Salzburg

Bewältigung von Naturkatastrophen

Ein Vulkanausbruch auf Sizilien, eine Aschewolke, die tagelang über Teilen Europas den Himmel verdeckt: Das ist ein Szenario, das derzeit bei einer internationalen Übung zur Verbesserung der Flugsicherheit in Salzburg simuliert wird. "Ziel ist, im Fall von Naturkatastrophen einen möglichst ungestörten Flugverkehr zu garantieren", sagte Projektleiter Gerhard Wotawa von der ZAMG.

Die Übung ist Teil des Forschungsprojekts EUNADICS-AV (European Natural Disaster Coordination and Information System for Aviation), bei dem unter der Leitung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) 20 internationale Organisationen und Partner zusammenarbeiten. Aus Österreich sind die Universität Salzburg, das Unternehmen Flightkeys, die Austro Control oder die Österreichischen Luftstreitkräfte beteiligt. Es geht darum, die gesamte Reaktionskette für Krisenszenerien durchzuspielen, Netzwerke zu etablieren und neue Methoden zu erproben.

Meteorologie-Daten sollen für Luftfahrt nutzbar gemacht werden

"Unser Ziel ist, das Streichen von Flügen zu verhindern und Ausweichrouten zu finden", erläuterte Carl-Herbert Rokitansky vom Aerospace Research and Aviation Competence Center der Uni Salzburg. Sein Team hat Systeme entwickelt, um die enormen Datenmengen, die die Meteorologen zur Verfügung stellen können, für die Anwender in der Luftfahrt nutzbar zu machen.   

"Als vor neun Jahren der Eyjafjallajökull auf Island ausbrach, stand der Flugverkehr still", erinnerte Wotawa. Es sei ein wirtschaftlicher Schaden in Milliardenhöhe entstanden. Heute stünden viel mehr Daten zur Verfügung, auch die Simulationen hätten sich weiterentwickelt, die Flugtechnik sei moderner. EUNADICS-AV fasst alle Daten und Modelle zusammen und stellt diese auf einer Plattform zur Verfügung. Auf diese können Behörden ebenso zugreifen wie die Flugsicherung, Fluglinien oder die Piloten. "Damit können wir eine gemeinsame Entscheidungsgrundlage schaffen, alle haben den gleichen Informationsstand", erläuterte der Projektleiter. 

Beim – fiktiven – Ausbruch des Ätna am 18. April 2018 trieb der Wind die Aschewolke acht Tage über weite Teile Europas. Eine Zeit, in der Eurocontrol 240.000 Flüge registriert hatte. Die Meteorologen sagten mit ihren Systemen vorher, wann die Wolke wo und in welchen Luftschichten den Himmel bedeckt. Auf Basis dieser Modelle können alternative Routen berechnet werden. Dabei geht es nicht nur um die Sicherheit, sondern auch um die Kosteneffizienz der Flüge.

Mit den verbesserten Vorhersagemodellen könnten viele Flüge trotz Vulkanausbruchs oder anderer Katastrophen durchgeführt werden, zeigte die Simulation. Die Piloten könnten Routen über oder unter der Wolke nutzen oder sie umfliegen. So wie im Fall eines im Rahmen der Übung simulierten Flugs von Palermo nach Madrid. Pilot Klaus Sievers blieb nach dem Start unterhalb der Aschewolke und stieg erst später auf die vorgesehene Reisehöhe. Der Flieger landete mit fünf Minuten Verspätung am Ziel. "Im Jahr 2010 wäre er mit Sicherheit am Boden geblieben", ist der Pilot sicher.

In einem nächsten Schritt sollen die nun getesteten Systeme für die Praxis weiterentwickelt werden, kündigte Wotawa an. Bis es soweit sei, werde es aber noch dauern.

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