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REDbook – Fangen wir beim Wasser an!

Am 22. März war Weltwassertag, und der von den Vereinten Nationen vor Jahren initiierte Gedenk- und Aktionstag hätte für das Weltkrisenjahr 2021 kein passenderes Leitmotiv haben können, als „Valuing Water“, als den „Wert des Wassers“ in den Fokus zu stellen. Denn Wasser als höchstes Gut und Menschrecht ist keine grenzenlose Ressource, und damit auch keine Chashcow, die, am Buckel der Ärmsten von profitgierigen Großkonzernen bis zum letzten Tropfen gemolken wird. Aber das mit der Wertehaltung und Wertschätzung Mensch, Tier und Natur gegenüber war schon immer so eine Sache, über die man viel und laut redet(e), aber viel zu wenig in nachhaltige Taten umsetzte. Dabei braucht es gar keinen großen Aufwand, um der Natur und damit uns das Weiterleben gemütlich und sicher zu machen. Fangen wir beim überlebensnotwendigsten und nicht ersetzbaren wichtigsten aller Lebensmittel, fangen wir beim Wasser an.

Das Recht auf sauberes Wasser ist seit 2010 ein UN-Menschenrecht, und doch klafft zwischen Ist und Soll noch immer ein riesiges Loch. Denn 2,2 Mrd. Menschen weltweit – bei einer Weltbevölkerung von mehr als 7,8 Mrd. keine Kleinigkeit – haben elf Jahre später noch immer keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Mehr als 850 Mio. Menschen haben gar keinen Zugang zu elementarer Wasserversorgung, 263 Mio. sind mehr als eine halbe Stunde von der nächsten sicheren Wasserquelle entfernt und rund 195 Mio. trinken noch immer Wasser aus Flüssen, Bächen oder Seen (Zahlen Quelle UNICEF). Und, dass noch immer rd. 1,5 Mio. Menschen jährlich an verunreinigtem Wasser sterben, weil der Müll in Entwicklungsländern noch immer nicht ordentlich entsorgt wird, sondern unbehandelt in Seen und Flüssen landet, ist im ach so menschenwürdigen, modernen und hochtechnisierten 21. Jahrhundert nichts anderes, als eine große Schande. Das Fehlen von sanitären Einrichtungen, Kläranlagen, einer funktionierenden Kanalisation und lapidaren Wasserleitungen in Entwicklungsländern sowie Tonnen von landwirtschaftlichem Abfall, gelangen in den ärmsten Ländern der Welt oft noch völlig ungeklärt in den Wasserkreislauf. Klingt nicht nur grauslich, es ist grauslich und menschenunwürdig.

Für den Europäer und gerade für uns Österreicher ist diese Vorstellung eine ganz weit entfernte, ja fast utopische. Denn wir sind, was gutes Trinkwasser betrifft, Glückskinder. Das geht auch aus dem aktuellsten Wasserpreis-Index von Holidu, hervor. Das Online-Reiseunternehmen für Urlaubsunterkünfte hat gemeinsam mit den Datenanalysten von SweetSpot PR die Wasserqualität, den Grad des „Wasserstresses“ sowie die Preise für Leitungs- und Flaschenwasser in mehr als 100 weltweiten Städten erhoben, um damit nicht nur Reisende dabei zu unterstützen, eine informierte und bezahlbare Entscheidung zum Reiseziel zu treffen, sondern auch, um das Bewusstsein für Wasser in den Destinationen zu schärfen. Denn Wasser, so auch der Kern der Holidu Studie, ist die grundlegendste aller täglichen Reiseausgaben. Und, weil eben nicht in allen Ländern das Leitungswasser bedenkenlos bzw. überhaupt nicht getrunken werden kann, hat man auch die Kosten für Flaschenwasser – das in den umwelt-ungesunden Plastikflaschen – erhoben. Dabei wurde auch besonderes Augenmerk auf die Qualität des Leitungswassers und die Knappheit in jeder Region gelegt.

