Österreich

Touristiker sind mit Sommersaison zufrieden

Nach einem verregneten Mai sind die heimischen Tourismusbetriebe derzeit mit ihrem Sommergeschäft recht zufrieden. "Fast neun von zehn Hotellerie- und Gastronomiebetrieben sehen die Zukunft positiv, ein Drittel davon ist sogar überaus zuversichtlich", berichtete der Obmann des WKÖ-Fachverbands Gastronomie, Mario Pulker, am Donnerstag. Doch abgerechnet wird am Schluss.

Die Sommerbuchungen sind schon mal sehr gut angelaufen - nach einem "sehr durchwachsenen ersten Halbjahr", wie die Obfrau des Fachverbands Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich, Susanne Kraus-Winkler, einräumte. "Aber wir haben einen sehr guten Juni gehabt, in dem wir sehr viel von dem, was wir im Mai verloren haben, wieder aufgeholt haben", sagte die Branchensprecherin.

"Am Beginn der Saison sind alle damit beschäftigt, dass sie genug Gäste haben", so Kraus-Winkler auf die Frage nach der Ertragslage. Die Beherbergungsbetriebe dürften bei den Zimmerpreisen Nachlässe gewährt haben. "Das Thema Preisdurchsetzung war da und dort ein Problem und die Kosten sind zum Teil überproportional gewachsen", so die Branchensprecherin. Ob nur Hochbetrieb herrschte, oder auch genug verdient wurde, zeigt die Bilanz erst am Jahresende.

Für 64 % aller Betriebe läuft die heurige Sommersaison derzeit jedenfalls gut, für 19 % sogar besser als im Vorjahr, wie aus einer aktuellen market-Umfrage unter den Mitgliedsbetrieben der Wirtschaftskammer hervorgeht. 83 % sind im Moment also eher optimistisch. Es gibt aber regionale Unterschiede - im Osten und im Westen des Landes herrscht mehr Zuversicht als etwa im Süden.

Die größte Herausforderung für die Betriebe ist aber nach wie vor die Mitarbeitersuche. Der Fachkräftemangel schlägt auch in dieser Branche durch. "75 % aller Unternehmen in Österreich haben ein Problem mit Facharbeitern - das ist nicht nur im Tourismus so", betonte Gastro-Sprecher Pulker. "Wir haben einfach zu wenig Menschen, die am Arbeitsmarkt sind, im Moment." Die geburtenstarken Jahrgänge erreichen das Pensionsalter. Im Tourismus ist das Finden, Halten und Motivieren von Mitarbeitern ein zentrales Thema. Rund 40 % der befragten Unternehmen sehen hier Handlungsbedarf. Einige können den täglichen Betriebsablauf längst nicht mehr so abhandeln wie in der Vergangenheit.

Hierfür gebe es nicht "die eine große Lösung". "Wir müssen an sehr vielen Schrauben drehen", so Kraus-Winkler. "Mit den Arbeitslosen, die wir gemeldet haben, werden wir das Problem nicht lösen - dieses wesentliche Mehr an Menschen, das wir benötigen." Um Leute in die Branche zu bekommen werde eine ganze Reihe von Aktionen und Fachkräfteinitiativen gestartet - durchaus auch in Kooperation mit dem Arbeitsmarktservice (AMS). Auf der Suche nach Tourismuslehrlingen wird auch direkt in den Schulen angesetzt - mit Informationskampagnen in den dritten und vierten Klassen von Hauptschulen. Parallel dazu seien Berufsbilder "komplett überarbeitet" worden, sagte Pulker mit Blick auf die Lehrberufe Koch und Restaurantfachmann.

Die Betriebe müssen sich aber auch selbst an der Nase nehmen: "Wir werden ein Umdenken der Führungskräfte brauchen - vor allem bei den mittleren Betrieben, wo weniger Führungserfahrung da ist", ist sich die Branchensprecherin bewusst. Dabei gehe es sehr viel um das Thema Führung und Eingehen auf die individuellen Wünsche der Mitarbeiter etwa betreffend Dienstzeiten.

Doch auch Aushilfskräfte sollen einfacher und unbürokratischer beschäftigt werden können, wünscht sich die Branche. Das würde "die Situation vieler Betriebe entschärfen", so die Kammer. Von der nächsten Regierung erhofft sie sich jedenfalls eine "umfassende Fachkräfteoffensive". Die Betriebe bieten den Angaben zufolge bereits "Benefits" wie etwa Gratisunterkünfte für Mitarbeiter und Skiliftkarten oder Skiausrüstungen. Nun komme es darauf an, dass der Gesetzgeber die Rahmenbedingungen schaffe, so Pulker. Zum Beispiel könnte die öffentliche Hand die Mobilität der Arbeitskräfte - etwa von den östlichen in die westlichen Bundesländer - fördern, indem sie für Heimfahrten aufkomme.

Rund 30 % der befragten Betriebe aus der Branche wünschen sich von der neuen Regierung weiters eine Senkung der Lohnnebenkosten, zehn Prozent fordern dringend weniger Bürokratie. Kraus-Winkler erneuerte ihren Wunsch nach einer "raschen Anpassung der Gebäudeabreibung an die tatsächliche Nutzungsdauer" von derzeit 40 auf 33 Jahre.

Die Branche wirft dabei ihr Gewicht als wichtiger Arbeitgeber in die Waagschale. Insgesamt waren 2018 in der heimischen Hotellerie und Gastronomie 266.557 Mitarbeiter tätig - gut ein Fünftel davon (52.093) geringfügig. Das waren laut Beschäftigungsstatistik der Wirtschaftskammer um fast 22 % mehr Beschäftigte in der Branche als 2010.

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