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REDbook – Schani, trag den Garten aussi!

Mit diesen Worten läutet die Wiener Gastro- und Beislszene rund um den ersten April traditionell die Gartensaison ein und der Piccolo, der kleine Kellner, der im alten Wien nicht selten Johann hieß und in Kurzform zum Schani wurde, musste auf Geheiß Sessel und Tische vors Lokal stellen. Das hätte der gute Schani auch heuer gerne getan, wäre da nicht dieser langweilige Stubenhocker, dieses vermaledeite und spaßbefreite Virus, das uns allen seit nunmehr schon einem Jahr die Laune verdirbt.

Na gut, dann lassen wir den Garten halt noch ein bisserl drinnen, wird sich der Schani mit Murren gedacht haben, als aus der Bürgermeisterlichen Ankündigung, den Schanigarten mit Ende März „aussietragen“ zu können, um zumindest im Freien und zur Freude der schon schwer corona-geschundenen Wiener Seele endlich doch ein bisserl ein Geschäft zu machen, wieder nichts wurde. Bitte warten, heißt es also weiterhin für die arg gebeutelte Gastronomie und die lange Zuliefererkette und der Schani kann grad auch nix anderes tun, als die Tische und Stühle weiter auf Hochglanz zu polieren. Weil irgendwann, heuer noch, wird er das Mobiliar schon noch raustragen dürfen – auch auf den Wiener Märkten. Wo sich zwischen Obst- und Gemüsestandeln ja schon weit vor Corona eine beachtliche Dichte an feiner Kulinarik bis hin zur Haubenküche entwickelte.

Wiens Märkte sind ein Lokalkolorit, ein bunter Schmelztiegel aus Geschichte, Kultur, Tradition, Brauchtum, Lebensstil und Moderne. Hier mischt sich alles, der Wiener Schmäh und grantiger Charme mit hitzigem südländischen Temperament und orientalischem Flair. Hier treffen Gebirgsforelle auf Thunfisch, das heimische Bioschwein-Schnitzel auf edles Kobe-Rind, Petersilie auf Zitronengras, Datteln auf Zwetschken, Paradeiser auf Khakifrüchte, ja und unser Schani auf Li, Ahment oder Ivan. Und alle vertragen sich in diesem bunten Sammelsurium an Farben, Gerüchen und Geschmäckern. Es gibt fast nichts, was es nicht gibt, auf den Wiener Märkten – von Flusskrebsen bis Austern und Kaviar, von der Leberkässemmel bis Döner, Hummus und Schakschuka – die Vielfalt ist schier grenzenlos und reicht von regional und typisch Wienerisch bis exotisch und damit bis ans andere Ende der Welt. Genau diese Vielfalt spiegelt sich auf Wiens Märkten auch in den Kochtöpfen einer grandiosen Beislszene wieder. Mit viel Liebe zum Kochen, zu Regionalität und mit großer Experimentierfreude wird Essen in diesen oft winzig kleinen Lokalen oder Ateliers – allesamt liebevoll hergerichtet – zu einem optischen, geschmacklichen und olfaktorischen Hochgenuss.

Waren Sie schon einmal am Karmelitermarkt, Kutschkermarkt, Brunnenmarkt, am Volkert- und Vorgartenmarkt, am Schwendermarkt, Hannorvermarkt oder Viktor-Adler-Markt? Am Meidlinger Markt, Rochusmarkt, Gersthofer-, Nußdorfer- oder Sonnbergmarkt? Am Floridsdorfer Markt, Johann-Nepomuk-Vogel-Markt und natürlich am Wiener Naschmarkt? Dann wissen Sie ja, wovon ich hier gerade schwärme, und worauf nicht nur ich schon mit großer Sehnsucht warte. Dass der Schani nämlich bald den Garten „aussietragen“ darf – eh klar, nicht nur auf den Märkten, sondern in der österreichweiten Gastronomie – und wir, weil wir ja wohl noch länger nicht auf große Reisen gehen werden können, uns den Geschmack der weiten Welt einfach in einem der vielen köstlichen Marktbeisln in den Schanigarten holen. Eine wundervolle Vorstellung, die mir gerade das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt und weil es nun der Wiener Stadtregierung in ihrer zigten Novelle der Marktordung endlich gelungen ist, die Öffnungszeiten der Marktgastronomie zu entstauben, können wir mit der Öffnung nach Corona die weite Welt künftig tagsüber auch am Sonntag auf Wiens Märkten genießen. Ja, und wer weiß, vielleicht ist dies ja der erste längst überfällige und gerade jetzt überlebensnotwendige Schritt in Richtung einer ganzheitlichen Liberalisierung der Öffnungszeiten. Damit Wien und Österreich nach der Krise im Ranking der beliebtesten Reiseziele wieder die Nase ganz weit vorne hat.

Eine Übersicht der Wiener Märkte finden Sie hier

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