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REDbook – Investment in gesunde Regionalität

Was bedeutet es eigentlich, wenn wir – jetzt gezwungenermaßen und nicht unbedingt aus Überzeugung – beim Einkaufen, beim Essen oder auch beim Urlaub und Verreisen – aufs Österreichische, aufs Regionale, fokussieren (sollen)? Gerade – der Grund ist hinlänglich bekannt – bleibt uns und vielen anderen Ländern – eigentlich der ganzen Welt – ja nichts Anderes übrig, als aufs eigene Land zu schauen. An sich eine Selbstverständlichkeit, sollte es daher auch keine derart drastische und gesundheitsgefährdende Einmischung brauchen. Oder doch, denn scheinbar sind wir irgendwann falsch abgebogen.

Von globaler freier Marktwirtschaft, vom freien Handel und Reisen, vom grenzüberschreitenden Ein- und Verkauf, ist gerade wenig bis gar nichts übrig, weil ein kleines Virus alles, was unser freies Leben und unsere offene Wirtschaft noch bis vor Kurzem ausmachte, obsolet gemacht hat. Jetzt müssen wir grad ein bisserl brav sein, artig zu Hause bleiben und vor allem daheim einkaufen. Weil’s in dieser Welt-Wahnsinnskrise gerade nur darum geht, das eigene Land, die eigene Wirtschaft und Wertschöpfung zu stützen und am Leben zu halten. Eine bittere Medizin, wenn man doch als Weltbürger gewohnt ist, überall hinzureisen und im globalen Supermarkt nach Lust und Laune einzukaufen. Nun, aus diesem Schlaraffenland sind wir gerade ausgesperrt und kämpfen hart mit dieser Zäsur. Die jedoch tut der Natur, der Umwelt, dem Klima ziemlich gut, hier im kleinen Österreich wie auf der ganzen Welt. Zwar wird diese Zwangspause vom grenzenlosen Konsum das schon ziemlich rachitisch gewordene Klima nicht heilen, aber diese Frischzellenkur verschafft dem kranken Patienten eine dringend notwendige Atempause. Weil der „erzwungene“ Fokus auf mehr Regionalität und damit auf kürzeren oder überhaupt weniger Transportwegen dem maroden Klima wieder zu roten Backerln verhilft. Wir entdecken also gerade wieder, was Österreich alles drauf hat, was ziemlich klimafreundlich ist und sagen mit Ja zu A und auch Ja zu heimischer Top-Qualität.

Ja zu A, das ist nicht neu. Dieses Bekenntnis zu „Made in Austria“, zu österreichischen Qualitätsprodukten, hat schon ein paar Jahre am Buckel und erlangte bereits 1989 mit dem gleichnamigen ORF-Informationsspiel, humorvoll von Günter Tolar moderiert, Kultstatus. Nur scheinbar sind wir dann irgendwann zu stark in die Internationalität abgebogen und haben einfach darauf vergessen, dass das Gute ganz nahe ist. Wenn der Schnittlauch aus Spanien, der Knoblauch aus China, die Äpfel aus Neuseeland, die Butter aus Irland usw. usw. ins Supermarktregal kommen und dann hierzulande, trotz langer und ziemlich emissionsschädlicher Transportwege, auch um Eckhäuser billiger verkauft werden, als die regionalen Qualitätsprodukte heimischer Produzenten, fällt es gerade jenen Konsumenten mit schmaler Börse schwer, Patriotismus ins Einkaufswagerl zu legen. Weil er sich den schlicht nicht leisten kann. Und auch die heimischen Produzenten stellen sich berechtigt die Frage, wofür die tägliche Müh‘, wenn man für Hörndl- und Körndl-Wirtschaft nur einen Bettel bekommt, die Landwirtschaft dann nur mehr im Nebenerwerb führen kann, weil’s fürs tägliche (Über)Leben nicht mehr reicht. Und man dann selbst zum Einkaufen im Supermarkt auf die Massenwaren aus dem fernen Ausland greifen muss. Ob dieser Abnormität stellt es einem schon die österreichischen Nackenhaare auf.

Kann man dieses Rad aber überhaupt noch zurückdrehen? Ist die Krise eine reale Chance für eine Renaissance der Regionalität und was würde das fürs Reisen bedeuten? Ein Zurück zum Pferdefuhrwerk kann es nicht mehr geben, denn die Welt ist längst zu einer grenzenlosen, offenen geworden und wird auch nach Corona wieder eine solche sein. Insellösungen und Inseldasein können also nicht lange funktionieren. Weil Regionalität auch längst zu einem Exportgut geworden ist, und damit sind wir wieder bei den Transportwegen angekommen. Auch dürfen die Profiteure nicht die Großkonzerne alleine sein, leben sie doch Großteils von der feinen Suppe der regionalen Produzenten.   

Es braucht daher sinnvolle, nachhaltige, kluge und für alle – für den kleinen Produzenten wie den großen Konzern – praktikable und gerechte Konzepte und es braucht vor allem Mut und ein ehrliches Regulativ, um Zielverfehlungen im Klimaschutzbereich auch entsprechend einzufordern und keine medienwirksamen, choreografierten und inszenierten, aber inhaltsleere Kampagnen.

Sagen wir ruhig laut Ja zu A, aber nicht bloß, weil’s gerade gut klingt und tun wir nicht bloß auf nachhaltig, indem wir uns das pseudogrüne Mascherl umhängen, weil nur dann Privilegien und Förderungen winken. Damit helfen wir weder dem kranken Klima noch uns. Investment in gesunde Regionalität, in Ökologie, Nachhaltigkeit und Klimaschutz ist Investment in die Zukunft und damit die einzige langfristig wirkende Medizin für künftige Generationen.

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