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REDbook – Danke Adriano!

Das mit dem Verreisen in die beliebten Hotspots rund ums Mittelmeer wird heuer bekanntermaßen ein bisserl schwierig. Ob, wo, wann und vor allem wie ein Sommerurlaub mit Mr. C im Gepäck möglich ist, ist die große Gretchenfrage, auf die gerade die hohe Politik versucht eine mehr oder weniger gesundheitsverträgliche Antwort zu finden. Ja, es wird ein anderer Sommer werden. Nein, er wird nicht durch die touristische Decke schießen und er wird nicht die Wahnsinns-Statistiken der letzten Jahre erneut ums Vielfache übertreffen. Das Gegenteil von alldem wird der Fall sein, der Sommer 2020 wird ziemlich tiefe Kerben im erfolgsverwöhnten touristischen Geschäft hinterlassen. Nein, es wird kein Sommer wie damals und dennoch kann er für den Einzelnen ein guter werden. Weil’s halt immer auch an einem selbst liegt, was man aus allem macht.

Danke Ö3 für diesen sommerlichen Weckruf, dank Euch hab ich jetzt ganz viele fröhliche „Würmer“ im Ohr, die reichen locker für die nächsten zehn Sommerurlaubsjahre und tun gerade jetzt, in dieser verrückten und ziemlich reiseunfreundlichen Zeit der geschundenen Fernweh-Urlaubs-Reisesehnsuchtsseele besonders gut. Obwohl, es grenzt schon ein wenig an Masochismus, sich diesen sommerlichen Happysound mit dem Wissen reinzuziehen, dass man dann nur gedanklich mit Katrina and the Waves am „Sunshine walken“ kann.

Wann ist ein Sommerhit eigentlich ein Sommerhit, und haben auch Sie einen Song, den sie mit einem besonderen Urlaub verbinden? Der alleine nur beim Summen Erlebnisse, Gerüche, Geschmäcker, Gespräche, der einfach nur schöne Erinnerungen an längst vergangene Tagen wach werden lässt?

Ich war heute Morgen mit Adriano Celentano auf Urlaub. Sein Azzurro hat nämlich vor vielen Jahren unseren jährlichen Familienurlaub in Lignano Sabbiadoro geprägt, beeinflusst und ist fest in meiner Erinnerung verankert. Höre ich heute diesen Evergreen, tauchen automatisch Bilder auf, die an wunderschöne und kindlich unbeschwerte Tage am „Strand der Wiener“ erinnern. Obwohl diese zwei Wochen im Vorfeld – das wurde mir erst bewusst, als ich selbst Mutter wurde – für meine Mama damals gar nicht so unbeschwert und locker waren. Denn sie war die Schalt- und Schnittstelle, auf die sich der gesamte Clan verließ. Sie checkte, managte und war vor allem eine Weltmeisterin im Einpacken. Glauben Sie’s oder nicht, sie schaffte es, dass wir – vier Personen – für einen zweiwöchigen Urlaub am Strand unser ganzes Klumpert in lediglich zwei Gepäckstücken transportierten. In einem normal großen grauen Koffer und der dazu passenden Reisetasche war vom Badegewand bis zu unverzichtbaren Lebensmitteln – wir wohnten immer in einer Ferienwohnung und haben uns selbstversorgt - und den Smart-Tschick für Papa alles dabei. Gewichtsbeschränkungen gab es ja noch keine, aber ich bin sicher, dass sie diese schon damals nicht überschritten hätte, schließlich musste mein Vater die zwei Dinger ja auch schleppen.

Gereist wurde immer mit der Bahn – wir hatten kein Auto – in einem „reservierten“ Abteil. Was so viel bedeutete, dass mein Vater die gesamte Fahrt vom Wiener Südbahnhof bis Udine – dort mussten wir in den Bus nach Lignano umsteigen – rauchend am großen Gangfenster vor der Abteiltüre Wache hielt. Geschlafen hat er selten und wenn nur dann, wenn er sicher sein konnte, dass sich kein Fremder zu seiner Familie ins Abteil setzen konnte. Gefrühstückt wurde Mitgebrachtes aus einer silbernen Blech-Proviantdose, in der sich frische Paprika, hart gekochte Eier, Wurst- und Käsebrote und immer auch Guglhupf – den meine Mama stets noch am Tag der Abreise frisch gebacken hat - befanden. Aus einer riesigen Thermoskanne dampfte Blümchenkaffee, den mein Vater, ein Espresso-Junkie - strikt verweigerte. Der Espresso war damit auch immer der erste Fixpunkt unserer jährlichen Urlaubsreise. Noch bevor wir unser sommerliches Domizil – meist ein Dachterrassen-Appartement mit herrlichem Blick über die Lagune von Lignano – bezogen, machten wir in einem kleinen Café am Hafen, wo die Fischer gerade ihren Frühfang von den Booten verkauften, Station. Mein Vater schlürfte seinen ersten von im Laufe des Urlaubs unzähligen weiteren Espressi, die für ihn einfach zum Italien-Urlaub dazugehörten, und rauchte wohl ebenso viele Zigaretten. Und ich bekam mein erstes Eis, auf das ebenfalls noch ganz viele während der zwei Wochen am Adriastrand folgten. Was zwar meiner Mutter ob der frühen Uhrzeit nie wirklich gefiel, alleine es blieb immer nur bei ihrem mütterlich-strengen Einwand. Schokolade, Fiocco mit ganz vielen Amarena-Kirschen, ich schmecke heute noch diese cremig süßsaure Kombination, übrigens unverändert meine Lieblingssorten. Nur waren sie nie wieder so gut wie damals. Und was glauben Sie, haben wir im kleinen Café am Eck gehört? Genau, Adriano plärrte sein Azzurro lautstark aus dem krachenden Radio, und wir pfiffen nicht minder laut und ziemlich falsch mit. So begann also alljährlich unser Urlaub, und so endete er auch immer. Denn bevor wir uns braungebrannt und ziemlich entspannt wieder auf die Heimreise begaben – eh klar, im „reservierten“ Abteil mit meinem kettenrauchenden Papa als Aufpasser davor – gab es zum Abschied noch einen letzten Espresso, ein Eis mit ganz vielen Amarenakirschen oben drauf und ein lautes Azzurro als Arrivederci mit auf den Heimweg. 

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