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REDbook – Rotweißrot mit grünem Touch

Austrian Airlines werden also weiterfliegen, das ist gut, richtig und wichtig. Denn die AUA als fliegender Botschafter gehört zu Österreich, sie ist mit ihren nunmehr fast schon 65 Jahren am Buckel zu einem fixen Teil der österreichischen Identität geworden. Dass es diese, nur weil Corona es so entschieden hätte, nicht mehr gäbe, wäre ein Schreckensszenario gewesen. Denn ein endgültiges Grounding der rotweißroten Flotte hätte nicht nur für den Wirtschafts- und Tourismusstandort Österreich fatale Folgen gehabt, sondern auch zigtausende Menschen in der gesamten Leistungskette arbeitslos gemacht. Das alles wird nicht passieren. Austrian Airlines werden kein Corona Opfer werden, sondern auch weiterhin Österreich charmant in die Welt fliegen.

„Eine Lufthansa Gruppe ohne Austrian Airlines wollten, wollen und können wir uns nicht vorstellen,“ sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Lufthansa AG, Carsten Spohr, anlässlich der Einigung mit der österreichischen Bundesregierung, die der AUA mit einem Corona-Hilfespaket in einer Gesamthöhe von 600 Mio. Euro unter die Flügel greift. Dieser Einigung ging ein Ringen um Vorteile – auch eine Beteiligung der Republik Österreich an der AUA bzw. Lufthansa wurde ventiliert – voran. Was aber letztlich keine Option war, denn „für uns hatte die Absicherung des Drehkreuzes und nicht ein paar Prozente an einem deutschen Unternehmen Priorität,“ wie Bundeskanzler Sebastian Kurz erläutert (Quelle: KURIER).

Um es mit einem seiner Vorgänger, Bruno Kreisky, zu sagen: „Ein paar Milliarden mehr Schulden bereiten mir weniger schlaflose Nächte, als hunderttausende Arbeitslose,“ und dieser geschichtsträchtige Sager beschreibt wohl auch die jetzigen Präferenzen gut, denn auch jetzt geht es um Arbeitsplätze und um sehr viele Menschen und Unternehmen in einer sehr langen Leistungskette. Hängen doch weit mehr als „nur“ die 7.000 AUA-Jobs vom Weiterbestehen der heimischen Airline ab. Es geht um große und kleine Zuliefererbetriebe – vom kleinen Bäcker, größeren Technikanbieter bis zum Megadienstleister, dem Flughafen Wien. Es geht um den Standort mit seinem Einzugsgebiet, es geht um den Erhalt des gesamten Wirtschafts- und Tourismusstandorts Österreich. Eigentlich geht es um ganz Österreich und damit im weitesten Sinne um rd. acht Millionen Menschen. Von denen sehr viele ihren Lebensunterhalt entweder direkt oder indirekt in dieser langen Unternehmens-Leistungskette verdienen. Von denen viele regelmäßig auf Dienstreisen gehen und auch ganz viele Österreicher oft und gerne auf Urlaub in die weite Welt fliegen. Genau daran – an soziale, ökonomische und ökologische Auflagen sind die Bedingungen der satten Geldspritze geknüpft. Weil, so Austrian CEO, Alexis von Hoensbroech, Austrian Airlines eine große Relevanz für den Standort Wien haben. „Wir sind dankbar, das Unternehmen und die vielen Arbeitsplätze retten zu können.“  

Im 600 Mio. Euro Paket ist eben diese große Relevanz verankert, geschenkt gibt’s nichts – außer vielleicht die 150 Mio. vom Staat Österreich als frischen Kapitalzuschuss. Und auch den gibt’s letztlich nicht umsonst, denn daran sind langfristige und verbindlich abgesicherte Standortzusagen, die wiederum an strenge ökologische Auflagen geknüpft sind, verbunden. Vor allem die Hubfunktion nach Zentral- und Osteuropa und eine Langstrecken-Forcierung – auch wenn es, so Hoensbroech, vorerst keine Investitionen in die Langstrecke gibt, sind ein wesentlicher Faktor. Die Republik Österreich sitzt künftig mit zwei Personen im Vorstand der Österreichischen Luftverkehrs-Privatstiftung (ÖLP) und wird auch im Aufsichtsrat der Austrian Airlines AG vertreten sein. Also doch ein bisserl Kontrolle von oben …

150 Mio. schießt die Konzernmutter Lufthansa nach zähem Ringen dem maroden Kind zu und für den fetten 300 Mio. Euro Batzen, der von einem österreichischen Bankenkonsortium rund um Erste Group, Raiffeisenbank International, BAWAG und wohl noch ein paar weiterer Banken kommt, muss die AUA nun ordentlich rurcheln, um das geborgte Geld bis 2026 - mit beachtlicher Verzinsung, weil Banken ja auch leben müssen - zurückzubezahlen. Gelingt das nicht, dann geht die AUA, wie Finanzminister Gernot Blümel sagt, ins Eigentum der Republik Österreich über. Also keine deutsche Lösung ...

Tja, Geschenke sehen anders aus, das Geschäft mit dem Fliegen muss also bald wieder nachhaltig richtig brummen, damit das „I-Wort“ dann nicht doch bald wieder am Horizont auftaucht. Und dass es rasch wieder richtig brummt, dafür soll auch eine neue gesetzlich verankerte Anti-Dumping-Regelung sorgen. Zum einen sollen Steuern und Gebühren künftig im Flugpreis enthalten sein, zum anderen wird ein Mindestpreis für alle Airlines verpflichtend werden. Unter 40 Euro wird’s kein Ticket mehr geben, was ein Aus des extremen Billigwahns bedeuten wird und das ist zugegeben ziemlich geil und in Europa einzigartig. Ja und dann verleiht man dem rotweißroten Carrier mit mehr Zug anstatt Flug auf der Kurzstrecke unter drei Stunden, einer Reduzierung des CO2-Ausstoßes bis 2030 um 30 % sowie einer Steigerung der Treibstoffeffizienz um jährlich 1,5 % einen grünen Touch.

All das ist nicht nichts, die Herausforderungen für die AUA und im Airlinegeschäft im Allgemeinen sind immens. Einziger Vorteil: Es ist eine Patt-Stellung, denn niemandem in dieser Branche geht es jetzt gerade anders. Die Frage ist, wer’s jetzt am schnellsten und besten hinbekommt und da hat die AUA mit ihren leidensfähigen Mitarbeitern – die auch jetzt wieder einen großen Verzicht auf sich nehmen – unbestrittenen einen immensen Vorteil.

Was man allerdings in dieser Situation nicht braucht, sind „gescheite“ Kommentare der ewig besser Wissenden. Die – österreichtypisch – lautstark und empört matschkern und ihren Blick dabei nicht über die Tellermitte hinausbekommen. Denn für die, die über den Rand des Tellers blicken, fängt Fliegen schon lange nicht mehr erst auf 1C an …

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