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REDbook – Sex sells, oder auch nicht!

Ein Jahr Einschränkungen, Enthaltsamkeit und Verzicht von genussvollen wie selbstverständlichen Gewohnheiten, grenzenlosem Konsum und Dingen, die unser Leben schön und für viele überhaupt erst lebenswert mach(t)en – wir „feiern“ gerade ein Jahr Corona und ein baldiges Ende dieses ultimativen Wahnsinns, der Wirtschaft und Gesellschaft weiter vor sich her treibt, scheint trotz einer unglaublichen Testbereitschaft – beim Nasenbohren ist Österreich absoluter Weltmeister – und der bereits vorhandenen Impfung dennoch nicht in Sicht. Das weiter „brav sein und daheim bleiben müssen“ kratzt ordentlich an den Nerven und weckt den Leichtsinn. Gerade jetzt, wo der Frühling keck um die Ecke blinzelt und mit dem „gewissen“ Hormon-Effekt lockt, ist die Sehnsucht nach Freiheit – eben das wieder tun zu können, was man, ohne viel nachdenken zu müssen – eben gerade tun möchte – besonders groß. Nur, ein Schelm ist, wer jetzt hier nur in die EINE Richtung denkt …

Sex sells, das ist ein altbekannter, aber unverändert gut sitzender Marketing-Hut, denn noch immer oder gerade jetzt im Besonderen erzeugen Produkte mit dem gewissen Kick und laszivem Blick leicht bekleideter Supergirls größere Aufmerksamkeit und verkaufen sich damit oft besser, als jene, die lieber weiterhin auf traditionelle und seriöse und damit langweilige Eleganz setzen. Das Ganze nennt sich schlicht Lernpsychologie, und der Reisebranche – die ja gerade schnappatmend darniederliegt – sei diese „Unterstützung“ auch von Herzen gegönnt. Dass sich nämlich ein Thema – dass sich Reisen in Zeiten von Corona – besser im Gedächtnis der Konsumenten verankern, wenn sie in einem „er- und anregenden“ Kontext stehen. Ob dieser nun stimmt, oder nicht – aber machen Sie sich einfach selbst ein Bild!

Das Ganze nennt man schlicht Emotionalisierung eines Produkts: Kennen Sie eigentlich ein anderes Produkt, das derart emotional ist und nachhaltig wirkt, wie (Ver)Reisen? Genau, und damit sind wir jetzt auch beim wirklichen Thema, bei Sex UND Reisen – diese zwei emotionalen Atombomben passen grundsätzlich supergut zusammen. Denn fällt der Alltagsstress, all das, was das familiäre Zusammenleben mit Job, Kids, Hund & Co. daheim oft zum Liebeskiller macht, ab, erwachen oft schon beim ersten Spaziergang am feinen Sandstrand im abendlichen Sonnenuntergang wieder die Gefühle für einander und die Hormone feiern – sind die Kids dann endlich im Lalaland – oft und gerne fröhliche Urständ.

Umso interessanter ist in diesem Kontext eine jüngst von trivago in den USA und Großbritannien und damit in einer zumindest nach außen hin eher „zugeknöpfteren“ Bevölkerungsgruppe durchgeführten Studie mit zu hinterfragendem Ergebnis: Denn auf die Frage, worauf die rd. 2.000 Befragten vorrangig verzichten würden, um endlich wieder eine Reise antreten zu können, antworteten 38 %: Auf Sex!

Was jedoch konkret damit gemeint ist, ob der generelle Verzicht auf ein genussvolles Miteinander mit dem mitreisenden Partner – diesen Paare sei grundsätzlich eine dringende Paartherapie empfohlen – oder als Teil der abwechslungsreichen Urlaubsunterhaltung bei Alleinreisenden, wurde nicht genannt, ebenso wie die Altersangabe der Befragten fehlt. Die nennt dafür die Reiseplattform Contiki, die bereits im Oktober 2018 unter den Millennials – also den 18 – 35-Jährigen – und damit der erklärten Zielgruppe des Online-Reiseveranstalters dahingehend eine Erhebung durchführte. Mit einem eher erstaunlichen Resultat: 80 % der Befragten ziehen Reisen Netflix vor, 73 % verzichten zugunsten von Reisen auf Alkohol und 57 % verzichten lieber auf Sex, denn aufs Verreisen.

Na bitte, die Jugend ist ja doch nicht so verdorben, wie man gemeinhin sagt und gibt damit der Reisebranche Hoffnung auf einen befriedigenden Neustart.

Ich hoffe, Sie haben jetzt auch ein bisschen leidenschaftliches Kopfkino, mit Meeresrauschen und allem anderen, was zu diesem Bild dazugehört. Tut doch in Zeiten wie diesen nicht nur der Reisebranche gut, oder? Die für den kommenden Sommer „lernpsychologisch“ hoffentlich ganz viele lustvolle Reisen verkaufen wird …

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