Österreich

Mit Druck zur Klimaneutralität

Wie nimmt Österreich den Klimawandel wahr und welche Maßnahmen wünscht man sich von der Regierung? Diesen und weiteren Fragen widmete sich kürzlich der erste Teil der Klimaumfrage 2021/22 der Europäischen Investmentbank (EIB). 64 % der Österreicher befürworten dahingehend strengere staatliche Maßnahmen, die Verhaltensänderungen erzwingen. 

Wie die Menschen in Österreich in einer sich rasch verändernden Welt zum Klimawandel stehen, zeigen die Ergebnisse der EIB-Klimaumfrage 2021/22. So halten 73 % der Befragten in Österreich den Klimawandel und seine Folgen für die größte Herausforderung der Menschheit im 21. Jahrhundert. Doch der Konsens trügt. Denn je nach Bevölkerungsgruppe gibt es erhebliche Unterschiede. Wie groß die Klimabedenken sind und welche konkreten Erwartungen die Menschen haben, variiert zwischen Jung und Alt, Rechts und Links, Mann und Frau sowie abhängig von der sozioökonomischen Gruppenzugehörigkeit.

Je nach politischer Anschauung gibt es deutliche Unterschiede: 86 % der eher linksorientierten Befragten sehen im Klimawandel die größte Herausforderung, bei den eher rechtsorientierten sind es 61 %. Nach Alter betrachtet, stimmen 80 % der 15- bis 29-Jährigen der Aussage zu, bei den über 65-Jährigen nur 72 %. 

Wahrnehmung der Klimakrise

Doch nicht nur die Herausforderung, die Klimakrise zu bewältigen, stand im Fokus der Umfrage, sondern auch der Einfluss der bereits deutlich wahrnehmbaren Veränderungen durch die Erderwärmung. So ist die große Mehrheit der österreichischen Bevölkerung (70 %) der Meinung, dass sich der Klimawandel auf ihren Alltag auswirkt. Im Durchschnitt zu Europa sind das dennoch 7 Prozentpunkte weniger (77 %). 

Dieser Ansicht sind vor allem die 15- bis 29-Jährigen (76 %). Bei den über 64-Jährigen sind es 69 %. 83 % der eher linksorientierten Befragten geben an, die Auswirkungen des Klimawandels im Alltag zu spüren. Das sind 27 Prozentpunkte mehr als bei den eher rechtsorientierten (56 %).

Klimanotstand wird nicht ernst genommen

Besonders skeptisch steht man einer positiven Entwicklung sowie einer ambitionierten grünen Wende im Inland entgegen. 66 % glauben dahingehend auch, dass sie sich mehr Sorgen um den Klimawandel machen als ihre Regierung. Nur 33 % der Befragten sind überzeugt, dass Österreich seine CO2-Emissionen bis 2050 drastisch und Paris-konform senken kann. Die große Mehrheit (67 %) geht von einem Verfehlen der Klimaziele aus. 

Dabei klaffen die Einschätzungen von Jung und Alt um 10 Prozentpunkte auseinander: Bei den unter 30-Jährigen glauben 38 %, dass Österreich die grüne Wende schafft, bei den über 64-Jährigen nur 28 %. 72 % der über 64-Jährigen meinen, dass Österreich das Ziel für 2050 nicht erreichen wird. Unter den 15- bis 29-Jährigen teilen 62 % diese Skepsis. Bei den Linksorientierten sind 71 % pessimistisch – 11 Prozentpunkte mehr als bei den Rechtsorientierten (60 %).

Entsprechend befürworten fast zwei Drittel (64 ´%) der Befragten strengere staatliche Maßnahmen (ähnlich denen in der Coronakrise), um die Menschen zu Verhaltensänderungen zu zwingen (7 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr).

Allerdings sind 13 % der österreichischen Bevölkerung der Ansicht, dass die Erderwärmung nicht auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist. Bei den eher Linksorientierten glauben nur 6 %, dass die Erderwärmung nicht auf menschliches Handeln zurückgeht – das sind 14 Prozentpunkte weniger als bei den Rechtsorientierten (20 %).

Streitthema Energie

Auf die Frage, welche Energiequellen das Land nutzen sollte, um die Erderwärmung zu stoppen, nennen die meisten Österreicherinnen und Österreicher erneuerbare Energien (65 %, leicht über dem EU-Durchschnitt von 63 %). Die eher linksorientierte Bevölkerung setzt stärker auf erneuerbare Energien als die rechtsorientierte (74 % gegenüber 61 %; ein Unterschied von 13 Prozentpunkten). Dabei zieht sich die Präferenz für erneuerbarer Energien durch alle Einkommensgruppen: 66 % der Menschen mit geringeren Einkommen würden den Ausbau erneuerbarer Energien unterstützen, verglichen mit 70 % der Befragten mit höheren Einkommen.

Hinter der Kernenergie stehen die Menschen in Österreich deutlich weniger als im EU-Durchschnitt (4 % gegenüber 12 %). Die über 64-Jährigen befürworten die Kernenergie zu einem geringeren Teil (1 %) als die unter 30-Jährigen (7 %). Auch zwischen den Geschlechtern zeigen sich deutliche Unterschiede: Männer sind mit 6 % stärker für die Kernenergie als Frauen mit nur 2 %. Ebenso sprechen sich Rechtsorientierte mit 8 % viel stärker für den Ausbau der Kernenergie aus als Linksorientierte (4 %).

Mehr als andere in Europa (23 % ggü. 17 %) finden die Österreicher, dass ihr Land auf Energieeinsparungen setzen sollte. Diese Ansicht vertreten besonders die über 64-Jährigen mit 26 %. Das sind 8 Prozentpunkte mehr als bei den unter 29-Jährigen, unter denen nur 18 % Energieeinsparungen Priorität einräumen. Insgesamt setzen weit mehr Befragte auf Energieeinsparungen als auf eine stärkere Nutzung von Erdgas (5 %).

Bevorzugte Lösungen gegen den Klimawandel

Rund zwei Drittel der Menschen in Österreich würden eine Steuer auf Produkte und Dienstleistungen begrüßen, die am stärksten zur Erderwärmung beitragen. Dies würden sogar 66 % der Befragten mit geringeren Einkommen befürworten. Die Österreicher sind auch für eine Garantie von mindestens fünf Jahren auf Elektro- oder Elektronikgeräte (88 %) und dafür, Kurzstreckenflüge durch umweltfreundliche Schnellzugverbindungen zu ersetzen (83 %). Außerdem befürworten sie „weichere“ Maßnahmen wie die Verbesserung der Bildung und eine stärkere Sensibilisierung der Jugend für einen nachhaltigen Konsum (91 %).

Trotz gewisser Unterschiede zwischen den Generationen und soziodemografischen Gruppen wünscht sich eine große Mehrheit der Menschen in Österreich dahingehend strengere Maßnahmen und bessere Lösungen wie Ökostrom, um den Klimawandel in den Griff zu bekommen. Projekte für saubere Energie, Energieeinsparungen, nachhaltige Mobilität und Innovationen, die dazu beitragen, den Temperaturanstieg auf höchstens 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, sollten dringend stärker gefördert werden, so die Meinung des EIB-VizepräsidentThomas Östros. 

Für die Umfrage wurde zwischen dem 26. August und dem 22. September 2021 in 30 Länder eine repräsentative Stichprobe der Bevölkerung befragt – insgesamt mehr als 30 000 Menschen.

eib.org

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