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REDbook – Frauen, das Gleichgewicht in der Gesellschaft

Heute ist Weltfrauentag und der hat irgendwie ein bisserl was von Muttertag. Weil da wie dort wird Frau einmal im Jahr geehrt, geherzt und als für Familie und Gesellschaft unersetzlich vor den Vorhang gestellt, der sich jedoch bis zum nächsten Frauen-Mutter-Welttag dann mehr oder weniger wieder schließt und Frau sich wieder in die alltägliche Routine fügt. Naja, nicht ganz, man muss schon ehrlich sein, denn was Gleichberechtigung und Gleichstellung seit 1911 – dem allerersten Frauentag – betrifft, hat sich dieser dicke Store doch schon ein ganzes Stückerl gelüftet. Und auch, wenn Mann, was die berufliche Chancengleichheit anlangt, noch immer sein Gesichtszentrum um eine ordentliche Nasenlänge vorne hat, sind taffe Frauen in lichten Vorstands- und Unternehmenshöhen zwar noch immer rar, aber durchaus keine Exoten mehr, um eben nur der Quote gerecht zu werden. Die ist in der Reise- und Tourismusbranche, in der viele Frauen das große oder kleinere Unternehmens-Orchester dirigieren, kein Thema.

Das Wahlrecht für Frauen, ein vollumfänglicher freier Universitätszugang und das von den Vereinten Nationen verabschiedete Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau sind nur drei der großen Meilensteine, die im Laufe des letzten Jahrhunderts jenen Platz an der Seite des „starken“ Geschlechts garantiert, der im Laufe der Evolution eigentlich nie ein Thema, sondern immer schon eine Selbstverständlichkeit hätte sein müssen: Die Gleichstellung in Gesellschaft und Arbeitswelt. Weil der Mensch und nicht das Geschlecht auf die jeweilige Position passen muss, wie es die LKA Tirol Chefin, Katja Tersch, formuliert (Quelle: Kronen Zeitung v. 07.03.21). Dass gerade in der Reisebranche ganz viele Frauen und immer mehr in Führungspositionen passen, ist sicher kein Zufall, denn die Reisebranche ist, wie einige Beispiele stellvertretend für die vielen taffen Frauen, die am internationalen Tourismusparkett reüssieren, fest in weiblicher Hand.

Die Reisebranche ist weiblich

Die Suffragetten und Urmütter der Frauenbewegung, die Anfang des 20. Jahrhunderts mehr oder weniger organisiert, dafür fest entschlossen für die Rechte der Frau kämpften, würden, was die Zahl der weltweit im Tourismus beschäftigten Frauen betrifft, sicherlich laut jubeln. Denn mit 54 % (lt. Global Report on Women in Tourism der UNWTO) ist die globale Tourismusbranche nicht nur in den „einfachen“ Arbeitsbereichen mehrheitlich eine weibliche, vielmehr ziehen in den lichten Führungs- und Vorstandshöhen immer mehr Frauen ein. Ob in der internationalen Luftfahrt – seit Dezember 2018 lenkt beispielsweise mit Anne Rigail als CEO eine Frau die Geschicke von Air France – schupfen Frauen in der Touristik und Hotellerie immer öfter den Laden und stehen der smarten Männlichkeit in Entscheidungsfindung und -freudigkeit, Prozessoptimierung und Mitarbeiterführung – kurzum, in allem, was ein Oberboss halt alles zu entscheiden hat – um nichts nach. Entweder sie kann’s oder sie kann's nicht, was im Übrigen auch für IHN gilt. Alles also nur eine Frage der Qualifikation und Ambition oder wie es Tijen Onaran in ihrer Keynote zum HORIZONT-Talk „Frauen in Wirtschaft und Kommunikation“ anlässlich des heutigen Weltfrauentages sagt: „Es geht darum, eine Haltung und eine Meinung zu haben, Werte zu vertreten“, für die Unternehmerin und CEO von Global Digital Women geht es generell um Sichtbarkeit, weil „Sichtbarkeit heißt Vertrauen schaffen, und in einer komplexen Welt ist Vertrauen die Währung Nummer Eins. Denn Menschen folgen Menschen.“ Das gilt wohl gleichermaßen für Mann und Frau, egal in welcher Branche, wiewohl, und das zeigte auch der von Dagmar Lang, Geschäftsführerin und Herausgeberin des Manstein Verlags moderierten Talks: Frauen in Wirtschaft und Kommunikation stehen immer noch vor großen Herausforderungen, wenn es um ihre Karriere und Berufslaufbahn geht.

Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel, denn in der Tourismusbranche trifft das smarte Businesskostüm immer öfter auf den feinen Nadelstreifzwirn.

Club Med: Beim Erfinder des Premium All-inclusive Urlaubs, der in den 1950er Jahren eine völlig neue Art des Urlaubs begründete, haben Frauen das Sagen. Anne Browaeys, bereits seit 2015 als CEO Global Marketing, Digital & Technologies für das globale Marketing- und Digitalteam für Club Med tätig, zeichnet seit Kurzem als CEO für die Märkte Europa und Afrika verantwortlich. Nathalie Rohmer ist seit August 2020 die neue Geschäftsführerin von Club Med Deutschland und arbeitet in dieser Position eng mit Estelle Giraudeau, Geschäftsführerin von Club Med UK und Nordeuropa, zusammen. „Aktuell sind rund 80 % unserer Mitarbeiter im Markt UK und Nordeuropa Frauen. Ich bin stolz in einem Unternehmen tätig zu sein, dass sich auf so vielfältige Weise für Gleichberechtigung einsetzt und Frauen gezielt fördert“, so Rohmer.

Neu ist die „Frauen-Offensiv“ von Club Med nicht, bereits 2012 hat das Unternehmen Initiativen zur Förderung von Frauen im Beruf etabliert, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Dabei stehen die Bereiche Neueinstellungen, Beförderungen und eine gesunde Work-Life Balance im Fokus, vor allem sollen Frauen in den Resorts wie im Hauptsitz sowie in den Niederlassungen verstärkt für Führungspositionen berücksichtigt werden. Zudem ermöglicht Club Med Männern und Frauen gleichermaßen bezahlte Elternzeit.

Leonardo Hotels: Waren weibliche Angestellte in der Hotellerie vor 60 Jahren noch eher in der Minderheit, würde ein Hotelbetrieb ohne Frauen heute nicht mehr funktionieren. Mehrheitlich sind Rezeption, Service- und Housekeeping in weiblicher Hand, aber auch immer mehr Spitzenpositionen sind mit Frauen besetzt. Dabei zeigen die Leonardo Hotels, dass der Weg in eine Spitzenposition durchaus ohne genderspezifische Einschränkungen ablaufen kann und persönliche Bedürfnisse dabei ernst genommen werden. Etwa 57 % der Mitarbeiter in Deutschland sind weiblich, in etwa jedem vierten Leonardo Hotel in Deutschland befinden sich weibliche Angestellte in leitenden Positionen wie General Manager oder Operations Manager. Der Anteil der weiblichen Azubis und dualen Studentinnen ist mit 30 % beachtlich. Ein Erfolgsfaktor ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dafür setzt sich Leonardo Hotels aktiv ein und wurde beim Audit „Beruf und Familie“ der gemeinnützigen Hertie-Stiftung auch 2018 für dieses Engagement ausgezeichnet. Von Vollzeit über Teilzeit bis hin zur Doppelspitze der Abteilungsleitung und mehr – Leonardo Hotels verfolgt ein Modell, das allen Generationen, Geschlechtern und Nationalitäten sowie Lebensphasen gerecht wird. Die Arbeit im Homeoffice ist dabei ebenso möglich wie Elternzeit für Väter.

