traveller

REDbook – Machen wir’s doch wie mit jungen Hunden!

Bis 07. Februar – vorerst – bleiben wir also weiter zu Hause, von wo wir mittlerweile halbwegs routiniert, erheblich reduziert und ordentlich frustriert unseren privaten wie beruflichen Alltag auf mehr oder weniger engem Raum leben. Auch wenn’s längst ziemlich „zach“ ist, bleibt uns eigentlich nix anderes übrig, als das Corona-Übel mit Maske – ab jetzt nur mehr das schnittige FFP2-Modell – einem nun auf zwei Meter angewachsenen Babyelefanten und dem schon gewohnten Händewaschmarathon – auszusitzen. Weil sich beugen und unterwerfen halt nicht von Geburt an in der DNA von Mr. C enthalten ist und ihm – oder besser uns – erst mit dem Spritzerl eingeimpft werden muss. Und weil das dauert, lässt die Welt noch länger den Rollbalken unten und prolongiert damit den gesellschaftsemotionalen Supergau.

Nix wird’s somit vorerst mit Aufsperren der Gastronomie und Hotellerie und damit mit dem sanften Restart des Tourismus und der damit verbundenen Schadensbegrenzung einer Saison, die sowieso längst den Bach runtergeht – in Österreich wie in allen Nachbarländern und vielen Staaten Europas bleibt es auch die nächsten Wochen zappenduster. Weil SARS-CoV2 als Auslöser der COVID-19-Pandemie gerade das tut, was Viren spontan immer tun: Es mutiert und macht jetzt als B.1.1.7 am Buckel seines Vorgängers weltweit Karriere und damit die Hoffnungen der Tourismus- und Reisebranche auf einen Restart nach mehr als einem halben Jahr nahezu totalen Stillstands zunichte. Das schmerzt gewaltig und der Kampf dieser schwer gebeutelten Branchen – der Touristik, der Hotellerie, der Gastronomie – grenzt eigentlich schon an Übermenschliches und zeigt die hohe Leidensfähigkeit aller in diesen Bereichen tätigen Unternehmen. Aufgeben ist halt keine Option, vielmehr versucht man weiter mit aller Kraft beweglich und so gut es geht aufgestellt zu bleiben. Das ist ein gewaltiger Herkulesakt, der nicht nur hart an die monetären Grenzen, sondern vor allem an die psychische und physische Substanz geht. Es geht gerade um sehr viel, wenn nicht gar um alles. Es geht ums Image für die Zeit nach Corona. 

Genau für diesen Imageerhalt, für die positive Wahrnehmung Österreichs als besten Gastgeber und Top-Reiseland in der Welt braucht es die leidenschaftlichen Touristiker, Hoteliers und Gastronomen, ebenso wie all die vielen großen und kleinen ganz eng mit dem Tourismus verbundenen Dienstleister – vom Skilehrer, Bergführer, Souvenirverkäufer, Hütten- und Gastwirt, Skilift-, Gondel- und Seilbahnbetreiber, Reisebüro- und Airlinemitarbeiter, Busfahrer und Bahnführer, Elektriker, Tischler, Tapezierer, Bäcker, Fleischer, bis zum Milch-, Obst- und Gemüsebauern lässt sich diese Kette endlos weiterknüpfen. Am anderen Ende dieser hochwertigen Perlenschnur braucht es natürlich den Konsumenten, den Reisenden, den Gast, dem man aber, je länger diese Wahnsinnskrise dauert, immer mehr die Fähigkeit eines verantwortungsbewussten Miteinanders nimmt, weil, wie auch bereits hier öfters zu lesen war, es halt immer ein paar dunkelbunte Schafe gibt, die mit ihrer apokalyptischen Unvernunft und grenzenlosen Dummheit die ganze Herde „verseuchen“ und ins finstere Büßereck stellen.

Dabei ist’s eigentlich ganz einfach. Lachen Sie mich jetzt nicht aus, aber genau wie man junge Hunde erzieherisch „motiviert“, indem man sie für’s Erlernen von fixen Regeln mit einem Leckerli belohnt und Wauzi das, was er eben nicht tun darf, wofür er gescholten wird, rasch positiv verknüpft, sollte doch auch beim Menschen funktionieren. Freizeit und Tourismus sind jene superfeinen Leckerlis, jene Belohnungen, die den Menschen und auch die Wirtschaft glücklich machen und das gesellschaftliche Stimmungsbarometer schnell ins Positive ausschlagen lassen. Nur spielen diese zuckersüßen Wirtschaftsfaktoren halt in der Politik – zumindest in der aktuellen Situation – eine scheinbar nur untergeordnete Rolle. Weil Freizeit, so sagt auch Peter Zellmann, über Jahrzehnte in der Politik überhaupt keine Kategorie war. Dabei, so der Tourismus- und Freizeitforscher im KURIER Interview, finden die meisten Menschen gerade den Sinn des Lebens in der Freizeit, nimmt man ihnen hier die Gestaltungsmöglichkeit, nimmt man ihnen das subjektive Freiheitsgefühl. Was, geht es noch lange mit den vielen notwendigen Maßnahmen, Einschränkungen und Verboten weiter, laut Zellmann neben einem wirtschaftlichen auch in einem emotionalen Desaster mündet. Wenn man sich nicht schon zuvor gegenseitig die Köpfe einschlägt.

Ja, die Situation ist prekär und die Maßnahmen, um die Pandemie in den Griff zu bekommen, sind alternativlos. Das weiß auch die ganze große vernünftige weiße Herde. Jedoch, und da braucht man gar kein hochstudierter Kopf zu sein, um zu erkennen, dass Tourismus und Freizeit die gesunde Medizin für den gerade immer mehr aufschaukelnden aggressionsgetriebenen gesellschaftlich-emotionalen Kollaps ist. Eine Wahrheit, vor der kein Mensch und schon gar kein Politiker dieser Welt im Kampf gegen jedes noch so kleine Virus die Augen verschließen darf.

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Newsletter

Mit nur einem Klick zur Anmeldung für Newsletter und E-Paper. Immer up2date in der Touristik mit dem traveller.

Anzeige

Aktuelles E-Paper

Touristik Telefonbuch 2019

Anzeige
Anzeige