Offener Brief

Weitzer zu Kurzarbeit in Reisebüros

In einem offenen Brief wandte sich der Geschäftsführer der Raiffeisen- und Volksbanken Touristik, Patrik Weitzer, an WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf zum Thema der Pressemitteilung vom 26.02.2020 über Kurzarbeit in den Reisebüros aufgrund des sich ausbreitenden Coronavirus. Weitzer kritisiert die vorschnelle Veröffentlichung und den damit entstandenen Imageschaden für die österreichische Reisebranche. 

Guten Morgen Herr Generalsekretär,

nachdem die Nachricht wirklich gute Runde gemacht hat am gestrigen Tag, gibt es heute zahlreiche Verunsicherungen auch bei unseren Mitarbeitern und Kunden.

Ein Interview von Ihnen wurde auch um 19:00 Uhr noch auf Ö3 veröffentlicht und auch in den Hauptabendnachrichten wurde die Nachricht noch nicht gestoppt.

Gibt es außer der Entschuldigung, die wir natürlich annehmen, auch eine Idee, wie man den Imageschaden für die österr. Reisebüros nun wieder gut machen kann?

Man sollte bevor man mit solchen Meldungen an die Presse geht auf jeden Fall mit den größten Reiseunternehmen Rücksprache halten und auch Branchenvertreter wie den ÖRV dazu befragen.

Wir müssen nun eine positive Aufklärungskampagne starten. Wie viele Menschen haben den Coronavirus unbeschadet überstanden, wie ist die Krankheit verlaufen, wie geht es den Leuten jetzt? Wieso ist hier niemand vor den Kameras? Klar sagen, dass Reisen sicher ist!

Gerade die österr. Reisebüros sind als Fachhandel eine Bastion und sichere Anlaufstelle für den Kunden.

Und: Wir kämpfen laufend Mitarbeiter für diese komplexe Branche zu begeistern – so gelingt das nicht!

Uns wurde zb. heute ein Lehrlingsgespräch mit Eltern abgesagt, weil man glaubt unsere Branche sei nicht zukunftssicher. Dies nehme ich zum Anlass, um Ihnen ein letztes Mal zu schreiben. Verzeihen Sie mir meinen Tatendrang, aber ich lebe für diese Branche und bin auch im Wirtschaftsbund engagiert!

Wir müssen einen Schulterschluss für das österr. Reisebüro dringend in Angriff nehmen!

Wir bilden aus, wir bringen Mitarbeiter in diese komplexe Arbeitswelt und ja, wir sind nach wie vor eine zukunftsreiche Branche! Es gibt aber vor allem die Fachkräfteausbildung, die wir alle zusammen in Angriff nehmen müssen und ich bitte Sie, dies zum Anlass zu nehmen, diesen Schulterschluss zu unterstützen. Starten wir eine Ausbildungsoffensive und echte Imagekampagne für das österr. Reisebüro!

Ändern wir das überalterte Berufsbild – Reisebüroassistent in Touristikkaufmann/frau, Verlegen wir die Berufsschule von Januar-März auf Mai-Jul. Kürzere Einheiten evt. zweimal pro Jahr. Es ist eine Zumutung, dass Lehrlinge die ganze Hauptbuchungszeit von Januar bis März in der Schule in Wien sind. Das hindert viele eine Lehre zu ermöglichen. Wir brauchen eine Klasse auch im Westen.

Ich darf Ihnen verraten, dass es aktuell nur eine 1. Klasse mit 27 Schülern (österreichweit) in Wien dieses Jahr gibt! Ich finde das ist für uns ein schlechtes Prädikat und zeigt unser Versagen in der Ausbildung und Begeisterung junger Leute für das Reisebüro deutlichst auf!

Ich bin 38 Jahre alt, bin seit 17 Jahren in der Branche in führender Tätigkeit und habe noch einige Jahre vor mir. Daher gilt es nun endlich aktiv zu werden und Herausforderungen zu lösen! Lehre / Lehre mit Matura – das Image des Reisebüros an den Schulen, beim AMS und weiteren beratenden Stellen wieder herzustellen. Ohne kompetente Mitarbeiter im Reisebüro – am Kunden – werden wir das österr. Reisebüro tatsächlich auf Dauer sterben sehen! Es ist unsere Aufgabe hier nun gegenzusteuern mit einem verlässlichen Schulterschluss der Unternehmensverantwortlichen und echter Unterstützung der WKÖ!

Der Kunde braucht das Reisebüro, da nur wir komplexe und verantwortungsvolle Reisen erst ermöglichen und Sicherheit und Konsumentenschutz bieten.

Wachen wir bitte alle auf und schaffen wir pro Jahr gemeinsam 100 neue Lehrstellen – Fünf Jahre lang! Mein Kommittent gebe ich! Das klingt viel? Nein – nur diese Anzahl wird ausreichend Leute in der Branche halten, die wir dringend brauchen!

Liebe Grüße!

PS: Und eine Sache noch: Entlasten Sie den Fachhandel von überbordender Bürokratie und stehen Sie für uns ein, dass es bei der Nachevaluierung der Pauschalreiserichtlinie nicht zu Verschlechterungen kommt (vor allem nicht im Fernabsatz!) – sondern zu Erleichterungen!

Ich hoffe wir sind hier in Brüssel von fachkundigen Branchenkennern vertreten und gehört! Mir ist jedoch keine Positivevaluierung und Befragung der Betriebe bekannt mit welchen Themen in die Verhandlung gegangen werden soll.

Gerne bringe ich mich hier fachlich ein und stehe Ihnen jederzeit zur Verfügung, da wir uns sehr stark auch rechtlich mit den Dingen in Europas größter Reisebürovereinigung der QTA auseinandersetzen!

Patrik Weitzer, Geschäftsführung – CEO Raiffeisen- und Volksbanken Touristik GmbH

Diesem offenen Brief antwortete Herr Kopf mit der Zustimmung gemeinsam "mit den Reisebüros die Rahmenbedingungen der Branche nicht nur zu besprechen, sondern gemeinsam auch zu verbessern." In Abstimmung mit dem Fachverband soll zeitnah ein erstes Branchengespräch organisiert werden, bei dem die weitere Vorgehensweise miteinander festgelegt wird. Desweiteren bedauere Herr Kopf die vorschnelle Veröffentlichung zum Thema Kurzarbeit in den Reisebüros und entschuldigte sich nochmals mit dem ehrlichen Bekenntnis zur Branche.

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