Offener Brief

Null Perspektive für den Sommer 2021

Patrice Kragten, Geschäftsführerin TRAVELKID Fernreisen GmbH & Co KG, wendet sich an die österreichische Bundesregierung und hinterfragt zunehmends die Sinnhaftigkeit der Reisewarnungen. Die Perspektive für den Sommer 2021 liegt für sie gleich bei null. Lesen Sie im Anschluss den vollständigen Brief. 

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Kurz!
Sehr geehrter Herr Vizekanzler Kogler!
Sehr geehrte Frau Bundesministerin Köstinger!
Sehr geehrter Herr Bundesminister Blümel!
Sehr geehrte Regierungsmitglieder und Klubobleute!

"Als Reiseveranstalter, spezialisiert auf Fernreisen für Familien mit Kindern, liegt unser Büro nicht seit 15. März still. Viele Familien haben ihre stornierte Fernreise vom April 2020 bereits in Mai 2019 gebucht, die Juli und August Gäste in September 2019. Die Perspektive für den Sommer 2021 ist Null!  Wegen den Rückzahlungen leben wir inzwischen bereits 1,5 Jahre auf Sparflamme

Sind sie sich dessen bewusst?

Sehr scharf kritisieren wir die unnötigen Reisewarnungen. Wir fragen uns, mit den derzeitigen Umgang der Warnungen, was sie in Zukunft noch wert sind. Warum dürfen wir, wenn Deutschland Österreich auf der roten Liste stellt, noch frei herum laufen? Warum werden die Deutsche Gäste geschützt und wir nicht? Wo ist die akute Gefahr für Leib und Leben? Sogar die WHO stellt das Virus heute in einer anderen Perzeption als März 2020: https://bit.ly/31NqlZ5."

Mein Unternehmen zählt zu den 2.600 österreichischen Reisebüros und Veranstaltern mit rund 10.000 Mitarbeitern, die besonders hart von der Corona-Krise getroffen wurden. Nach 7 Monaten nach Ausbruch der Pandemie sind wir mittlerweile in großer Sorge diese Krise wirtschaftlich nicht zu überstehen. Kurzarbeit, Überbrückungskredit und Härtefallfonds haben dazu beigeragen, dass wir Unternehmer mit einem Anflug von Hoffnung bislang weiter um unsere Existenz aber auch um die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter gekämpft haben.

Doch heute sind wir neben dem immer noch ausständigen Hilfspaket für unsere Branche zusätzlich noch mit einer neuen Herausforderung konfrontiert. Während unsere deutschen und europäischen Kollegen schon hörbar aufatmen können, schwebt nun ein weiteres Damokles Schwert über unseren Betrieben. Wie Ihnen wahrscheinlich bekannt ist, hat sich die HDI Global SE als einziger Anbieter für die verpflichtende Insolvenzabsicherung für Reiseveranstalter vom österreichischen Markt zurückgezogen, Alternativen gibt es bislang keine. Unsere (verpflichtende) Insolvenzabsicherung läuft somit Ende des Jahres aus.

Laut Frau Ulrike Pewal von der Tourismus-Versicherungsagentur GmbH in Wien, wird von den zuständigen Gewerbebehörden und dem Ministerium fieberhaft an einer Lösung gearbeitet. Da es nur mehr wenige Monate bis Jahreswechsel sind und hier ein Großteil der Österreichischen Reiseveranstalter dann ohne Insolvenzversicherung dasteht, brennt sprichwörtlich der Hut in der gesamten österreichischen Reisebranche. Ohne Reiseveranstalter können nämlich auch die Reisebüros keine Reisen verkaufen!

Die Möglichkeit einer Bankgarantie zur Besicherung der Insolvenz ist aufgrund unserer wirtschaftlichen Situation, verursacht durch die COVID-19 Krise, keine Alternative. Eine Bankgarantie in ausreichender Höhe zu erlangen, ist ohne persönliche Haftung momentan wohl nicht realistisch. Darüber hinaus hatte die Versicherungslösung den Vorteil, dass eine unbeschränkte und unbefristete Haftung abgeschlossen werden kann – eine gute Lösung für den Reiseveranstalter und ein mehr an Sicherheit für die Reisbüros und vor allem auch für den Endkunden!

Es ist existentiell notwendig und daher bitte ich Sie inständig, sich mit HDI bzw. der Tourismus-Versicherungsagentur in Verbindung zu setzen, um eine Verlängerung der Versicherungslösung zu bewirken. In einer Ausnahmesituation wie dieser, müsste der Staat einen Teil der Haftung übernehmen und zwar solange bis die Reisebranche in Österreich wieder auf einer soliden Basis steht.

Darüber hinaus möchte ich einen weiteren Punkt ansprechen, der uns das wirtschaftliche Überleben erschwert. Manche Banken, so auch meine Hausbank, hat in den Kreditbedingungen der Überbrückungsfinanzierung einen Passus angeführt, der darauf hinweist, dass allfällig gewährte Fixkostenzuschüsse zur vorzeitigen Rückführung dieser Finanzierung zu verwenden sind.

Zum einen sehe ich eine schwerwiegende Benachteiligung der Unternehmen die einen Kreditvertag mit solch einem Passus haben und zum anderen verringert die Gegenrechnung der Zuschüsse mit der Kreditsumme meine Liquidität, die wir aufgrund der aktuellen Entwicklungen rund um COVID-19 noch dringend brauchen werden.

Auch in diesem Punkt ersuche ich Sie eindringlich um Unterstützung und Intervention bei der ÖHT, um diese Hürde die Krise zu überstehen aus der Welt zu schaffen.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen!

Abenteuerliche Grüße,

Patrice Kragten
Geschäftsführerin
TRAVELKID Fernreisen GmbH & Co KG
Sonnengarten 8 Top 12, 5700 Zell am See, Austria
www.travelkid.at
info@travelkid.at

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