sn.at/salzburg/chronik/umfrage-keine-kinder-unter-zwoelf-jahren-im-salzburger-lokal-viel-zuspruch-und-kritik-108246073]

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