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REDbook - Nicht ohne meine Pampers!

„Wer sich an das Absurde gewöhnt hat, findet sich in unserer Zeit gut zurecht,“ wusste schon Eugène Ionesdo, einer der bedeutendsten Dramatiker der Nachkriegszeit und führender Vertreter des Absurden Theaters, über seine Zeit – das 20. Jahrhundert - zu analysieren. Und besser als absurdes Theater könnte man die kaum mehr zählbaren grotesk-komischen, irrealen, sinnbefreiten und oft auch orientierungslosen Ideen zur Eindämmung der Corona Pandemie nicht bezeichnen. Fliegen mit Windeln, derartige Überlegungen sind kein Scherz und wer weiß, was den „kreativen“ Köpfen im Kampf gegen den hinterlistigen COVID noch an Absurditäten einfällt.

Vorweg, nehmen Sie mich heute nicht ganz ernst, denn möglicherweise sind meine Phantasien rund um den „Pampers-Passagier“ doch ein wenig mit mir durchgegangen. Obwohl, wenn die Chinesen ernsthaft darüber nachdenken, ihren Crews Windeln auf Langstreckenflügen zu verpassen, dann ist der Weg zum Passagier im Einweghöschen auch kein weiter mehr. Ventiliert doch die Civil Aviation Administration of China (CAAC) in ihren gerade veröffentlichten neuen 49seitigen Richtlinien für persönliche Schutzausstattungen ernsthaft, den chinesischen Flugbegleitern das Tragen von Windeln nahezulegen. Um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren, soll das Kabinenpersonal, wenn die Blase oder sonst was während der Arbeit über den Wolken drückt, nämlich möglichst nicht mehr dorthin gehen, wo bekanntlich auch der Kaiser zu Fuß hingeht, sondern entweder, wie wir in Wien sagen „einfach zamzwicken“ oder ihren menschlichen Bedürfnissen „bewindelt“ freien Lauf zu lassen. Hinter dieser infantilen und ziemlich entwürdigenden Idee verbirgt sich einfach Angst, die scheinbar auf einer einzigen nachgewiesenen Ansteckung eines Passagiers in einer Flugzeugtoilette basiert. Weil, so die Begründung, eben dieses Häusel der einzige Ort an Bord gewesen ist, an dem die gute Frau keine Schutzmaske getragen hat. Warum, ist nicht verifizierbar, aber ehrlich, das Tragen eines Mund-Nasenschutzes wäre schon früher ein probates Mittel gegen so manch olfaktorisches Erlebnis auf Flugzeugtoiletten gewesen.

„Pipi to go“ für die chinesischen Crews, weil ganz so easy wäre der natürliche Gang zur Toilette für die in Schutzanzügen fliegenden und mit medizinischen Masken, speziellen Einweghandschuhen und Brillen sowie Schuhabdeckungen und Einweghauberln ausstaffierten Flugbegleiter sowieso nicht mehr zu bewerkstelligen. Die als unkonventionelle Maßnahme bezeichnete „Empfehlung“ – was immer das in China heißen mag, wäre doch eine „for crew only“ Toilette die einfachere, aber vor allem menschenwürdige Variante – wird für Langstreckenflüge von und in Risikogebiete mit mehr als 500 Coronafällen pro einer Million Einwohner überlegt.

Dabei ist die Windelidee für den fliegenden Berufsstand gar nicht so neu, denn neben Astronauten und Berufs-Tiefseetaucher stehen auch Piloten, die auf ihren Langstreckenflügen keinen oder nur schwer Zugang zur Bordtoilette haben, auf der Windel-Trageliste.

Spinnt man diesen abstrusen Gedanken nun in Richtung Passagier weiter, könnte das persönliche Blasen- und Darmmanagement künftig eine nicht unwesentliche Rolle auf Flügen spielen. Oben die Maske unten die Windel, Fliegen bekommt eine völlig neue „Attraktivität“ und den Airlines – die schwer durch die Krise gebeutelt fliegen – eröffnet sich plötzlich ein gänzlich neues Potenzial an Zusatzeinkünften. Wenn nämlich anstatt der Hydrogel-Superabsorber-Windel – die ein Vielfaches an Flüssigkeit aufnehmen und binden kann – doch lieber die moderne Latex-Katheter-Variante mit automatischem Abpump-System bevorzugt wird. Die dann per USB-Verbindung über den Flugzeugsitz den Connex zum PC herstellt und dann sogleich über die persönliche App der Verdauungsfortschritt sowie der Zeitpunkt der bevorstehenden Erleichterung errechnet wird, erreicht auch das virtuelle Bordentertainment eine neue Dimension. Ob der Vorgang selbst dann ein entspannter oder anstrengender ist, ob’s also flutscht oder stockt, ist dann an den Gesichtern der Passagiere abzulesen.

 „For your comfort only“ oder einfach nur: Willkommen in Absurdistan!

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