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Österreich

Ski-Verbot aus Italien trifft auf Unverständnis

Wenig Freude erweckt der Vorstoß aus Rom, zu Weihnachten das Skifahren zu verbieten, in Österreich. Finanzminister Gernot Blümel und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (beide ÖVP) forderten umgehend Geld aus Brüssel, sollte es zu einem Skiverbot zu Weihnachten kommen. Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer sieht keine Hindernisse für weihnachtliches Skifahren in Österreich. Zurückhaltend ist das grün-geführte Gesundheitsministerium.

"Ich kann dem italienischen Vorstoß nichts abgewinnen", sagte Köstinger (ÖVP). "Winterurlaub in Österreich wird sicher sein. Unsere Betriebe haben bereits umfassende Sicherheitskonzepte für den Skiurlaub, Apres Ski wird es beispielsweise heuer nicht geben", versicherte sie. Tourismus und Gastronomie seien nicht für die hohen Infektionszahlen verantwortlich, nahm sie ihre Branchen in Schutz. Sollte die EU an Einschränkungen denken, dann müsse sie für Schadenersatz für die Betroffenen Betriebe sorgen. Tourismus- und Freizeitwirtschaft sicherten direkt und indirekt rund 700.000 Menschen Arbeit und Einkommen.

Auch Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) meint, Voraussetzung für eine Debatte über die Schließung von Skigebieten wäre, dass die EU die Kosten dafür übernimmt. "Wenn die EU tatsächlich vorgibt, dass die Skigebiete geschlossen bleiben müssen, dann bedeutet das Kosten von bis zu 2 Mrd. Euro. Wenn die EU das wirklich will, dann muss sie dafür auch bezahlen." Blümel schlägt dafür entweder Direkt-Überweisungen an den Bund, die dann an die betroffenen Unternehmen verteilt würden oder eine Reduktion der österreichischen EU-Zahlungen um diesen Betrag vor.

Abwartend äußerte sich das Gesundheitsministerium. "Unsere gemeinsames Ziel ist es, in den kommenden Tagen und Wochen die Infektionszahlen und damit die Anzahl der Hospitalisierungen sowie die Auslastung der Intensivbetten drastisch zu senken. Gelingt uns das, folgt die schrittweise Öffnung, die durch umfassende Schutzmaßnahmen begleitet sein wird. Welche Öffnungsschritte wann gesetzt werden können, ist abhängig von der Entwicklung der Infektionszahlen. Im Zentrum steht der Gesundheitsschutz", hieß es auf Anfrage der APA.

WKÖ-Präsident Mahrer (ÖVP) verwies in der "ZiB2" am Montagabend darauf, dass zwar alles getan werden müsse, um keine dritte Welle der Coronapandemie zuzulassen, aber zugleich sei der Wintertourismus eine "ganze besondere Einkommensquelle der Betriebe und damit auch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter". Österreich habe "im Sommer gezeigt, dass der österreichische Tourismus das perfekt kann mit den richtigen Präventionskonzepten." Nur wenn Virologen sagen würden, dass es nicht geht, "dann wird man sich zusammensetzen müssen und sagen müssen, ab wann kann denn das vernünftig gehen". Da gehe es vor allem um Planungssicherheit.

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) will grundsätzlich den Skibetrieb wieder aufsperren, er warnte aber bereits am Montag vor zu hohen Erwartungen und sprach sich für ein "behutsames Aufsperren" aus. Der Landeshauptmann warnte in diesem Zusammenhang vor der Hoffnung, dass "im Dezember alles wieder aufmacht". Weder legte er sich auf konkrete Lockerungsmaßnahmen noch auf einen Termin für das Wiederaufsperren fest. Das werde alles von der Entwicklung der Zahlen abhängen und wohl erst Ende November oder Anfang Dezember klar werden.

Der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) - er ist das für den Tourismus zuständige Regierungsmitglied - hat bereits am gestrigen Montag gesagt, die Skigebiete ein paar Tage vor Weihnachten öffnen zu wollen. "Einem generellen Verbot zur Öffnung kann ich absolut nichts abgewinnen." Einerseits habe die Tourismusbranche und die Seilbahnwirtschaft im Sommer schon bewiesen, dass diese gut vorbreitet war und den Betrieb sicher bewerkstelligen kann. Andererseits möchte er den inländischen Markt mit der Öffnung bedienen. "In Anbetracht der Flut an gegenseitigen Reisewarnungen europäischer Länder untereinander, liegt unser Fokus daher auf dem inländischen Markt."

Vorarlberg will Wintersaison nicht absagen

Die Vorarlberger Landesräte Christian Gantner (Tourismus) und Marco Tittler (Wirtschaft, beide ÖVP) sprechen sich klar gegen eine europaweite Schließung der Skigebiete aus. "Eine Wintersaison wird es geben, wenn auch eine andere", erklärten sie am Mittwoch in einer Aussendung. Die Öffnung der Skigebiete hänge von den Infektionszahlen ab, so Gantner, es sei daher zu früh, sich für Schließungen auszusprechen. Eine Entscheidung könne zudem nur österreichweit fallen. 

Die Schließungs-Forderungen aus Italien und Bayern seien jetzt "die völlig falsche Botschaft", so Gantner und Tittler: "Vorarlberg sagt den Winter sicher nicht ab." Der Vorarlberger Tourismus habe im Sommer gezeigt, dass "sichere Gastfreundschaft" möglich sei. Gantner verwies auf den "Winterkodex Vorarlberg. Sicher ein guter Winter", eine landesweit koordinierte und einheitliche Strategie, die Gästen und Beschäftigten größtmögliche Sicherheit bieten soll. Vorarlberg habe als erstes und bisher einziges Bundesland nach den Winterregeln des Bundes eine umfassende touristische Strategie für die Wintersaison 2020/2021 vorgelegt, die teilweise sogar über das gesetzliche Mindestmaß hinausgehe. Vertrauen und Sicherheit seien "die neue Währung" dieses Winters.

