Österreich

Klimakrise stellt Tourismus vor Herausforderungen

Die Klimakrise verändert die Rahmenbedingungen für den österreichischen Tourismus. Die zunehmende Hitze verschlechtert die Schneelage in vielen Regionen und gefährdet damit vor allem den Wintertourismus, aber auch der Sommertourismus leidet unter Extremwetterlagen wie Hitze oder Starkregen, das hat eine Studie des Austrian Panel of Climate Change (APCC) ergeben. Das größte Einsparungspotenzial für Emissionen gebe es bei An- und Abreise und im Verkehr vor Ort. 

"Fakt ist, der Klimawandel, die Klimakrise, das ist die große Frage unserer Zeit und macht selbstverständlich auch vor dem Tourismus nicht Halt", erklärte Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) am Montag bei einer Pressekonferenz. Der Wintertourismus werde aufgrund der veränderten Schneeverhältnisse "der größte Verlierer sein", so Ingmar Höbarth, Geschäftsführer des Energie- und Klimafonds, der auch die Studie des APCC in Auftrag gegeben hat. Auch im Sommertourismus gebe es zunehmende Beeinträchtigungen, wie gesundheitliche Probleme der Touristinnen und Touristen durch die Hitze aber auch erhöhte Steinschlaggefahr im alpinen Raum und sinkende Wasserstände. 

Für den Sommertourismus könnten sich aber auch Chancen bieten, wenn die höheren Temperaturen eine Verlängerung der Saison ins Frühjahr und den Herbst hinein erlauben. Außerdem könnte die Hitze in den Städten ein "Revival der klassischen Sommerfrische" bedeuten. Es stehe viel auf dem Spiel: "die Wertschöpfung aus dem Tourismus hat 2018 über 32 Mrd. Euro betragen, das sind 8,4 % des BIP", erklärte Höbarth. 

Die Tourismuswirtschaft sei einerseits Betroffene, aber andererseits auch Verursacherin: Die Branche ist laut APCC-Studie weltweit für 8 Prozent der Emissionen verantwortlich. Für Österreich konnten auf Anfrage keine genauen Zahlen genannt werden. Der "größte Hebel für einen klimafreundlichen Tourismus ist die Mobilität, vor allem bei der An- und Abreise", sagte Höbarth. Die Gäste in Österreich reisen zu 75 % mit dem Auto an, zehn Prozent kommen mit den Flugzeug, nur acht Prozent nutzen die Bahn, "da ist also noch gewaltig Luft nach oben". Es brauche daher eine Offensive für attraktive Angebote zur An- und Abreise, aber auch für die umweltfreundliche Mobilität vor Ort, besonders in peripheren Gebieten. Außerdem sei es notwendig, Hotels und Pensionen zu sanieren, um den Energieverbrauch zu verringern, zum Beispiel durch bessere Dämmung und die Nutzung erneuerbarer Energien. 

Ein klimaschonender österreichischer Tourismus schaffe auch Wettbewerbsvorteile, so Höbarth, denn auch Reisende wünschen sich mehr Nachhaltigkeit. Er schlägt vor, sich am "Paris-Lifestyle" zu orientieren, der zur Einhaltung der Klimaziele beiträgt, und daraus den "Austrian-Lifestyle" zu machen, der "höchste Lebensqualität bei größtmöglichem Respekt für Natur, Umwelt und zukünftige Generationen" transportiere.

Wie wichtig Nachhaltigkeit für Reisende ist, zeigt auch eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Karmasin: Für über 70 % der österreichischen und deutschen Gäste ist Klimaschutz im Tourismus wichtig oder sehr wichtig. Das gilt auch für 89 % der befragten Unternehmen und sogar 100 % der Reiseverbände. 

Die Umfrage zeige aber auch einen "Informationsmangel im Bezug auf Klimaschutz im Tourismus" bei Touristinnen und Touristen. Bei Online-Suchmaschinen würden Auswahlkriterien zur Umweltfreundlichkeit fehlen. Neben mehr Angeboten wünschen sich Reisende auch mehr Aufklärung und transparente Kommunikation und beispielsweise Auszeichnungen für besonders umweltfreundliche Tourismusregionen und -betriebe. Der Preis sei immer ein Thema, aber "aktuell sind die Gäste viel zu wenig informiert was klimafreundliche Angebote kosten". Die mangelnde Sichtbarkeit sei die erste Barriere, erst dann komme der Preis zum Tragen, so die Meinungsforscherin Sophie Karmasin.

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