OpenWeek Allgäu

Zeitenwende im Tourismus

Das klassische Destinationsmanagement ist tot – es lebe der Lebensraum-Gedanke! Wie der Tourismus diesen Umbruch aktiv gestalten kann, zeigte die erstmals stattfindende OpenWeek Allgäu auf.

Wie touristische Destinationen ihren Wandel hin zu lebendigen Lebensräumen gestalten und mutige Impulse für die Zukunft von Lebensräumen, Standortentwicklung und Tourismus setzen können? Mit diesen Fragen beschäftigten sich touristische Pionier:innen aus Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz bei der OpenWeek Allgäu vom 28. Mai bis 04. Juni 2022.

Weg vom Gästefokus – hin zum Fokus auf Einheimische und Natur

Die erstmalig abgehaltene, einwöchige Veranstaltungsserie stand unter dem Motto „Lebensräume neu denken“ – und war zugleich ein Abgesang an das klassische Tourismusmanagement, wie wir es kennen.

„Die Tourismuskonzeption als solche kann es nicht mehr geben“, postuliert Kristine Honig, Netzwerkpartnerin des internationalen Beraternetzwerks Realizing Progress, das die OpenWeek gemeinsam mit der Allgäu GmbH als Gastgeber konzipierte und organisierte. „Der Gedanke lautet: Weg von der reinen Fokussierung auf die Bedürfnisse der Gäste, hin zu einer ganzheitlichen Betrachtung der Region, welche die Bedürfnisse der Einheimischen, aber auch der Umwelt und Natur berücksichtigt.“

Entwicklungen wie Klimakrise, Overtourism oder die Corona-Pandemie haben den Wandel vom Tourismusmanagement hin zur Lebensraumperspektive in den letzten Jahren beschleunigt. Während der OpenWeek wurde dieser Lebensraumgedanke nun konsequent weitergedacht.

 „Die Wahrnehmung des Tourismus wandelt sich – und auch wir Touristiker müssen den Blickwinkel auf unseren Arbeitsgegenstand ändern“, resümiert einer der Teilnehmer:innen, Roland Völcker vom Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Querschnittsmaterie Tourismus

Als Querschnittsmaterie beeinflusst der Tourismus fast alle gesellschaftlichen Bereiche vor Ort. Daher seien, so Völcker, Bevölkerung wie Gäste zwingend mitzudenken, um nicht nur eine Reisedestination, sondern auch einen für die Einwohner*innen lebenswerten Lebensraum zu entwickeln.

„Die OpenWeek von Realizing Progress war diesbezüglich ein inhaltlich starkes Format, um im kreativen Prozess noch mehr Verständnis dafür zu entwickeln und um mit Akteuren anderer Lebensräume in Erfahrungsaustausch zu treten.“

„Bereits bei der Erarbeitung einer umfassenden Konzeption sind völlig neue Akteurinnen und Akteure zu involvieren“, plädiert auch Kristine Honig dafür, die Lebensraumperspektive stets auf allen Ebenen mitzudenken: „Jede Konzeption für eine Region muss die Frage beantworten: Wie interpretieren wir das Thema Lebensraum? Welche Rolle nehmen wir hierbei ein?“

Lebensraum Exemplarisch: Die OpenWeek zu Gast im Allgäu

Eine Woche, eine Region, verschiedene Einzel-Events und viele neue Ideen: Die Premiere der OpenWeek in Fischen im Allgäu war vom Coworkation-Gedanken geprägt, aber auch vom lebendigen Austausch der Teilnehmenden mit der Destination des Allgäu.

„Lebensräume stehen im Spannungsfeld von Wertschöpfung und Wertschätzung, von Ökologischem wie Sozialem“, erläutert Florian Bauhuber, Geschäftsführer von Realizing Progress. „Genau diese Themen wurden in der OpenWeek nicht nur offen diskutiert, sondern auch erlebbar gemacht.“

Das Allgäu als Region erwies sich als perfekter Premierenpartner des vollkommen neuen Veranstaltungsformates. „Mit der Gründung der Allgäu GmbH im Jahr 2011 als Gesellschaft für Standort und Tourismus unter einer starken Dachmarke Allgäu sind die Weichen richtig gestellt worden“, resümiert Stefan Egenter. Der Marketingleiter der Allgäu GmbH sieht in den Themen und Diskussionen der OpenWeek eine Bestätigung des bereits eingeschlagenen Weges. „In Lebensräumen wie dem Allgäu geht es in Zukunft noch stärker um das Ausbalancieren der Interessen von Einheimischen und Gästen – und zwar immer mit Rücksicht auf die Natur.“

Inspirationen und operative Lösungsansätze

Für innovative Impulse sorgte auch das Coworkation-Format der OpenWeek, das den Teilnehmer*innen neben dem gemeinsamen Leben, Arbeiten, Essen, Entdecken und Erleben eine kontrastreiche Serie an Einzelveranstaltungen bot. Nach einem Auftakt-Event der Allgäu GmbH und einem gemeinsamen Orientierungstag startete die Woche mit einem ganztägigen Barcamp zur Zukunft von Lebensräumen. Um das Allgäu ausgiebig kennenzulernen, standen individuelle Freizeitaktivitäten und eine Lernreise auf der Agenda. Abgerundet wurde dies durch eine MessUp-Night und einen ganztägigen Hackathon.

Operative Ansätze für die Ausrichtung einer Tourismusregion hin zum Lebensraum lieferte insbesondere der die OpenWeek abschließende Hackathon. Mit der Zielvorgabe, Ideen zur Messung und Steigerung der Lebensqualität in einer Region zu entwickeln, erarbeiteten die sechs Teams zahlreiche konkrete Projektideen – von der Hormonmessung in Abwässern bis zu einem Masterplan für die Lebensraum-Messung, von regionalen Datenhubs bis zu überregionalen emotionalen Karten, von der digitalen Besucherlenkung bis hin zur Glücksmessung über die Frequenz und Tonalität von Stimmen.

Ein positives Fazit zogen auch die Teilnehmer:innen, denen die Premiere der OpenWeek ein Forum zum inspirierenden Austausch bot.

„Die OpenWeek hat nach der Coronakrise bewiesen, dass sich kreatives Zusammenkommen wirklich lohnt“, freut sich Ellen Kimmel, deren Kreativquartier CoWorkingspace aus Volkach sich als Begegnungsraum für neue Ideen, kreative Lösungen und innovative Konzepte versteht. „Für uns ist es maßgeblich wichtig, Lebensräume neu zu denken. Da kam uns die OpenWeek mit Formaten wie Barcamp, MessUp Night oder Hackathon genau richtig. Wir können nur jeden ermutigen, sich Zeit für eine komprimierte Co-Creation Power-Week zu nehmen.“

openweek.de

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