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REDbook – Nur eine Frage des Wollens!

COVID-19, dieses mikroskopisch kleine Ding, dieser lästige Virus, leistet wirklich ganze Arbeit und schafft das, was Vorgängerkrisen nicht gelungen ist: Es zwingt etablierte und erfolgreiche Unternehmen in die Knie, vernichtet in kürzester Zeit gesunde Strukturen und damit ganze Existenzen. Existenzen nämlich von Menschen, die sich mit viel Herzblut und Leidenschaft, mit großem Verzicht, enormem Einsatz und Mut zu hohem Risiko ihren beruflichen Traum erfüllten. Die durch viele Höhen und genauso viele Tiefen gingen und den Menschen mit ihrem Tun immense Freude bereiteten. Und dabei stets nach ethisch und moralisch korrekten Grundsätzen agierten. Aber vielleicht liegt da ja der Fehler. Vielleicht braucht es mehr Gfeanztheit und weniger Korrektheit, um, jetzt wo es vielen Unternehmen an die letzte Substanz geht, auch von jenen gehört zu werden, die das Knockout verhindern könnten. Denn dort, in den lichten Regierungshöhen, stellt man sich, was die Hilfe für die schwer gebeutelte Reisebranche betrifft, weiterhin taub.

Als ich 1998 als schreibender Rookie in die Touristik einstieg und die Welt des Reisens ganz schnell zu meiner großen beruflichen Liebe wurde, war Didi Tunkel einer der ersten, den ich kennenlernen und über den ich schreiben durfte. Ich kann mich noch gut an den Titel der ersten Geschichte erinnern – Von Grafenschachen in die Welt – und damit war damals vor nunmehr 22 Jahren wie heute alles gesagt. Lebe Deinen Traum, was man oft so dahinsagt, hat Didi Tunkel Österreich und der Welt eindrucksvoll gezeigt. Mit Mut, Überzeugung und Hartnäckigkeit bestens ausgestattet, hat er es vom „Kellerstüberl“ seines elterlichen Wohnhauses im burgenländischen Grafenschachen in die weite touristische Welt geschafft und mit Summer Splash ein Produkt am Markt etabliert, das bald oft kopiert, aber nie erreicht wurde. Es gibt eben nur ein Original, einen Summer Splash und es gibt auch nur einen Didi Tunkel – und das ist jetzt überhaupt nicht pathetisch gemeint.

Von 1999 bis 2019 – also 20 Jahre – war Summer Splash DIE Maturareise schlechthin. Wobei Reise das, was diesen längst mit Kultstatus behafteten Event ausmacht, viel zu kurz gegriffen ist. Für die mehr als 175.000 Maturanten, die über die Jahre mit Summer Splash ihren Schulabschluss feierten, aber auch für die vielen Markenpartner und Sponsoren renommierter Lables, für den riesigen Mitarbeitertross und natürlich für die unglaublich lange und namhafte Künstler-Besetzungsliste, die mit ihren coolen Gigs den Summer Splash immer so richtig rockten, war die Reise in die Türkei oder wie zuletzt nach Italien, stets mehr als bloß ein lustiger Partyevent. Der – auch wenn’s da oder dort mal exzessiver war – über all die Jahre immer das hohe Qualitäts- und Sicherheitslevel gehalten hat. Weil das, neben Ehrlichkeit und Korrektheit dem Kunden gegenüber, zu den erklärten Grundsätzen von Mr. Summer Splash zählt(e).

Jetzt hat Didi Tunkel das Handtuch geworfen, weil ihn Corona dazu gezwungen hat und seine bekannte Hartnäckigkeit – wenn Didi sich etwas in den Kopf gesetzt hat, hat er es auch immer umgesetzt – nicht belohnt wurde. Denn wie zu Beginn seiner unternehmerischen Karriere, als er von Bank zu Bank die sprichwörtlichen Klinken putzen ging, um die notwenigen Sicherheiten für sein junges „Tu’ Die Reise“ Unternehmen – aus dem dann die Splashline und damit der legendäre Summer Splash wie viele weitere coole Event-Reiseprodukte hervorgehen sollten – hat er auch jetzt nicht lockergelassen. Aber seine unzähligen Hilferufe an die Wirtschaftskammer und zuständigen Regierungsverantwortlichen bleiben ungehört. Die Insolvenz ist somit der einzige Ausweg, und damit ist ein österreichisches Unternehmen und eine österreichische Institution am Ende des Weges angekommen. 18 Fixangestellte müssen gekündigt werden, rd. 200 Event- und Vertriebsprofis verlieren ebenfalls ihren Job und Didi Tunkel sein Lebenswerk. „In unserer erfolgreichen 25jährigen Firmen-Geschichte haben wir alle Krisen überstanden, alles aus eigener Liquidität und mit privaten Zuschüssen gestemmt, zuletzt das Terror-Jahr 2016, in dem wir mit rd. 9.000 Stornos konfrontiert waren“, sagt Didi Tunkel.

Im heurigen Geschäftsjahr, das bei Splashline am 01. Oktober beginnt, mussten alle (!) geplanten Eventreisen, vom größten Schulskikurs Österreichs, „ÖBB S’COOL“ am Nassfeld, dem „Sound Everest“ Winterfestival am Hauser Kaibling, „Spring Break Europe“ in Novalja in Kroatien, „Brass Palmas“ auf der Insel Krk in Kroatien, die Lehrabschlussreise „LARS“ am Millstätter See und zu guter Letzt aus Verantwortung gegenüber den Maturanten und deren Eltern auch Summer Splash, das von 23. Juni – 07. Juli in Kalabrien geplant war, abgesagt werden. Damit stehen im laufenden Geschäftsjahr 1,8 Mio. Euro Ausgaben NULL Einnahmen gegenüber, dennoch ist die leere Kasse für den graden Michl Didi Tunkel kein Grund, den Kunden die geleisteten Zahlungen nicht zu refundieren. Und da reden wir immerhin von mehr als einer Million Euro, die die gesunde Splashline eben aus eigener Kraft bei Ebbe in der Kasse nicht mehr verkraften kann und daher die Reißleine ziehen muss. „Diese Rückzahlung an unsere Kunden sind für mich aus ethisch-moralischen Gründen alternativlos, somit ist auch dieser Schritt alternativlos. Skrupelloses Stornogebühr-Einkassieren oder ´Gutschein-Tricksereien´ in einer für viele Menschen so schwierigen Zeit, kam für uns von Anfang an nicht in Frage“, sagt Tunkel.

Genau das sollte auch die Regierung hören, dass es in Österreich eben Unternehmer wie Didi Tunkel gibt, die nur dann an die Tür klopfen, wenn es wirklich nicht mehr geht. Dass jetzt dieser österreichische Leitbetrieb – wir setzen doch auf Regionalität, oder? – keine Existenzgrundlage mehr haben soll, dass man dieses bestens etablierte Marktsegment der Maturareisen und diese innovative österreichische Idee nun wirklich verschenkt - dass sie aufgegriffen wird, davon kann man gesichert ausgehen – kann nicht im Sinn des Erfinders und damit nicht im Sinne Österreichs sein. Denn wenn man bereit ist, ein touristisches no name Start-up Unternehmen, das bei Weitem nicht über die Reputation, Erfahrung, Anerkennung und Kompetenz eines Didi Tunkels mit seiner Splashline und dem Aushängeschild Summer Splash verfügt, mit 220.000 Euro aus dem Staatssäckel zu subventionieren, liegt es wohl nur am Wollen  …

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