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REDbook – Fliegen war (nicht) gestern …

Das Match Flug vs. Bahn ist also (einmal mehr) eröffnet und kein geringerer als der für provokante und knackige Sprüche bekannte EU-Klimakommissar Frans Timmermans hat die Diskussion „schmutziges Flugzeug“ am EU-Parkett mit dem Ende der Kurzstreckenflüge dem Klima zuliebe erneut ordentlich angeheizt. Nur, wird hier das Pferd nicht von hinten aufgezäumt?

Wenn Frans Timmermans vor die Presse tritt, dann hat der niederländische Politiker mit langer Vita und vielen internationalen Auszeichnungen auch stets – in sieben Sprachen – etwas zu sagen. So meinte er beispielsweise während seiner Amtszeit als niederländischer Außenminister (2012 – 2014) in einem Interview mit „Die Welt“, dass „die Holländer mehr Deutsch reden sollen.“ Weil, so Timmermans, es im heutigen Europa ein tragisches Missverständnis gibt, weil die Leute denken, dass Englisch schon reicht. „Viele kleinere deutsche Firmen mögen es nicht, wenn man dort Englisch spricht,“ sagte er wie auch folgendes im damaligen Interview: „Die europäische Konstruktion hat immer Defizite gekannt. Wir regeln, was wir politisch verantworten können. Fehler reparieren wir später.“ Das passt gut als Überleitung zu dem, womit der EU-Klimakommissar dieser Tage und sicherlich bewusst, aufhorchen ließ. Denn nicht die an sich alte Forderung, Kurzstreckenflüge unter 600 bis 800 Kilometer einzustellen, was nicht mit Verboten, sondern mit attraktiveren Zugangeboten den Menschen als sinnvolle und klimafreundliche Reise- und Transportvariante vermittelt werden soll, erregte die Gemüter. Vielmehr war es Timmermans „Appell“ an die Bürger, die Zahl ihrer jährlichen Flüge generell zu reduzieren. Niemand, so der EU-Klimakommissar, muss zehn oder zwölf Mal im Jahr fliegen. Die Bürger sollten sich auf EINE Flugreise pro Jahr beschränken, denn dann „entsteht gar kein Problem – weder für das Klima noch für das eigene Portemonnaie.“

Ja eh, Herr Timmermans, mehr fällt einem einfach denkenden Bürger, der sich sehr wohl sehr viele Gedanken ums Klima, um Ressourcenschonung, um soziale Verträglichkeit, um Umweltschutz und Nachhaltigkeit und um alternative Reiseformen macht, dazu nicht ein. Denn mal ganz abgesehen davon, dass die Welt längst – vergessen wir jetzt einmal die Coronakrise und die damit verbundenen wahnwitzigen Reisebe- und -einschränkungen – zu einem globalen Dorf geworden ist, den Menschen das Reisen in eben dieses zu limitieren, kommt einem Schildbürgerstreich gleich. Aber es ist halt die einfachste Form, ein Problem – und ja, das haben wir alle mit der Weltklimakrise – zu lösen. Man wälzt es einfach auf den kleinsten ab – der zwar mit seinem Geld die ganze lange Wirtschaftskette am Leben hält – und regelt eben auf einfachstem Weg, was man politisch verantworten kann, um Sie, Herr Timmermans nochmals zu zitieren. Die Krot frisst also einmal mehr der Bürger und Steuerzahler UND die Tourismuswirtschaft, denn auch der drehen Sie mit ihrem „Vorschlag“ den Hahn zu.

Sie wissen aber sicherlich, dass der globale Tourismus ein Wertschöpfungsfaktor und Arbeitsplatzgeber von höchstem Rang ist. Nein, das ist keine symbolische Kalkulation irgendeines nobelpreisverdächtigen Rechengenies, das ist gelebte Tatsache. Kein Land, nicht in der EU und weltweit, kann heute und schon gar nicht nach dieser Pandemie, aus der wir gerade versuchen, mit aller Kraft herauszukommen, auf diese Millionen und Milliarden verzichten: „Die von EU-Kommissar Timmermans erhobene Forderung, die Bürger sollten nur einmal pro Jahr das Flugzeug nutzen, bedeutet eine massive Einschränkung der persönlichen Freiheit, zerstört die touristische Entwicklung und verkennt auch völlig die Notwendigkeit einer globalisierten Wirtschaft. Österreich erwirtschaftet 60 % seiner Wertschöpfung im Export, welche verheerenden Folgen es für Wirtschaft und Arbeitsmarkt hat, wenn die Mitarbeiter nicht reisen können, hat die Pandemie eindrucksvoll gezeigt,“ sagt der Vorstand der Flughafen Wien AG, Dr. Günther Ofner, und hat auch gleich eine Empfehlung für Sie parat: Die EU-Kommissare und EU-Abgeordneten sollen vorleben, was Sie vorschlagen und auch nur einmal im Jahr fliegen. Aber wer weiß, vielleicht erlebt ja das Pferdefuhrwerk als klimafreundlichste Transportvariante demnächst ein Revival …

Wie groß ist eigentlich der Prozentsatz der touristischen Wertschöpfung in den Niederlanden, in Ihrem Heimatland? Das ja über die Jahrzehnte – alleine mit der mehr als 100 Jahre alten Nationalikone KLM, die auch jetzt wieder einer der Vorreiter was klimaneutrales Fliegen betrifft, ist – maßgeblich zur Entwicklung des Welttourismus beigetragen hat? Freude werden Ihre „Kollegen“ in der holländischen Regierung mit Ihrem Vorschlag wohl auch nicht haben? Aber wie sagten Sie so treffend: Fehler repariert man in der EU später. Auch wenn sich manche schon vorher als irreparabel herausstellen!

Zitate Quelle: https://www.welt.de/politik/deutschland/article110905029/Die-Hollaender-sollen-mehr-Deutsch-reden.html

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