Die Entscheidung über eine Schließung hänge von den Infektionszahlen ab und dürfe keinesfalls "leichtfertig aus dem Bauch heraus" getroffen werden, warnte der Tourismuslandesrat. Einen Alleingang Vorarlbergs werde es aber nicht geben: "So eine Entscheidung kann nur österreichweit fallen." Er sei für die kommende Wintersaison "nach wie vor optimistisch".

In den Tourismusregionen seien auch zahlreiche Betriebe indirekt auf eine Wintersaison angewiesen, erklärte Tittler. Deshalb sei die Reduktion der Infektionszahlen "eine der wichtigsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen".

Steirische Seilbahner für raschen Betriebsstart

Die steirischen Seilbahner haben sich am Mittwoch für einen raschen Start in die Skisaison ausgesprochen. Die Vorstöße aus Italien und Bayern seien völlig unverständlich: "Der größte Feind des Virus sind viel Bewegung im Freien und frische Luft, und beides können wir neben akribisch umgesetzten Sicherheitsmaßnahmen in jedem Fall garantieren", teilte Fachgruppen-Obmann Fabrice Giradoni mit. Die Pisten werden seit Tagen beschneit.

"Wir haben umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen ausgearbeitet. Ein baldiger Beginn ist nicht für die Seilbahnen, sondern für die gesamte Wirtschaft in den steirischen Regionen von zentraler Bedeutung", so Giradoni in einer Aussendung. Die Bahnbetreiber seien "perfekt gerüstet", regelmäßiges Desinfizieren ist eingeplant, die Anzahl der Leute in den Kabinen und Sesseln werde limitiert und an den Kassen würden Schlauchschals, die als Maske dienen sollen, teilweise sogar kostenlos zu den Tickets mitabgegeben.

Giradoni hofft auf einen Betrieb ab 07. Dezember, also gleich nach dem harten Lockdown. "Der Startschuss in den Winter ist nicht nur für die Bahnen ein (überlebens-)wichtiges Signal, sondern für alle Regionen und die darin verankerte Wirtschaft mit den vielen Arbeitsplätzen. 1.240 Mitarbeiter, die in der Steiermark direkt bei den Bahnen beschäftigt sind und fast 6.800 Beschäftigte im Umfeld - wie etwa Gastro und Sporthandel - sprechen eine deutliche Sprache für die hohe Wertschöpfung." Der versprochene Umsatzersatz sei zwar gutzuheißen, aber Girardoni will darüber hinaus "den Menschen lieber Erholung und Freizeitspaß bieten, statt die Hand aufzuhalten".

Italiens Opposition macht Druck gegen Ski-Verbot

Nun machen auch Italiens Oppositionsparteien Druck gegen das Verbot. "Österreich will seine Skipisten öffnen und behauptet, man kann in Sicherheit Ski fahren. In Österreich ist der Prozentsatz der Ansteckungen höher als in Italien. Warum kann man in Österreich sicher Ski fahren und in Italien nicht?", fragt etwa die Rechtspartei "Fratelli d´Italia".

Laut "Fratelli" Chefin Giorgia Meloni wird es zu keinem europaweiten Ski-Verbot kommen, wie es die italienische Regierung fordert. "Es hat keinen Sinn, die Skipisten in Italien geschlossen zu halten, wenn diese im Rest Europas offen sind", so Meloni im Interview mit dem TV-Sender "Rete 4" am Dienstagabend.

Ähnlich sieht die Lage der Chef der rechten Lega, Matteo Salvini. "Entweder alle Skipisten in Europa bleiben geschlossen, oder Italien kann nicht allein auf Winterurlaub verzichten. Skifahren ist kein Hobby für Reiche, sondern ein Wirtschaftssektor, der 20 Mrd. Euro bewegt und von dem unzählige Jobs abhängen", meinte Salvini live auf Instagram. Wenn es die Infektionszahlen erlauben würden und die Skipistenbetreiber sichere Bedingungen garantieren könnten, gebe es keinen Grund, Winterurlaub zu verbieten, sagte Salvini.

Die italienische Regierung prüft derzeit eine Lockerung der Anti-Covid-Auflagen während der Weihnachtszeit. Mehr Reisefreiheit soll erlaubt werden. Noch unklar ist, ob weiterhin eine abendliche Ausgangssperre ab 22 Uhr gelten wird. Dies würde die Italiener zum Verzicht auf die Christmette zwingen.

Auch der Tourismusbeauftragte der deutschen Regierung, Thomas Bareiß, sieht ein generelles Verbot der Skisaison kritisch. Der CDU-Politiker sagte der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch: "Sicherheit geht auch im Winter vor. Aber ich bin davon überzeugt, dass Skifahren in einem gewissen Umfang und unter klaren Kriterien wie zum Beispiel einer maximal erlaubten Anzahl von täglichen Skipässen ohne Probleme möglich ist." 

Die gesamte Reise-, Tourismus- und Veranstaltungsbranche sei wirtschaftlich an einer Belastungsgrenze angekommen, so Bareiß. "Weitere Lockdown-Maßnahmen und Finanzhilfen müssen Hand in Hand gehen. Es wird eine finanzielle Herausforderung, aber die Menschen können sich drauf verlassen, wir lassen niemanden im Regen stehen."

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