Tirol

Neue Tourismus-Strategie nach Corona

Nach dem Corona-Krisenwinter und der Dauercausa Ischgl will die schwarz-grüne Tiroler Landesregierung mit einem Tourismus-Strategiepapier künftig Entwicklungen forcieren, die Qualität vor Quantität stellen. Gelingen soll das unter anderem mit der Festschreibung einer absoluten Bettenobergrenze in Tirol von 300.000 und der Unterbindung von Neuetablierungen von Betrieben über 300 Betten.

"Besser statt mehr", gab Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) in diesem Zusammenhang als Devise aus. Ein Ideal hatte er dabei schon im Blick. "Unsere familiengeführten Tourismusunternehmen stehen für Nachhaltigkeit und Qualität", betonte der Landeshauptmann bei einer Pressekonferenz in Innsbruck im Rahmen der derzeit stattfindenden "Lebensraum Perspektivenwoche". In dieser Hinsicht wolle man vor allem auch "Privatvermietern und Konzepte wie Urlaub am Bauernhof" unterstützen, so Tourismusreferent Platter.

Als Irrwege jenseits des nun ausgerufenen "neuen Tiroler Weges", benannte Platter neben Großhotels mit "kalten Betten" auch den "Party-Tourismus", der nur Exzesse hervorbringe und keine Wertschöpfung generiere. "Hier gilt es den Riegel vorzuschieben", führte Platter aus, der Tirol statt Party-Hochburg im Jahr 2035 lieber als einen Region mit "nur noch klimaneutralen Skigebieten" und "100 % regenerativen Antriebsformen" sehen wollte.

Diesem Wunsch schloss sich auch Hubert Siller, Leiter des MCI-Tourismus, an, der mit seinem Team maßgeblich an der Erstellung des Papiers beteiligt war. Zudem gehe es gegenwärtig und künftig auch darum, insgesamt touristische Nachhaltigkeit zu intensivieren sowie den wirtschaftlichen Kennzahlen auch "gesellschaftliche Kennzahlen" zur Seite zu stellen. "Wir müssen uns auch mit der Zufriedenheit der Einheimischen, Gäste und Mitarbeiter in Tourismusbetrieben beschäftigten", hielt Siller fest.

Faktoren, um diese Zufriedenheit zu gewährleisten, beschrieb Florian Phleps, Geschäftsführer der Tirol Werbung. Es gelte die "Aufenthaltsdauer der Gäste zu verlängern" und nicht zuletzt auch "alternative Bewegungsformen" wie etwa Winterwandern oder das Radfahren zu forcieren.

Martina Entner, Vizepräsidentin der Tiroler Wirtschaftskammer, erhoffte sich in diesem Kontext zudem einen gute "Generationsübergabe von rund 2.600 Betrieben", während Mario Gerber, Bundesspartenobmann Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Österreich, sich die verstärkte Wahrnehmung der "Mitarbeiter als wichtigste Säule im Tourismus" wünschte.

Kritik am vorgestellten "neuen Tiroler Weg" kam indes von den Tiroler NEOS. "Seit Jahrzehnten ist die Bettenzahl in Tirol rückläufig. Einen Bettenstopp bei aktuell 330.000 Betten zu ziehen ist lächerlich, weil es werden ja nachweislich nicht mehr", betonte der pinke Klubchef Dominik Oberhofer in einer Aussendung. Die Auslastung spreche jedenfalls "eine deutliche Sprache" und man habe "schon jetzt zu viele Betten", so Oberhofer. Laut dem NEOS-Landessprecher lasse das von einem "Grüppchen von ÖVP-ExpertInnen" ausgearbeitete Strategiepapier Mut, Ambition und konkrete Strategien vermissen.

Positiver fiel naturgemäß die Reaktion der Regierungspartei Grüne aus. Landtagsabgeordneter und Tourismussprecher Georg Kaltschmid zeigte sich "positiv überrascht": "Es zeigt sich immer deutlicher, dass grüne Ideen die Antworten auf Fragen der Zukunft sind". Weitere Schritte erwartete sich Kaltschmid aber bei der Bettenobergrenze und Skigebietserweiterungen: "Der Perspektivenwechsel ist eingeleitet, aber noch nicht vollzogen. Jetzt gilt es, nicht nur Papiere zu verfassen, sondern die Menschen einzubinden und nach dieser Strategie zu handeln". Insbesondere bei der Bettenobergrenze wäre aus seiner Sicht mehr drin gewesen: "Eine Obergrenze von 300 Betten wird die Errichtung von Bettenburgen kaum bremsen".

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