Offener Brief

Statt Hilfe nur weitere Hürden

In einem Offenen Brief wendet sich Mag. (FH) Theresa Wendt, Geschäftsführende Gesellschafterin CORSO Reisebürogesellschaft mbH, an die österreichische Bundesregierung und macht auf die drohende Problematik der mit Ende des Jahres auslaufenden Insolvenzabsicherung aufmerksam. Es brennt sprichwörtlich der Hut, Alternativen wurden bislang keine vorgestellt. Lesen Sie im Anschluss den vollständigen Brief.

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Kurz!
Sehr geehrter Herr Vizekanzler Kogler!
Sehr geehrte Frau Bundesministerin Köstinger!
Sehr geehrter Herr Bundesminister Blümel!
Sehr geehrte Regierungsmitglieder und Klubobleute!

„Gegründet 1989 war CORSO Reisen bis zur Covid-19 Krise ein erfolgreiches österreichisches Mittelstandunternehmen und fungiert sowohl als Veranstalter als auch Reisebüro. Seit mehr als 7 Monaten sind wir laufend mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Die Rückerstattung des vollen Reisepreises aller Bestandsbuchungen führte zu einem Umsatzrückgang von über 90%, FKZ 1 (eingereicht) und FKZ 2 lassen leider auf sich warten. Zusätzlich versetzte uns Reisebüros die Ankündigung der großen (meist ausländischen) Veranstalter über die Einführung des Direktinkassos einen starken Dämpfer und in weiterer Folge haben sich die bestehenden Insolvenzversicherungen vom Markt zurückgezogen. Zum Drüberstreuen findet sich in manchen Kreditverträgen des Überbrückungskredit der Passus der die Gegenrechnung des FKZ mit der Kreditsumme vorsieht – eine Katastrophe für die dringend notwendige Liquidität.  In der Vergangenheit haben wir Krisen wie 9/11, Golfkrieg, Tsunami in Thailand, diverse Terroranschläge, Finanzkrise, Arabischer Frühling, Ebola, Flüchtlingskrise und diverse Insolvenzen von Leistungsträgern insbesondere Airlines (hier ist eine verpflichtende Insolvenzversicherung mehr als überfällig) aus eigener Kraft gemeistert. Jetzt sehen wir uns einer überfordernden und für die gesamte Branche existentiell bedrohlichen Anzahl an Hürden gegenüber. Ohne staatliche Hilfe ist eine ganze Branche in Gefahr! Eine Branche die bis zur Krise rund 2.700 Unternehmen mit 10.000 Mitarbeiter umfasst hat. Bitte unterstützen Sie uns – jetzt!“

Mein Unternehmen zählt zu den 2.600 österreichischen Reisebüros und Veranstaltern mit rund 10.000 Mitarbeitern, die besonders hart von der Corona-Krise getroffen wurden. Sieben Monate nach Ausbruch der Pandemie sind wir mittlerweile in großer Sorge, diese Krise wirtschaftlich nicht zu überstehen. Kurzarbeit, Überbrückungskredit und Härtefallfonds haben dazu beigeragen, dass wir Unternehmer mit einem Anflug von Hoffnung bislang weiter um unsere Existenz, aber auch um die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter gekämpft haben.

Doch heute sind wir neben dem immer noch ausständigen Hilfspaket für unsere Branche zusätzlich noch mit einer neuen Herausforderung konfrontiert. Während unsere deutschen und europäischen Kollegen schon hörbar aufatmen können, schwebt nun ein weiteres Damokles Schwert über unseren Betrieben. Wie Ihnen wahrscheinlich bekannt ist, hat sich die HDI Global SE als einziger Anbieter für die verpflichtende Insolvenzabsicherung für Reiseveranstalter vom österreichischen Markt zurückgezogen, Alternativen gibt es bislang keine. Unsere (verpflichtende) Insolvenzabsicherung läuft somit Ende des Jahres aus.

Laut Frau Ulrike Pewal von der Tourismus-Versicherungsagentur GmbH in Wien, wird von den zuständigen Gewerbebehörden und dem Ministerium fieberhaft an einer Lösung gearbeitet. Da es nur mehr wenige Monate bis Jahreswechsel sind und hier ein Großteil der Österreichischen Reiseveranstalter dann ohne Insolvenzversicherung dasteht, brennt sprichwörtlich der Hut in der gesamten österreichischen Reisebranche. Ohne Reiseveranstalter können nämlich auch die Reisebüros keine Reisen verkaufen!

Die Möglichkeit einer Bankgarantie zur Besicherung der Insolvenz ist aufgrund unserer wirtschaftlichen Situation, verursacht durch die COVID-19 Krise, keine Alternative. Eine Bankgarantie in ausreichender Höhe zu erlangen, ist ohne persönliche Haftung momentan wohl nicht realistisch. Darüber hinaus hatte die Versicherungslösung den Vorteil, dass eine unbeschränkte und unbefristete Haftung abgeschlossen werden kann – eine gute Lösung für den Reiseveranstalter und ein mehr an Sicherheit für die Reisbüros und vor allem auch für den Endkunden! 

Es ist existentiell notwendig und daher bitte ich Sie inständig, sich mit HDI bzw. der Tourismus-Versicherungsagentur in Verbindung zu setzen, um eine Verlängerung der Versicherungslösung zu bewirken. In einer Ausnahmesituation wie dieser, müsste der Staat einen Teil der Haftung übernehmen und zwar solange bis die Reisebranche in Österreich wieder auf einer soliden Basis steht.

Darüber hinaus möchte ich einen weiteren Punkt ansprechen, der uns das wirtschaftliche Überleben erschwert. Manche Banken, so auch meine Hausbank, hat in den Kreditbedingungen der Überbrückungsfinanzierung einen Passus angeführt, der darauf hinweist, dass allfällig gewährte Fixkostenzuschüsse zur vorzeitigen Rückführung dieser Finanzierung zu verwenden sind.

Zum einen sehe ich eine schwerwiegende Benachteiligung der Unternehmen die einen Kreditvertag mit solch einem Passus haben und zum anderen verringert die Gegenrechnung der Zuschüsse mit der Kreditsumme meine Liquidität, die wir aufgrund der aktuellen Entwicklungen rund um COVID-19 noch dringend brauchen werden.

Auch in diesem Punkt ersuche ich Sie eindringlich um Unterstützung und Intervention bei der ÖHT, um diese Hürde die Krise zu überstehen aus der Welt zu schaffen.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen!

Mit besten Grüßen

Mag. (FH) Theresa Wendt
Geschäftsführende Gesellschafterin
CORSO Reisebürogesellschaft mbH
Hauptstrasse 34, 2340 Moedling, Austria
Tel: 0043/2236/25900
Mobile: 0043/664/845 98 38
Fax: 0043/2236/2590027
www.corso.at

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