Sandals and Beaches Resorts: Gleichberechtigung und persönliche Weiterentwicklung werden bei Sandals and Beaches Resorts großgeschrieben. Martina Roth ist seit 2015 Hotelmanagerin im Sandals Halcyon Beach. Zuvor arbeitete sie als Rooms Division Manager im Sandals Regency La Toc Golf Resort & Spa. Martina Roth ist heute eine von vier weiblichen Hotelmanagerinnen bei Sandals Resorts und leitet gemeinsam mit Winston Anderson, Managing Director des Resorts, das Sandals Halcyon Beach auf St. Lucia. „Frauen sind das Gleichgewicht, das in jeder Gesellschaft notwendig ist. Wir haben so viel Potenzial, das wir einbringen können. Ich werde mich dafür einsetzen, die Karrieren aller Frauen, die ich in der Branche und bei Sandals treffe, voranzubringen – sofern sie Interesse an ihrer eigenen Entwicklung zeigen und eine Leidenschaft für hervorragende Leistungen haben. Bei Sandals Resorts habe ich auf jeden Fall gesehen, dass hier nicht nur mehr Frauen als in der Branche üblich beschäftigt sind, sondern, dass sich Frauen auch im Management des Unternehmens und in Führungspositionen wiederfinden.”

Belize Tourism Board: Karen Bevans ist seit sechs Jahren die Direktorin des Belize Tourism Board. Zuvor hatte Karen ebenfalls eine Führungsrolle als COO bei einer Telekommunikationsfirma in Belize inne. Dann wechselte sie in die Tourismusbranche. „Meine Leidenschaft fürs Reisen wird von dem Wunsch angetrieben, von neuen Erfahrungen zu profitieren, andere Kulturen kennenzulernen, neue Menschen zu treffen und ihre Lebensweise zu verstehen.“ Karen wurde zum Ehrenmitglied des International Who's Who of Professionals ernannt. Außerdem war sie Mitglied der Society for Human Resource Management (SHRM) und Mitglied der Public Relations Society of America (PRSA). Die zweifache Mutter besitzt einen Master-Abschluss in Business Administration und einen Bachelor-Abschluss in Management und Psychologie von der University of the Ozarks in Clarkesville, Arkansas. Über ihre Mission für Frauen in der Tourismusbranche sagt Karen: „Frauen haben heute mehr Macht als vielleicht zu irgendeiner anderen Zeit in der Geschichte, einschließlich ihres Einflusses auf die Reisebranche. Als weibliche Führungskraft in der Tourismusbranche von Belize bemühe ich mich, Frauen dazu zu inspirieren, weiterhin Gemeinschaften aufzubauen, die anderen helfen und den Einfluss zu erkennen, den Reisen auf das Leben anderer haben kann. Insbesondere nachhaltiges Reisen."

VistaJet: Leona Qi ist weder Pilotin noch Ingenieurin und arbeitet auch nicht in der Kabine, dennoch hat sie sich den Traum vom Fliegen erfüllt. Denn sie ist die Präsidentin von VistaJet US, dem ersten und einzigen globalen Businessjet-Unternehmen mit einer Flotte von mehr als 70 Business Jets. Unter Leonas Führung ist ihr Team für das Wachstum des Kundenstamms in Nordamerika, dem aktuell größten Markt der Geschäftsluftfahrt, verantwortlich. Leona hofft, dass in den nächsten fünf Jahren die Hälfte der Frauen, die in der Luftfahrtbranche tätig sind und eine Führungsposition innehaben werden. Bei VistaJet selbst wird dies durch ein entsprechendes Mentorship-Programm gefördert. „Mein persönliches Ziel für mich, mein Team und für VistaJet ist, dass unser führender Kundenstamm in den nächsten fünf Jahren von fünf Prozent auf 25 % weibliche Passagiere anwachsen wird. Letztendlich bedeutet das, dass viel mehr Frauen in C-Level-Positionen sein werden.“

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