Tourismus

Mittelmeer bleibt "Badewanne" der Österreicher

Eine Zwischenbilanz des Sommers 2019 haben die österreichischen Reisebüros abgegeben: "Das Mittelmeer bleibt die Badewanne der Österreicher", sagte Fachverbandsobmann Gregor Kadanka. Starke Zuwächse gibt es bei Reisen in die Türkei oder nach Ägypten. Beliebtestes Fernreiseziel ist Thailand. Doch: Das allerbeliebteste Reiseland ist Österreich, jede dritte Reise bleibt im eigenen Land.

Bei einer nicht repräsentativen Umfrage in der Branche wurden die drei im Reisebüro meistgebuchten Reiseziele für den Sommer erhoben: Bei Kurz- oder Mittelstrecke führt Griechenland vor Spanien und der Türkei. Mit Auto oder Bahn verreisen die Österreicher gerne nach Italien, gefolgt von Kroatien und Deutschland. Auf der Fernstrecke führt Thailand vor den USA und Mauritius das Ranking an.

Angesprochen auf die Diskussion um Klimawandel und die CO2-Belastung insbesondere durch Flugreisen sagte Kadanka: "Wir sehen das in der Praxis und in der Nachfrage wesentlich weniger stark, als es in der medialen Diskussion erscheint". Es gebe hier eine leicht wachsende Nachfrage, die auf ein breites Angebot von Bahn- und Busreisen treffe. Aber die in den Medien wahrgenommenen Debatten seien "lauter als die konkrete Nachfrage". Persönlich glaube er, dass eine verbrauchsabhängige Besteuerung von Kerosin eine stärkere Steuerungswirkung hätte als die derzeitige pauschale Flugticketabgabe. Auch die Airlines würden an neuen innovativen Technologien arbeiten, das brauche natürlich Zeit.

Im Gegensatz zur Diskussion über "Flugscham" steht offenbar der Trend zu Fernreisen: "Es wird mehr in die Ferne gereist", so der Obmann. An der Spitze der Reiseziele stehe Thailand. Fernreisen hätten immer auch mit dem vorhandenen Flugangebot zu tun. Auch im Winter zieht es die Österreicher am stärksten nach Thailand, an zweiter Stelle steht Mauritius gefolgt von den Malediven.

Der seit März amtierende Obmann des Fachverbands der Reisebüros in der Wirtschaftskammer, Gregor Kadanka, sieht seine Branche keineswegs durch Online gebuchte Reisen in existenzielle Bedrängnis geraten. Im Gegenteil: Die heimische Reisebürobranche sei gut aufgestellt, es würden Fachkräfte gesucht. Im Schnitt hat jedes Reisebüro etwas mehr als drei Mitarbeiter. Insgesamt gibt es rund 9.900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 2.658 Betrieben. Die Zahl der Einpersonenunternehmen sei im Steigen, erläuterte Fachverbands-Geschäftsführer Thomas Wolf.

In Österreich nehme die Zahl der Reisebüros sogar zu: Gegenüber 2.583 Reisebüros im Jahr 2008 gebe es heute um drei Prozent mehr, nämlich 2.658 Reisebüros im Jahr 2018. Als Stärke seiner Branche sieht Kadanka, dass der Zeitaufwand für die Reiseplanung einfach ans Reisebüro ausgelagert werde. Im Schnitt würden Kunden für eine Reise 37 Stunden online verbringen, habe eine Studie ergeben. Weiters fänden viele nach der Familiengründung den Weg ins Reisebüro, weil sie bei Reisen mit Kindern rechtliche Absicherung und einen fixen Ansprechpartner schätzen lernen. Über Reisebüros seien maßgeschneiderte Reisen möglich, die den individuellen Ansprüchen entsprechen, es sei auch nicht teurer als Online-Buchungen, versicherte er.

Der Anteil der in Reisebüros gebuchten Reisen liege bei längeren Urlauben bei mehr als der Hälfte, so der Obmann. Größte Herausforderungen seien die Probleme im Flugverkehr durch Verspätungen, Ausfälle und Insolvenzen - in den vergangenen zehn Jahren seien mehr als 70 Airlines in Europa pleitegegangen. Auch Konkurrenz mit Onlineplattformen sowie die immer mehr werdende Bürokratie, etwa durch die Datenschutzgrundverordnung, mache den Reisebüros zu schaffen. Und schließlich müssten sich die Menschen auch eine Reise leisten können: "Reisen ist ein Luxusgut, wenn es ein bisschen enger wird, ist unsere Branche besonders betroffen".

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