REDbook

Aufstehen, Krone richten, weitermachen!

Man kann ja wirklich nicht sagen, dass die Reisebranche nicht krisenerprobt wäre. Egal ob die Natur ihre Urgewalt zeigt und die Erde beben, den Tsunami rollen, den Vulkan spucken und Hurrikans übers Land fegen oder ob brutaler Terror Wolkenkratzer wie Kartenhäuser in sich zusammenfallen lässt und manch Sommer-Sonne-Urlaubsidylle von irgendwelchen Wahnsinnigen zu Kriegsschauplätzen gemacht werden. Es gibt wohl keine andere Branche, die mit derart schwierigen Situationen und Kalamitäten besser – im Sinne der Kunden – umgehen kann. Nur, wenn Krise auf Krise folgt, stellt sich halt irgendwann die Frage, wie lange die schönste Branche der Welt das ständige auf und ab noch aushält.

Sucht man eine wirklich passende Definition für Resilienz, dann ist REISEBRANCHE für mich die wohl zutreffendste. Weil von all dem, was der Begriff impliziert – Flexibilität, Widerstand und Leistung – haben touristische Unternehmen reichlich, oder um es mit Wikipedia zu erklären: Resilienz besitzt die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und diese durch Rückgriff auf persönliche und soziale vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Die Reisebranche ist über die Jahre mit jeder Krise gewachsen und Resilienz ist längst zu einem Teil der touristischen DNA geworden.

Gut, das mit der (Weiter)Entwicklung ist so eine Sache, aber spätestens seit Corona dem touristischen Business eine ordentliche Breitseite verpasst hat, hat es hoffentlich auch der Entwicklungsresistenteste verstanden, dass man auch den schon ein bisserl in die Jahre gekommenen, bestens eingerittenen Gaul noch neu beschlagen und satteln kann, und mit der Weisheit und Erfahrung der alten Pferde durchaus noch sehr gut mit den wilden und ungezähmten Fohlen mithalten kann. Wer das allerdings nicht tut – und zwar jetzt – wer noch immer meint, nach der Devise „des ham ma immer so gemacht, des mach ma auch die nächsten zehn Jahr so“ nahtlos dort anknüpfen zu können, wo ihn Corona aus der Bahn warf und nicht begreifen möchte, dass an der immer digitaler werdenden Reisewelt nichts mehr vorbeiführt und analog ohne digital nicht mehr funktioniert, wird die nächste Krise nur mehr schwer überstehen.

Die ist ja eigentlich schon da ist, denn mit der steigenden Inflation dreht sich das Krisenkarussell munter weiter und versetzt die sich gerade vom Coronaschock halbwegs wieder erholende Reisebranche erneut in den Resilienzmodus. Weil die Teuerung quer durch alles was man zum Leben braucht und was dieses lebenswert macht, dem zart aufkeimenden Reisepflänzchen den Nährboden sauer macht. Und damit auch den Reisemachern, die noch vor ein paar Wochen über die große Reiselust und Buchungsfreude jubelten und sich langsam über einen Sommer wie damals zu freuen begannen.

Noch ist die Reiselaune und der große Nachholbedarf der coronabedingten entgangenen Urlaubsfreuden groß, aber Mr. Sparefroh wirft dort und da bereits einen skeptischen Blick ins dünner werdende Börsel, ob es statt mediterranem Sommerfeeling nicht doch wieder nur für Urlaub auf Balkonien reicht. Wen kratzt jetzt noch Corona, wenn neben Sprit, Strom und Gas das tägliche Leben immer teurer und dann auch noch zwei lapidare Urlaubswochen irgendwo am nahen Strand nicht mehr leistbar sind? 46 %, so eine aktuelle KURIER Umfrage, wollen, werden oder müssen beim Sommerurlaub sparen wie auch eine ÖW-Umfrage besagt, dass die Inflation bei der Urlaubsplanung bereits entscheidend ist.

Nein, noch ist der „Kas net bissen“, er beginnt nur langsam zu reifen. 

Aufstehen, Krone richten, weitermachen, für den Krisenweltmeister Reisebranche eigentlich schon gelebte Selbstverständlichkeit …

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