Similarweb

Endlich (wieder) Urlaub

Die wachsende Reiselust der Menschen ist mittlerweile niemanden mehr unbekannt. Similarweb, eine Plattform für digitale Intelligenz, die Daten von mehr als 190 Ländern analysiert, zeigt auf, welche Faktoren allerdings noch zur nur langsam voranschreitenden Erholung der Branche beitragen.

Denn die Gesamtsituation im vergangenen Jahr hat sich mit der Einführung wirksamer Covid-Impfstoffe zwar verbessert, doch gibt es nach wie vor eine Reihe externer Faktoren, die die Reisebranche unter Druck setzen. Die Zahl der Infektionen ist insgesamt weltweit zurückgegangen, aber es besteht immer das Risiko einer neuen Variante, die den Aufschwung in der Reisebranche bremsen könnte. Außerdem könnten die Ausgaben der Verbraucher, trotz des Anstiegs der persönlichen Sparquote während der Pandemie, im Jahr 2022 wieder sinken. Grund dafür sei der rasche Anstieg der Inflation, Probleme in der Lieferkette und die wachsende Gefahr eines längeren Russland-Ukraine-Krieges. 

Zusätzlich zu diesen größeren makroökonomischen Problemen sieht sich die Reisebranche mit einem veränderten Verbraucherverhalten konfrontiert, das eine Verlagerung von Geschäfts- zu Freizeitreisen, eine Zunahme von Direktbuchungen, den Wunsch nach mehr Flexibilität und die zunehmende Bedeutung von Markenethos/Nachhaltigkeit beinhaltet. Aus betrieblicher und geschäftlicher Sicht bemühen sich die Reiseunternehmen um ein breiteres Sortiment über das gesamte Preis-Wert-Spektrum hinweg, um eine stärkere Kundenbindung durch Treueprogramme und Direktbuchungen zu erhalten sowie um eine Verlagerung von Inlands- zu Auslandsreisen zu ermöglichen. 

Luftfahrtbranche wieder im Aufschwung

Die Fluggesellschaften erholen sich allmählich von den Auswirkungen der Covid-19-bedingten Ausfälle auf den Reiseverkehr und den Tourismus. Der Verkehr auf den Websites der Fluggesellschaften nimmt erneut zu, was ein guter Indikator dafür ist, dass die Nachfrage in der Luftfahrtbranche wahrscheinlich steigen wird. Schätzungen zufolge soll der Verkehr auf mobilen und Desktop-Websites sogar das Niveau von vor Beginn der Pandemie übertreffen. Der Geschäftsreiseverkehr ist dennoch nach wie vor gering.

Die Daten von Similarweb zeigen außerdem, wie ungleichmäßig die Erholung in der Branche verlaufen ist. Die Nachfrage nach Flugreisen erreichte im Sommer 2021 ihren Höhepunkt und ging mit dem Auftreten von Coronavirus-Varianten wie Delta und Omicron wieder zurück. Es scheint jedoch, dass die Trendwende in vollem Gange ist, insbesondere bei Ryanair und EasyJet. Von einem Tiefpunkt im Februar 2021 mit 12,6 Millionen monatlichen Besuchern ist der monatliche Traffic bei Ryanair um 336 % auf einen Spitzenwert von 55,0 Millionen im März 2022 gestiegen. Zur gleichen Zeit verzeichnete EasyJet einen Tiefpunkt von 6,1 Millionen Besuchern im Februar 2021 und einen Spitzenwert von 26,4 Millionen Besuchern im März 2022, was einem Anstieg von 332 % entspricht. Fluggäste wenden sich demnach nach wie vor eher an Billigfluggesellschaften, die ihre Kapazitäten schneller wieder ausgebaut haben als der Rest der Branche und damit ein größeres Verbraucherinteresse generieren konnten. 

Preise steigen

Aufgrund des Russland-Ukraine-Konflikts stiegen die Ölpreise und damit auch die Kosten für Kerosin, was den Auschwung der Fluggesellschaften dämpft, bevor er überhaupt richtig in Gang gekommen ist. Fluggesellschaften, die bereits aufgrund der Covid-Krise hoch verschuldet sind, werden möglicherweise ihre Kapazitäten reduzieren oder die Preise erhöhen müssen. Demnach konzentrieren sich viele Fluggesellschaften darauf, ihre Einnahmequellen über die traditionelle Flugreise hinaus zu diversifizieren und streben den Verkauf von Upgrades, Sitzplatzzuweisungen und anderen Zusatzleistungen an. 

In Bezug auf die Bemühungen für Nachhaltigkeit in der Flugbranche zeigt sich, dass die entsprechenden Websites, welche die Verwendung von nachhaltigen Flugbenzin (SAF), CO2-Ausgleichsmöglichkeiten o.ä. erläutern, kaum oder nur sehr sporadisch von Verbrauchern besucht werden. Ein Bereich, in dem der Internetverkehr ein zunehmendes Umweltinteresse zeigt, ist jedoch der Bereich der Elektro- und Hybridelektroflugzeuge.

Viel Veränderung bei Beherbergungsbetrieben

Die Beherbergungsbetriebe sehen sich mit einer sich rasch verändernden Landschaft konfrontiert, zu der auch die zunehmende Vermietung von Ferienwohnungen gehört – ein Trend, der durch die Pandemie noch zusätzlich verstärkt wurde. Größter Nutznießer dieses Trends war AirBnb, dessen monatlicher Verkehr nach Schätzungen von Similarweb vom Tiefpunkt im April 2020 bis März 2022 um fast 250 % in die Höhe schnellte. Die starke Nachfrage verschaffte den Gastgebern in bestimmten Gebieten eine Preissetzungsmacht, die ihnen und den Vermittlern von Ferienunterkünften höhere Einnahmen bescherte. Es wird erwartet, dass sich dieser Trend und die säkulare Verschiebung hin zur Ferienhausvermietung im Jahr 2022 und darüber hinaus fortsetzen wird.

Aufschwung bleibt regional

Die Reisebranche wird weiterhin mit Gegenwind zu kämpfen haben, etwa mit geopolitischen Unruhen, steigenden Treibstoffpreisen und eventuellen Varianten des Coronavirus. Dies wird jedoch durch den erheblichen Nachholbedarf der Verbraucher gemildert, die der Reiselust zunehmend wieder nachgehen. 

Da das verfügbare Einkommen knapp ist, werden die Verbraucher ihre Ausgaben priorisieren. Similarweb geht aber davon aus, dass Kürzungen eher im Einzelhandel passieren, während das Budget für Reisen beibehalten wird – auch für Reisen zu internationalen Zielen. Billigfluggesellschaften dürften weiterhin von einer Verlagerung der Verbraucher hin zu Reisen mit weniger Schnickschnack und geringeren Kosten profitieren. Auch die große Vielfalt an Unterbringungsmöglichkeiten bietet sich an, sich an billigeren Preisen zu orientieren. Das Thema Nachhaltigkeit rückt dabei eher in den Hintergrund. 

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