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REDbook – Ein Euro mehr fürs Schnitzerl?

Wären die Zeiten nicht so, wie sie eben gerade sind, könnte die Idee eines Hygienezuschlags durchaus auch einer der vielen kreativen Airlinedenkwerkstätten auf der Suche nach neuen und weiteren lukrativen Zusatzeinnahmen entsprungen sein. Die Zeiten sind aber nicht so, wie sie gerade noch vor ein paar Wochen waren und Airlines wie viele andere touristische Leistungsträger – vom Wirten bis zum Hotelier - haben wahrlich gerade gänzlich andere Sorgen, als sich den Kopf um ein zusätzliches Körberlgeld zur Revenue-Auffettung zu zerbrechen. Schön wär’s, wär’s nur das, denn dann wäre man mit dem Tagesgeschäft, den gewohnten Herausforderungen und Ärgernissen rund um Marktanteile und Konkurrenzdruck befasst und müsste sich, was diese nun aus der Not geborene Vergebührung beträfe, „nur“ mit dem Konsumenten und deren (Be)Schützern herumschlagen.

Vorweg, in Österreich gibt es den Corona-Krisen-Hygiene-Euro (noch) nicht. Bei keiner Airline – gut, die fliegen noch nicht und man weiß daher auch noch nicht, was da alles vielleicht noch kommen könnte, wenn sie dann bald wieder abheben. Was wir, die wir gerne und mit großer Leidenschaft verreisen, uns ja auch wünschen. Aber auch in keinem Restaurant, Beisl oder beim Würstelstand findet sich wissentlich und hochoffiziell ein derartiger Zuschlag auf der Rechnung. Wie man auch beim Friseur, Masseur oder Pedikeur mehrheitlich weiter serviceorientiert und kundenfreundlich kulant frisiert, massiert und pedikürt, ohne dafür einen Extra Euro für extra Hygiene zu verrechnen.

Anders in Deutschland, in Nordrhein-Westfalen. Dort wagt man nämlich bereits dieses Experiment, dort verlangen viele inhabergeführte Betriebe einen Hygiene-Obolus für ihre nun noch aufwändigeren Leistungen – fürs Essen und Trinken im Wirtshaus oder für einen neuen Haarschnitt beim Friseur – und geben die Kosten für die notwendigen Hygienemaßnahmen an den Gast und Kunden weiter. Argumentiert wird dieser Entschluss mit leeren Kassen und dem Ungleichgewicht an Einnahmen und Ausgaben. Denn die vielen Hygienezusätze, zu denen man nun zumindest auf Zeit von Gesetzes wegen verpflichtet ist, gehen ordentlich ins Geld. Das man jetzt nicht hat, weil seit Corona Stammgast ist, in den Kassen Ebbe herrscht. Weil Null Einnahmen weiterhin erhebliche Ausgaben gegenüberstehen, um den Betrieb halbwegs aufrechtzuerhalten und all diese neuen Sicherheits-Gesundheitsvorkehrungen zudem mit entsprechend höheren Personalkosten verbunden sind und ganz und gar nicht in einem gesunden Umsatz-Verhältnis stehen. Auch bei unserem Lieblingsnachbarn haben die Lockerungen in der Gastronomie bis dato der Wirtschaft noch nicht den erhofften Schub gegeben, auch nicht in Nordrhein- Westfalen. Daher dort auch der Versuch, mit dem Corona-Euro zumindest ansatzweise das Geld hereinzubringen, was dieser ganze Desinfektionsklimbim an Kosten verursacht. Mit vorerst aber noch mäßigem Erfolg. Denn die Unlust an einem „gemütlichen“ Wirtshausbesuch à la „odeuer de désinfection“ al lá „odeur de désinfection“ wird mit 4,50 Euro pro Person fürs Hände desinfizieren auch nicht wirklich charmanter.

Was meinen Sie, ist die Einnahme eines Hygienezuschlags – jetzt, da Corona die Wirtschaft aus den Fugen hebt und die Geldtascherln der Konsumenten darob grad ein bisserl schmäler werden – moralisch und ethisch vertretbar? Darf man das jetzt als Unternehmer, als Gastronom oder Hotelier überhaupt nur denken? Ist es dem Gast zumutbar, jetzt in der Krise um den gesetzlichen Vorgaben – die ja nicht gerade unbescheiden und kostensparend sind – zu entsprechen, einen temporär helfenden Obolus im restart Prozess einzuheben? Die Kosten für den ganzen Hygiene- und Sicherheits-Zapzarap, für kontaktlose Desinfektionsspender, jede Menge an Desinfektionsmittel, Mund- und Nasenschutzmasken mit oder ohne Logoaufdruck, Gesichtsvisieren aus Acrylglas, Plexiglasschutzscheiben, Gummihandschuhen, Sterilisatoren usw. – sind „gschmalzen“ und schon bei gutem Geschäft kein Klacks Und von dem ist man in der Gastronomie und Hotellerie ja gerade meilenweit entfernt. Da geht jeder Cent an die schon sehr dünne Substanz und dass man da beginnt, kaufmännisch nachzudenken, ist auch für den Gast eine nachvollziehbare logische Konsequenz. Vor allem wenn diese Ausgaben, will man seinen Betrieb – Hotel, Pension, Gasthof, Beisl – wieder hochfahren, sowieso alternativlos sind.

Ich und mit mir - und davon bin ich überzeugt, noch ganz viele Österreicher – die wir ja alle gerne und viel für Krisen und Katastrophen in fernen Ländern spenden und geben – würde einen Corona-Zuschlag als unterstützenden Solidarbeitrag auf Zeit für mein Schnitzerl oder meine feine Melange gerne bezahlen. Freiwillig und ganz ohne gesetzlicher Vorgaben. Damit Österreichs berühmte Gastlichkeit und Beislkultur nicht wie gerade Hektoliter an Desinfektionsmittel den Bach runtergehen.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Schreiben Sie mir unter b.charwat@manstein.at, ich freue mich auf Ihre Kommentare!

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