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REDbook – Lernen's a bissl Geschichte

Ich bin ja kein studierter Mensch, weder einer der gerade hoch im Kurs liegenden virologischen bzw. epidemiologischen Gattung, von denen gibt’s ja aktuell - bis auf jene wenige, die sich mit Viren und Bazillen wirklich gut auskennen – gerade sehr viele, noch kann ich sonst mit irgendeiner Promotion magna oder gar summa cum laude glänzen. Ich verfüge lediglich über eine stinknormale und wenn man so will, auch mit bestem Erfolg absolvierte Schulbildung und bin damit bis jetzt, da ich nun unter mein Berufsleben auch schon bald ein Hakerl machen kann, eigentlich immer sehr gut gefahren. Weil es da nämlich etwas gibt, das man nicht studieren und auch nicht per Werbeslogan aus dem Supermarktregal kaufen kann. Das nennt sich Hausverstand und so dieser auch noch gesund ist, umso besser. Meiner, er heißt übrigens Fritz, flüstert mir gerade sehr laut „aufpassen“ ins Ohr.

„Lernen’s a bissl Geschichte“, dieses aus dem Jahr 1981 stammende Zitat von Bruno Kreisky ist legendär und wird gerne in eben dieser verkürzten Form verwendet, so wie ich das jetzt auch tue. Denn um bei der wahren Geschichte zu bleiben, müsste es korrekt wie folgt weiter lauten: „und dann werden Sie sehen, Herr Reporter, wie das in Österreich sich damals im Parlament entwickelt hat.“ Die Causa prima, wofür sich der fragende Redakteur die zurechtweisende Belehrung des damaligen Bundeskanzlers einfing, war der AKH-Untersuchungsausschuss. Die Fragerei rund um dieses österreichische Politspektakel missfiel dem wortgewandten und selten um ein Bonmot verlegenen Kreisky, was dann letztlich in diesen berühmten Worten mündete. Soweit dazu, die heutige Geschichtsstunde ist damit aber noch nicht beendet, vielmehr fängt sie gerade erst an. Denn vielleicht – hoffentlich - hilft ja ein Blick zurück ins Jahr 1918, als die Spanische Grippe die ganze Welt in die Zange nahm und letztlich auch vor San Francisco nicht Halt machte, den gesunden Hausverstand mit auf die leichte Schulter zu setzen. Denn wohin unbedachte Lockerheit und dummer Widerstand gegen ein kleines Stück Stoff führen kann, aber lesen Sie selbst …

Damals, im November 1918 konnte man – wie heute bei uns - mit einer eilig verhängten Maskenpflicht die Kurve der Neuinfektionen in San Francisco flach halten und die erste Pandemie-Welle damit stoppen. Doch das Gemaule und Gemeckere um diese per Strafe behördlich verordnete Maßnahme wurde immer lauter. Ja, selbst die Stadtväter traten nicht immer gesetzeskonform mit Mundschutz auf, was die Diskussion um diese „undemokratische und freiheitsberaubende“ Verordnung in der Bevölkerung zusätzlich befeuerte. Die Zahl der Grippeerkrankten begann – welch großes Wunder - dennoch deutlich zu sinken, das vermaledeite Maskerl war also doch nicht so verkehrt. Was dann am 21. November dazu führte, dass man aus der Pflicht eine Empfehlung machte. Der man aber – der Hausverstand dürfte mehrheitlich Ausgang gehabt haben – nur sehr eingeschränkt folgte. Denn bereits ein paar Tage später, Anfang Dezember, stiegen die Neuinfektionen erneut rasant an, am 17. Jänner kam es damit wieder zur Maskentragepflicht, doch da rollte die zweite Welle bereits mit voller Wucht über San Francisco. Die traurige Bilanz: Die Stadt verzeichnete mehr als 50.000 Erkrankungen, rd. 3.500 Menschen starben an der Spanischen Grippe. Mit ziemlicher Sicherheit wäre diese Zahl geringer ausgefallen, hätte man die Lockerungen nicht ganz so locker genommen und nicht hirnlos gegen die Maskentragepflicht opponiert. Gegen ein kleines Stück Stoff nämlich, das sicher keine heilende aber – und das belegt auch diese Geschichte – präventive Wirkung hat.

Ziemlich viele Parallelen zu heute, finden Sie nicht auch? Denn wie damals die „gscheiten Frisco-Bewohner“ glauben auch heute ganz viele Corona summa cum laude Virologen, gescheiter als die zu sein, die’s wirklich studiert haben. Die sich darüber alterieren, dass sie unter diesem kleinen Stück Stoff schwitzen, nicht atmen und überhaupt nicht damit leben können. Die ihren Hausverstand tief im Souterrain versteckt halten und denen gleichgültig ist, was passieren kann und – weil hoffentlich die gesunde Hausverstandsfraktion die Mehrheit ist - nicht passieren wird, wenn man Mr. C jetzt die Leine lockerer lässt? Tja, lernen’s a bissl Geschichte, um es mit Kreiskys geborgten Worten zu verdeutlichen. Denn ob das mit der viel zitierten Eigenverantwortung, die ja die Verwandtschaft des gesunden Hausverstands ist, wirklich funktioniert?

Ich hör weiter auf meinen Fritz, der mir gerade ziemlich laut ins Ohr flüstert: „Setz das Maskerl noch ein bisserl länger auf, es tut nicht weh, aber ….“ 

Quelle: https://www.spiegel.de/geschichte/maskenpflicht-1918-als-die-spanische-grippe-san-francisco-traf-a-17f9fe32-ab41-49b1-921e-c4dea23dffc2

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