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Österreichischer Alpenverein

Verein kämpft gegen Skigebietserweiterungen

Mit einem Zuwachs von 25.600 im Jahr 2019 auf rund 600.000 Vereinsmitglieder sieht sich der Österreichische Alpenverein bestärkt, weiterhin gegen Skigebietserweiterungen wie im Pitz- und Ötztal in Tirol und im Salzburger Pinzgau aufzutreten. Befürwortet wird der sanfte Tourismus. Im insolventen Salzburger Skigebiet Gaißau-Hintersee könnte ein "Skitouren- und Mountainbikeparadies" entstehen.

Bei der Jahrespressekonferenz des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) am Mittwoch in der Stadt Salzburg zeigte sich Präsident Andreas Ermacora hoffnungsvoll, dass in den Behörden- und Gerichtsanhängigen Verfahren gegen die Erschließungsprojekte entschieden wird. Ermacora ortete ein Umdenken seitens der Politik und Bevölkerung beim Thema Natur- und Umweltschutz. "Der Alpenverein setzt sich weiter dafür ein, massive Erschließungen wie in Tirol hintanzuhalten."

Was das geplante Projekt "Hochsonnberg" im Pinzgau betrifft - die Gemeinde Piesendorf im Salzachtal soll an das Skigebiet Schmittenhöhe bei Zell am See angeschlossen werden -, hofft Ermacora auf einen "Rückzieher der Betreiber". Der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) hat im Dezember 2019 die UVP-Genehmigung aufgehoben. "Die Interessensabwägung wird jetzt sehr restriktiv behandelt." Wenn nicht nachgewiesen werden könne, dass das Skigebiet ohne diese Verbindung nicht mehr existieren kann, sei das öffentliche Interesse nicht gegeben, erläuterte Ermacora die VwGH-Entscheidung. "Wir gehen davon aus, dass dies auch beim Projekt Pitztal-Ötztal in eine ähnliche Richtung gehen wird."

Der Erhalt der Bergwelt sei in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden, das sehe man auch an dem stetigen Zuwachs der Alpenvereinsmitglieder. "Sie geben uns eine starke Stimme und unterstützen uns, unserem Ruf als 'Anwalt der Alpen' gerecht zu werden." Der Alpenverein sei kein Verhinderer, sondern er werde seinem Satzungsauftrag gerecht: die Natur zu erhalten. "Wenn sie verbaut ist, ist sie immer verbaut", gab der ÖAV-Präsident zu bedenken. Wesentliches Vereinsziel sei die Verbesserung der Qualität der Ausbildungen in den Sektionen, der Hüttenstandards und Wege sowie ein moderates Wachstum und die Förderung des sanften Tourismus wie Bergsteigerdörfer als Gegensatz zu Tourismushochburgen.

Nach dem Motto "weniger ist manchmal mehr" unterstützt der Alpenverein auch das Vorhaben "Skitourenparadies Gaißau", wo seit zwei Jahren die Lifte wegen wirtschaftlicher Probleme still stehen. In einer gemeinsamen Initiative mit der Gemeinde Krispl, dem Land Salzburg, den Österreichischen Bundesforsten und dem örtlichen Tourismusverband könnten dort Skitourengeher und Winterwanderer auf den ehemaligen Pisten jetzt ihrer Leidenschaft nachgehen. Der Alpenverein hat zur Beschilderung der Touren einen finanziellen Beitrag geleistet. Die Benützung der Parkplätze ist kostenpflichtig, die Skihütten sind geöffnet.

Das von den Tourengehern "sehr gut angenommene" Angebot bringe günstige Effekte mit sich: Die Vermeidung von Konflikten, eine Besucherlenkung und Entlastung des Waldgebietes und anderer Skitourengebiete in der Umgebung, weiters ein weitgehend lawinensicheres Gebiet, das sich für Einsteiger im Skitourensport eigne und eine zufriedenstellende Wertschöpfung für die örtlichen Gastronomiebetriebe, sagte Roland Kals, erster Vorsitzender des Alpenvereins Salzburg.

Auch in aufgelassenen Tiroler Skigebieten wie am Sattelberg, die nun von Tourengehern bevölkert werden, sei die Resonanz der Hüttenwirte gut, sagte Ermacora. Kals sieht hier eine Alternative zum klassischen Alpinskifahren. Als Dienstleistung könnte im "Skitourenparadies Gaißau" noch ein Alpinskikindergarten angeboten werden, in dem die Kinder betreut werden, während die Eltern eine Skitour gehen, schlug er vor. Die Salzburger Tourismuspolitik solle den wirtschaftlichen Wert des Tourengehens anerkennen und auf die Förderung ökonomisch fragwürdiger Liftanlagen verzichten, meinte Kals. Falls sich die Gemeinden Krispl und Hintersee einen Zukunftspfad ohne "Liftschaukel" vorstellen könnten, dann wäre eine Aufnahme ins internationale Netzwerk der Bergsteigerdörfer der Alpenvereine denkbar, so Kals.

Der Alpenverein pochte bei der Pressekonferenz noch auf eine langjährige Forderung an den Bund. "Unser Ziel ist, endlich die öffentliche Förderung zur Erhaltung der alpinen Bergwelt gesetzlich festzulegen", erklärte Ermacora." Dann müsste man nicht mehr alle drei Jahre bei der Politik vorsprechen. Durch den Klimawandel würden sich die Wege verschlechtern, sie seien vermehrt durch Steinschlag betroffen. Rund ein Drittel des Gesamtbudgets in Höhe von 30 Millionen Euro fließe in die Erhaltung der Hütten und Wege. Die öffentliche Förderung durch den Bund betrage 3,7 Millionen Euro. Der Alpenverein betreut 231 Hütten und rund 26.000 Kilometer Bergwege und "trägt damit viel zum wanderbaren Österreich bei", sagte Ermacora. "Wenn es die alpinen Vereine nicht mehr gebe, würde es das wanderbare Österreich nur mehr im Tal geben, weil die Bergwege nicht mehr erhalten werden. Das ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor vor allem im Sommertourismus."

Mit Stichtag 31. Dezember 2019 zählte der Alpenverein insgesamt 598.757 Mitglieder, das ist ein Plus von 4,5 % gegenüber dem Vorjahr. 29 % der Mitglieder sind jünger als 30 Jahre, das Durchschnittsalter beträgt 42,8 Jahre. Der Frauenanteil liegt bei 44,6 %. In den vergangenen zehn Jahren wurde ein Mitgliederzuwachs von 220.000 verzeichnet. Rund 25.000 Mitglieder sind derzeit für den Verein ehrenamtlich tätig.

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