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REDbook – Heiter bis sehr wolkig!

Wir wissen längst, nichts ist mehr so, wie es noch vor ein paar Wochen war, obwohl eigentlich alles wie immer ist. Wir leben, wie wir immer gelebt haben, wir kaufen, was wir immer gekauft haben, wir essen und trinken, was wir immer gegessen und getrunken haben, wir lieben, was wir immer geliebt haben, wir lehnen ab, was wir immer abgelehnt haben. Und dennoch leben wir seit geraumer Zeit einen völlig anderen Alltag und ein gänzlich anderes Miteinander. Und genau dieses Miteinander – bis vor kurzem noch als Team Österreich tituliert – zeigt jetzt, im weiteren Krisenverlauf, interessante Ausprägungen. Krisen verändern eben das Leben und damit auch den Menschen, gerade in Ausnahmesituationen werden angeborene aber gut verborgene Wesenszüge deutlich. Wie das Leben, hat eben auch der Mensch nicht nur ein heiteres Gesicht.

Wir kennen sie und kommen alle immer wieder in Situationen, die, wie wir Wiener sagen „net leiwand“ sind. Die sich in der Magengegend als ziemlich ungutes Gefühl festsetzen und die man am liebsten schnell vergessen möchte. Es muss gar nichts Großes, nichts Gravierendes sein, oft reicht ein unbedacht gesagtes Wort und schon ist man mitten drinnen im größten Fettnapf. Und während man an diesem Missgeschick knabbert und versucht, irgendwie aus der misslichen Lage zu entkommen, belustigen sich andere darüber und lassen ihrer Schadenfreude vollen Lauf. Ja, wer den Schaden hat, braucht eben auch für den Spott nicht zu sorgen, besagt ein bekanntes Sprichwort und da ist viel Wahres dran.

Obwohl, Schadenfreude – so die gelehrten und gescheiten Köpfe – an sich nichts Verwerfliches ist und per Definition durchaus auch als positive Emotion durchgeht. Aber auch dann handelt es sich dabei stets um ein sehr komplexes und von ganz vielen Faktoren beeinflusstes Gefühl. Stell ich beispielsweise jemandem bewusst ein „Haxl“, um von dem folgenden Ausrutscher meines Gegenübers zu profitieren, hat das wenig mit Schadenfreude, sondern vielmehr mit Hinterlist zu tun. Lach ich hingegen über den Ausrutscher meines Gegenübers auf der sprichwörtlichen Bananenschale, also über kurze alltägliche lapidare Geschehnisse, die dann eher auch positive Emotionen auslösen, fallen diese Ereignisse – auch wenn sie bei dem, den sie betreffen zumindest kurzfristig Verärgerung und hoffentlich keinen Beinbruch auslösen – eher in die Slapstick-Kiste. Schadenfreude hat also viele Gesichter und die Gefühls-Wetterkarte reicht dabei von heiter und fröhlich über finster und abstoßend bis ziemlich kränkend und verletzend.

Jetzt, da sehr vielen Unternehmen verschiedenster Branchen und deren Mitarbeitern aufgrund der Coronakrise das Wasser bis zum Hals steht, über das Unglück und den Jobverlust jener, die es leider erwischt, zu jubeln und laut Bravo zu rufen, ist die wohl boshafteste Form von Schadenfreude. Denn was ist lustig daran, wenn ein Unternehmen nach dem anderen jetzt in der größten Krise nach dem zweiten Weltkrieg das Personal reduzieren muss, um überlebensfähig zu bleiben? Was ist lustig daran, wenn Unternehmensteile abgestoßen bzw. geschlossen werden und damit Mitarbeiter gekündigt werden müssen, weil man in diesen Bereichen nun nicht mehr entsprechend reüssieren kann? Was ist lustig daran, wenn sich die Jobverluste häufen und die Menschenschlangen auf den Arbeitsämtern damit immer länger, jedoch die Perspektiven am Arbeitsmarkt immer düsterer und beschränkter werden? Beschränkt, genau das ist was die Denke jener beschreibt, die sich über das Unglück anderer bemüßigt fühlen, hämisch urteilen zu müssen. Die sich darüber belustigen und dabei gänzlich vergessen, dass sie – nämlich im selben Branchenboot sitzend – durchaus Gefahr laufen, die nächsten in dieser Abwärtsspirale sein zu können. Dann lachen wahrscheinlich die anderen!

Die Alternative zu Schadenfreude ist übrigens Mitleid und wäre die wohl angebrachtere Gefühlsregung.

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