Halten Sie sich an, die Ergebnisse machen staunen. Denn nicht dort, wo Wasser eine sparsamer vorhandene Ressource ist, sondern dort, wo es aus den Bergen sprudelt, muss für eine gängige Flasche stilles Wasser (500 ml) – wie sie in Supermärkten erhältlich ist – am meisten gelöhnt werden. Mit 1,52 Euro hat in diesem Ranking Oslo, vor Virginia Beach (2), Los Angeles (3), New Orleans (4) und Stockholm auf Rang 5 die Nase vorne. In den Top Ten finden sich noch Baltimore, Tel Aviv, Prag, Dubai und Hongkong. Hingegen kostete die gleiche Flasche „Supermarkt-Wasser“ in Beirut gerade einmal 0,03 Euro, gefolgt von Bangalore, Accra, Lagos und auf Platz fünf mit Brüssel die erste europäische Metropole. Auf den weiteren Plätzen rangieren Istanbul (6), Santo Domingo (7), Kuwait Stadt (8), Ho-Chi-Minh-Stadt (9) und auf dem zehnten Platz Jakarta.

Oslo ist aber auch im Preisvergleich der Wassermarken in der Einser-Position, eine Flasche Markenwasser kostet in der norwegischen City um 194,9 % mehr als der weltweite Median, gefolgt von Tel Aviv (123,9 %) und New York (76,42 %). Hingegen ist in Istanbul Marken-Flaschenwasser um 69,43 % günstiger als der Medianpreis, hier folgen mit - 67,45 % Neapel und mit - 51,25 % Mailand. Und dreht der Osloer zu Hause seine Wasserleitung auf, dann fließt es „golden“ aus dem Hahn. Mit 212,24 % liegt man hier über dem weltweiten Median, Leitungswasser ist aber auch in San Francisco (+ 183,6 %) und Wellington (+173,23 %) kein Schnäppchen. Billiger gibt es hier Riad, in Saudi Arabien bezahlten die Bürger mit 98,17 % weniger als der Medianpreis, auch Cairo (- 96,3 %) und Karachi (- 95,71 %) macht das Trinken aus der Leitung – ob in diesen Ländern allerdings der Gesundheit zuträglich, ist die Frage – am günstigsten. Übrigens: Im Leitungswasser-Ranking findet sich unter den günstigsten Ländern kein einziges europäisches Land in den Top Ten.

Dabei gibt es auch in Europa rund eine Million Menschen ohne Zugang zu sicherem Wasser. Also rückte die EU bereits mit einer neuen Trinkwasserstrategie an, Europas Bevölkerung soll anstatt aus PET-Flaschen, Wasser aus der Leitung trinken. Um Geld zu sparen und Müll zu vermeiden. Guten Morgen EU, fällt dem kleinen Geist nicht nur beim Blick auf die Kosten von Leitungswasser spontan ein. Weil die Idee, die in den Himmel wachsenden Plastikmüllberge nachhaltig zu reduzieren, besser noch, ganz zu beseitigen, weder neu, noch innovativ, sondern NUR überlebensnotwendig ist!

Der Tourismus kann hier ein großes Stück beitragen und tut dies längst auch in vielen Hotels, Resorts und auch auf Kreuzfahrtschiffen. Vielerorts hat man nämlich weit vor Corona die kostenlosten Einweg-Plastikflascherln gegen wiederbefüllbare Glaskaraffen oder Flaschen – die sich in den Zimmern und Suiten befinden und an eigens installierten Trinkbrunnen oder aus der Wasserleitung immer wieder neu befüllen lassen – ersetzt.

Nochmals kurz zurück zur holidu Wasserindex-Studie: Geht’s um die beste Wasserqualität, dann hat Österreich klar die Nase vorne. Innsbruck auf Platz eins gefolgt von Helsinki und Wien geben dem heimischen Hochquellwasser Bestnoten. Und damit das auch so bleibt, braucht es ein gesundes Bewusstsein, dass diese wichtigste Ressource der Welt keine endlose ist. Denn der Wert des Wassers ist unschätzbar.

Weitere Infos unter https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/weltwassertag-2021-zehn-fakten-ueber-wasser/172968

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