Österreich

Corona bleibt für Messen ein Debakel

Zwei Drittel weniger Messen, noch stärkere Besucherrückgänge. Das Corona-Jahr 2020 war für die Messeveranstalter ein Debakel, 2021 soll auch nicht viel besser werden, schreibt der "Kurier". Das Messegeschäft sei so gut wie zum Erliegen gekommen, sagt Sabine Tichy-Treimel, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Messen-Austria und Chefin der Messe Dornbirn. Bei der Messe Wels schrumpfen die Rücklagen, die Zahl der Mitarbeiter wurde laut "OÖN" um fast ein Drittel reduziert.

Der Verband zählte 2020 in Österreich nur 38 Messeveranstaltungen, 68 % weniger als 2019. Der Besucherrückgang lag bei 70 Prozent. Betroffen war praktisch jeder Messestandort. Einige konnten im Frühling noch zwei bis drei Veranstaltungen durchführen. Im Sommer ist traditionell Pause, im Herbst kam die Ampel-Regelung, spätestens mit dem zweiten Lockdown war das Jahr für die Veranstalter vorbei, wird Tichy-Treimel im "Kurier" zitiert. Der Messe-Lockdown hat auch volkswirtschaftliche Folgen. Messen sind in ihrer Region und darüber hinaus wichtige Wirtschaftsfaktoren.

Wie es weiter geht ist offen. "Wir hängen noch in der Luft", sagt Tichy-Treimel. Bis Juni würden nicht viele Veranstaltungen stattfinden, nach der Sommerpause könnte sich die Lage wieder normalisieren - vorausgesetzt die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie lasse es zu. 2021 dürfte sich wahrscheinlich wirtschaftlich nicht besser als 2020 entwickeln. Tichy-Treimel hofft, dass eine aktuelle Corona-Regel auch nach dem derzeitigen Lockdown aufrecht erhalten bleibt: dass Messen wie Einkaufszentren behandelt werden und öffnen dürfen.

Vergleichsweise glimpflich davongekommen sehen sich die Reed Exhibitions Österreich, die voriges Jahr im ersten Quartal ein paar große Veranstaltungen hatten, wie Geschäftsführer Benedikt Binder-Krieglstein erläuterte. Für Markus Grießler, den geschäftsführenden Gesellschafter des neuen Messeveranstalters Austrian Exhibition Experts (AEE) war die Pandemie "ein Brandbeschleuniger für die Digitalisierung.

Schrumpfende Rücklagen - damit drohenden Kapitalbedarf - und mittlerweile ein Drittel weniger Personal gibt es bei der Welser Messe. Das Coronavirus hat die Geschäftsgrundlage entzogen, der Neustart lässt auf sich warten. Messedirektor Robert Schneider zeigte sich in den "Oberösterreichischen Nachrichten" zuversichtlich, dass am 13. Mai mit der Pferdemesse nach langer Zeit die erste Messe stattfinden kann. Zudem sieht er gute Chancen für das Volksfest im September, er hofft hier auf möglichst wenig Einschränkungen. Eine Hilfe sei der von der Regierung installierte Schutzschirm für Veranstalter: "Damit können wir 90 Prozent unserer stornierbaren Kosten abdecken." Mit der Absage der Energiesparmesse (WEBUILD) geht den Welsern heuer aber der stärkste Umsatzbringer verloren. Abgesagt ist auch die Gartenmesse "Blühendes Österreich". Der Personalstand in der Messe Wels wurde im Einvernehmen mit dem Betriebsrat um 16 Mitarbeiter reduziert. In Sachen Digitalisierung diskutiere die Branche über zwei Strömungen: Onlineauftritte versus traditionelle Messen. "Inzwischen hat sich herauskristallisiert, dass Onlinemessen kein hundertprozentiger Ersatz sind für normale Messen, weil sich die Präsenzmesse im Internet nicht eins zu eins abbilden lässt", sagt der Welser Messechef. Mit externen Partnern arbeitet er derzeit an Hybridkonzepten.

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