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REDbook – Bilby wünscht Frohe Ostern!

Lange Löffelohren, dunkle Knopfaugen, Schnurrhaare und flauschiges Fell, die drolligen Bilbys sind – passend zu Ostern – süß wie Zuckerwatte und haben im australischen Outback – wo die kleinen Kaninchennasenbeutler heimisch sind – gerade alle Pfötchen voll zu tun. Kümmern sie sich doch Jahr für Jahr um den Ostereier-Transport und tun sonst – in osterfreien Zeiten – vor allem der Natur viel Gutes. Dabei braucht Bilby selbst größtmöglichen Schutz, weil ihm das gemeine Wildkaninchen und der Raubbau an Mutter Natur durch den Menschen ganz schön auf den kuscheligen Pelz rücken. Eine Geschichte vom „Osterhasen“ am anderen Ende der Welt, die gerade in Zeiten wie diesen zum Nach- und Umdenken anregen soll.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich mag Hasen und natürlich auch den Osterhasen, aber der kleine Bilby ist halt schon ein ganz besonders liebes Kerlchen. Verständlich, dass es der old fashioned Easter Rabbit da schwer hat mitzuhalten, zumal Australien ja, was Hasen und Kaninchen betrifft sowieso ein angespanntes Verhältnis dazu hat. Dereinst aus Europa eingeschleppt, entwickelten sich die Hasenhoppler über die Jahrhunderte zu einer wahren Landplage, fraßen Weiden und Felder quer über den großen Kontinent kahl, vermehrten sich, wie man so treffend sagt, wie die Karnickel und verdrängten ziemlich uncharmant den heimischen Bilby immer mehr aus seinem natürlichen Habitat. Dabei ist der zu den Kängurus zählende zwischen 400 Gramm und 2,5 Kilogramm schwere Kaninchennasenbeutler mit seinem 12 bis 29 Zentimeter langen Schwanz ein ganz und gar harmloser, vor allem aber ein überaus nützlicher Geselle. Womit er sich ganz wesentlich vom großen „Hasen-Feind“ unterscheidet.

Bilbys fressen nämlich keine Landwirtschaften kahl und vermehren sich auch moderat. Während Kaninchen im Jahr bis zu 40 Junge zur Welt bringen, gebärt eine Bilby-Mama im gleichen Zeitraum gerade mal zehn Babys, was auch in der Gesamtpopulation deutlich wird. Geschätzten 300 Mio. Wildkaninchen stehen gerade mal 10.000 Bilbys gegenüber, womit das kleine Beuteltier – der Beutel ist für den Transport der vielen Ostereier, die Bilby gerade quer durchs Outback schleppt, superpraktisch – hart um seinen Fortbestand kämpft.

Dabei, verschwindet Bilby, bekommen auch andere Tierarten ein gröberes Problem, wie Brendan Wintle, Professor für Ökologie und Artenschutz an der University of Melbourne erklärt: „Wenn wir die Mikrolebensräume verlieren, die die Bilbys schaffen, werden andere Arten in diesem Ökosystem anfälliger für Raubtiere, Temperaturextreme und andere Kräfte“.

Die im australischen Outback – eine mit Temperaturen bis über 40 Grad Celsius wahrlich heiße Gegend – beheimateten Bilbys sind nämlich kluge Tierchen und auch super Baumeister. Um sich nämlich vor dieser extremen Hitze zu schützen, verbringen sie die meiste Zeit in etwa zwei Metern unter der Erde befindlichen Bauten, die sie mit ihren kleinen Pfoten fast im Akkord spiralförmig in die großteils flache und strukturlose Landschaft buddeln und damit das Outback zu einem regelrechten Zufluchtsort für mindestens 45 weitere Arten und allerlei anderes krabbelndes Getier – auch der Arguswaran oder die hochgiftige Mulgaschlange fühlt sich in diesem unterirdischen Labyrinth pudelwohl – machen.

„Wenn wir den Bilby retten, werden wir damit auch viele andere Arten retten, die nicht ganz so charismatisch, aber für das Ökosystem nicht minder wichtig sind. Australien hat eine wirklich entsetzliche Bilanz, was ausgestorbene Arten betrifft. Ich bin fest entschlossen, den Bilby nicht auch auf diese Liste rutschen zu lassen“, so Kevin Bradley, Geschäftsführer des Save the Bilby Fund. Und ist damit nicht alleine, denn auch die australische Regierung hat im Juli 2019 einen Bilby-Rettungsplan veröffentlicht, der Pläne zur Einschränkung invasiver Arten, zur Wiederherstellung des Lebensraums und zum Management der Art über Partnerschaften mit Aborigine-Gemeinden umfasst.

Weil aber, wie auch wir in good old Europe wissen, zwischen Festschreiben von Plänen und deren Umsetzung oft Welten liegen, braucht Bilby jedwede Unterstützung. Und sei es nur, in dem er als „anderer“ Osterhase durchs Land hoppelt und so auf seine Not aufmerksam macht.

Dafür wurde bereits 1991 die Legende des Osterbilbys ins Leben gerufen, die auf dem beliebten australischen Buch „Billy the Easter Bilby“ basiert. Supermärkte begannen in der Osterzeit Schokoladen-Bilbys zu verkaufen, ein Teil dieser Erlöse wurde und wird zum Schutz der Tiere verwendet.

Schätzungen zufolge existieren aktuell nur noch 600 bis 700 Bilbys. Für die Charleville Bilby Experience ein klarer Auftrag, die Art zu schützen und bis zum Jahr 2030 wieder rund 10.000 Bilbys in freier Natur anzusiedeln, vorzugsweise im durch Zäune geschützten Currawinya Nationalpark. Zuletzt wurden auch große Fortschritte in der Züchtung und Erforschung der Art gemacht. Aktuell hält das Sanctuary mehr als 100 Tiere inklusive rund 50 neugeborener Joeys.

Wenn Corona dann endlich Geschichte ist, können Queensland-Besucher diese ganz besondere und weltweit einzigartige Einrichtung zwischen April und Oktober dann wieder hautnah erleben und unterstützen mit einem Besuch der Charleville Bilby Experience den 1999 gegründeten „Save The Bilby Fund“. Alle Einnahmen werden in die Erhaltung der Kaninchennasenbeutler gesteckt.

Hinweis: Wegen der Corona-Pandemie gilt in Australien für ausländische Besucher ein Einreiseverbot. Aktuelle Infos zur Covid-19 Situation finden Sie hier.

Damit wünscht Ihnen die traveller Redaktion ein Frohes Osterfest im kleinen Kreise.

Bleiben Sie gesund und noch immer #stayhome

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