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REDbook – Alles richtig gemacht!

Das Gefühl der Scham, Tiroler zu sein – schreibt ein KURIER-Leser anlässlich der Vergabe der Tiroler Landesregierung an ein fragwürdiges PCR-Labor in einem Leserbrief – und man kann dem guten Mann aus Innsbruck auch als Wiener, Nieder- und Oberösterreicher, als Salzburger, Steirer, Burgenländer, Kärntner und Vorarlberger, man kann als Österreicher nur zustimmen. Denn, was die Tiroler Politelite seit Beginn der Corona-Pandemie unter „alles richtig gemacht“ versteht, grenzt an verschobene Wahrnehmung und kratzt gewaltig am positiven Image Tirols und ganz Österreichs als sichere Tourismusdestination. Weil Tirol sind wir alle, wie an dieser Stelle vor noch gar nicht so langer Zeit bereits einmal zu lesen war.

„Alles richtig gemacht“, mit diesem stets von fröhlicher Miene begleiteten Sager wird Bernhard Tilg wohl in die Geschichte seines Bundeslandes, möglicherweise darüber hinaus, eingehen. Allerdings wenig ruhmreich, denn was der Tiroler Gesundheitslandesrat beginnend in den Iden des März 2020 konkret damit meinte, erschloss sich der Welt alsbald mit der Causa Ischgl als DER Corona Superspreader und Ischgl wurde weltweit zum Sinnbild eines Infektionsherdes stigmatisiert. Was diese „alles richtig gemacht“-Krisenbewältigungsstrategie für Ischgl, Tirol und Österreich bewirkte, ist hinlänglich bekannt und verpasste dem weltbekannten Tiroler Skigebiet einen gewaltigen Image-Dämpfer. Man arbeitet hart an der Reparatur der Marke und der positiven Reputation, hat aber weiterhin mit dem „alles richtig gemacht“-Mantra der Landespolitiker die größte Hürde quasi vor der Haustüre. Weil einfach alles, was im Bundesland irgendwie mit Corona in Verbindung steht, fast automatisch mit Ischgl und der unkontrollierten Verbreitung des Virus in Zusammenhang gebracht wird.

Setzt dann die Landespolitik mit PCR-Tests, deren Auftragsvergabe in Höhe von acht Millionen Euro ohne Ausschreibung erfolgte und an ein Laborunternehmen vergeben wurde, gegen dessen Firmengründer – übrigens ein Urologe, aber Corona lässt sich ja angeblich auch im Lulu nachweisen – wegen vermeintlicher Behandlungsfehler ein Gerichtsverfahren anhängig ist, treibt es wohl nicht nur den Ischglern, sondern allen ehrbaren Österreichern die Zornesfalten auf die Stirn und wirft die Frage auf, was man denn dafür „alles richtig machen muss“? Möglicherweise nichts, denn, und das ist jetzt der wirkliche Wahnsinn: Es gab keinen Labormediziner zur Befundung der PCR Tests, was wohl dazu führte, dass die britischen Mutanten in Tirol so zahlreich waren. Halt nur am Papier, aber das ist ja bekanntlich geduldig, denn diese E484K Typen waren letztlich nur halb so viele.

Ging’s jetzt nicht ums Ganze, ging’s jetzt nicht ums Image einer der beliebtesten touristischen Regionen Österreichs, die in guten Zeiten alleine aus dem Tourismus 4,5 Mrd. Euro an Wertschöpfung erwirtschaften – jeder dritte Euro wird in Tirol direkt oder indirekt in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft verdient, die 55.000 Arbeitsplätze schafft und 8,4 Mrd. Euro Umsatz jährlich lukriert – wäre all das nichts weiter als fast schon gewohnte „Macheloikes“ im politischen Spiegelkabinett.

Jetzt ist aber eh „ausgetilgt“, der Tiroler Gesundheitslandesrat hat seinen Hut genommen, um den Scherbenhaufen kümmern sich allerdings die Anderen. Die vielen privaten Vermieter und Gastronomen, Bergbahnenbetreiber, Bergführer und Skilehrer uvm., deren Existenzen eng mit dem Tourismus verbunden sind. Sie alle packen gerade kräftig an und werden Tirols Top Image wieder vollinhaltlich herstellen. Weil sie immer schon „alles richtig gemacht“ haben.

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