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REDbook – Die Geschichte vom Grätzl-Guglhupf

Oma, wann gibt’s denn wieder einen Lupfen? Diese kindliche Frage stellte ich meiner Großmutter fast wöchentlich und auch später noch, als ich sie – den Kinderschuhen längst entwachsen – besuchte und ihre Antwort stand dann fast immer postwendend mit verführerischem Duft am Küchentisch. Lauwarm und marmoriert war er mir am liebsten, flaumig musste er sein und mit ganz viel Zucker oben drauf, der dann Omas Backwerk mit vielen „Schneeflocken“ bestreut so richtig perfekt machte. Egal, welche Variante sie fürs sonntägliche Familientreffen oder einfach nur für zwischendurch auch wählte, lange hielt das runde Ding mit Loch in der Mitte nie. Ratzeputz wurde der Lupfen bis aufs letzte Bröserl, verbunden mit dem Ruf nach mehr, aufgefuttert. Das Glück stand uns allen rund ums Zuckergoscherl geschrieben, die größte Freude hatte jedoch meine Großmutter. Dass sie nämlich mit ihren einfachen Guglhupfern die Familie derart glücklich machten konnte. „Geh, was tut’s denn so a Theater drum machen, des is doch nur a Guglhupf und ka Hochtzeitstorte“, so ihre Worte, die ich heute noch höre und gerne noch ein Stückerl von ihren einfachen Backdingern essen würde.

Unzählige Lupfen-Rezepte hat meine Oma und je älter sie wurde mit immer zittrig werdender Schrift, in ein kleines Büchlein geschrieben, und genau diese schon ziemlich abgegriffenen nach Vanillezucker, Rum und Butter duftenden vergilbten Seiten befinden sich, wie die schon ziemlich alte Guglhupfform – gut möglich, dass, so wie dieser Napf aussieht, meine Oma diesen schon von ihrer Mama geerbt hat – nun in meinem Besitz. Ich hüte diesen Schatz wie meinen „Lupfen“ und führe die Tradition des Guglhupf Backens mit großer Leidenschaft und sehr oft auch zu später Stunde zur Stressbewältigung fort. Und so wie ich damals zu meiner Oma, sagt heute mein Sohn sehr oft zu mir: „Mama, wann gibt’s denn wieder einen Lupfen, weißt eh, den mit Nuss. Weil der bleibt immer so schön sitzen!“

Jetzt, während des Lockdowns, war fast täglich Guglhupf-Zeit, und das kam so: Sonntags wurde nämlich das spontan initiierte Balkon-Tratscherl zu einem wöchentlichen Fixpunkt, bei dem mit großem Abstand und noch größerer Freude der Austausch zwischen den vor allem älteren Nachbarn intensivst gepflegt wurde. Bald wurden Kaffee, Sekt und kleine Snacks von Balkon zu Balkon gereicht, was mich dann auf die Idee des Grätzl-Guglhupfs brachte. Jeden Sonntag gab’s dann also einen frischen Lupfen aus Omas Kochbuch dazu. Der Kuchenteller wurde dabei von Nachbarn zu Nachbarn gereicht, jeder schnitt sich ein oder auch zwei Stückchen ab, bis dann – wie damals bei meiner Oma – der bis aufs letzte Bröserl leergeputzte Teller wieder bei mir ankam. Mit einer Zettelbotschaft drauf: „Danke für den besten Guglhupf der Welt und danke für diese großartige Idee.“

Der Lockdown ist längst vorüber, wir dürfen uns wieder „frei“ bewegen, der Grätzl Guglhupf übern Balkon jedoch ist zu einer fixen Sonntags-Institution geworden. Diese Woche soll’s ein Rotwein-Schoko-Guglhupf sein, denn ich backe längst auf „Bestellung“ und erfülle die Wünsche meiner Guglhupf-Fangemeinde mit großer Freude.

Und, wie meine Oma, sammle auch ich Guglhupf-Rezepte, die längst ein eigenes handgeschriebenes Lupfen-Buch füllen. Das ich dann irgendwann – mit der dann schon uralten Omama-Backform und ihrem Büchlein – an meinen Sohn weitergeben werde. Denn der beginnt auch gerade, seine Lupfen-Leidenschaft zu entdecken.

Ich glaube, meine Oma wäre ziemlich stolz auf unsere Hupfis …

Haben Sie ein besonderes Guglhupf-Rezept? Ich freue mich darüber unter b.charwat@manstein.at

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