Offener Brief

Totalausfall für Russland-Reisen

Mag. Lisa Veverka, Mandatarin der FG Reisebüro bei der WKNÖ, wendet sich in einem Offenen Brief an die österreichische Bundesregierung. Mit einem Totalausfall ihres Reisebüros seit Ende März bittet Sie um weitere Unterstützung und thematisiert ebenso die Problematik der auslaufenden Insolvenzabsicherung. Lesen Sie im Anschluss den vollständigen Brief. 

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Kurz! 
Sehr geehrter Herr Vizekanzler Kogler! 
Sehr geehrte Frau Bundesministerin Köstinger! 
Sehr geehrter Herr Bundesminister Blümel! 
Sehr geehrte Regierungsmitglieder und Klubobleute! 

"Mein Reisebüro ist spezialisiert auf Russland-Reisen mit besonderem Schwerpunkt auf Erlebnisreisen nach Kamtschatka. Da es für EU-Bürger seit März nicht einmal die theoretische Möglichkeit gibt, nach Russland zu reisen (es werden keine Visa ausgestellt), ist mein Reisebüro von einem Totalausfall getroffen. Kamtschatka kann fast nur im Sommer bereist werden (abgesehen von Heliski-Touren im März, die ich aber kaum anbiete). Für mich ist es derzeit höchst unbestimmt, ob nicht auch das Jahr 2021 wieder einen Totalausfall mit sich bringen wird."

Mein Unternehmen zählt zu den 2.600 österreichischen Reisebüros und Veranstaltern mit rund 10.000 Mitarbeitern, die besonders hart von der Corona-Krise getroffen wurden. Nach 7 Monaten nach Ausbruch der Pandemie sind wir mittlerweile in großer Sorge diese Krise wirtschaftlich nicht zu überstehen. Kurzarbeit, Überbrückungskredit und Härtefallfonds haben dazu beigetragen, dass wir Unternehmer mit einem Anflug von Hoffnung bislang weiter um unsere Existenz aber auch um die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter gekämpft haben. 

Doch heute sind wir neben dem immer noch ausständigen Hilfspaket für unsere Branche zusätzlich noch mit einer neuen Herausforderung konfrontiert. Während unsere deutschen und europäischen Kollegen schon hörbar aufatmen können, schwebt nun ein weiteres Damokles-Schwert über unseren Betrieben. Wie Ihnen wahrscheinlich bekannt ist, hat sich die HDI Global SE als einziger Anbieter für die verpflichtende Insolvenzabsicherung für Reiseveranstalter vom österreichischen Markt zurückgezogen, Alternativen gibt es bislang keine. Unsere (verpflichtende) Insolvenzabsicherung läuft somit Ende des Jahres aus. 

Laut Frau Ulrike Pewal von der Tourismus-Versicherungsagentur GmbH in Wien, wird von den zuständigen Gewerbebehörden und dem Ministerium fieberhaft an einer Lösung gearbeitet. Da es nur mehr wenige Monate bis Jahreswechsel sind und hier ein Großteil der österreichischen Reiseveranstalter dann ohne Insolvenzversicherung dasteht, brennt sprichwörtlich der Hut in der gesamten österreichischen Reisebranche. Ohne Reiseveranstalter können nämlich auch die Reisebüros keine Reisen verkaufen! 

Die Möglichkeit einer Bankgarantie zur Besicherung der Insolvenz ist aufgrund unserer wirtschaftlichen Situation, verursacht durch die COVID-19 Krise, keine Alternative. Eine Bankgarantie in ausreichender Höhe zu erlangen, ist ohne persönliche Haftung momentan wohl nicht realistisch. Darüber hinaus hatte die Versicherungslösung den Vorteil, dass eine unbeschränkte und unbefristete Haftung abgeschlossen werden kann – eine gute Lösung für den Reiseveranstalter und ein mehr an Sicherheit für die Reisbüros und vor allem auch für den Endkunden! 

Es ist existenziell notwendig und daher bitte ich Sie inständig, sich mit HDI bzw. der Tourismus-Versicherungsagentur in Verbindung zu setzen, um eine Verlängerung der Versicherungslösung zu bewirken. In einer Ausnahmesituation wie dieser müsste der Staat einen Teil der Haftung übernehmen, und zwar so lange bis die Reisebranche in Österreich wieder auf einer soliden Basis steht. 

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen! 

Mit freundlichen Grüßen

Mag. Lisa Veverka
Mandatarin der FG Reisebüro bei der WKNÖ
Kamtschatka - Land der Vulkane
Josef-Kollmann-Gasse 22, 2380 Perchtoldsdorf, Österreich
Tel: +43-699-1970 3009
www.kamchatka.cc

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