ÖRV/ÖVT/WKO

Offener Brief an die Bundesregierung

Die weltweite Reisewarnung für alle touristischen und nicht notwendigen Reisen der Bundesregierung ist der nächste "Schlag in die Magengrube" der Reisebranche. In einem offenen Brief wenden sich die Interessensvertretungen der heimischenTouristiker ÖVT, ÖRV und der Fachverband der Reisebüros der WKO an die Bundesregierung.

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Sebastian Kurz,
Sehr geehrter Herr Vizekanzler Werner Kogler,
Sehr geehrte Frau Bundesministerin Elisabeth Köstinger,
Sehr geehrte Frau Bundesministerin Margarete Schramböck,
Sehr geehrter Herr Bundesminister Rudolf Anschober,
Sehr geehrter Herr Bundesminister Alexander Schallenberg!

Das nachfolgende E-Mail des Außenministeriums gestern Abend ist der nächste „Schlag in die Magengrube“ der Reisebranche.

Bei allem Verständnis und dem eigenen (Branchen)Interesse, die Infektionszahlen zu reduzieren und den soeben angekündigten Lockdown bis 18. Jänner mit anschließendem „Freitesten“, ist eine weltweite Reisewarnung füralle touristischen und nicht notwendigen Reisen nicht nachvollziehbar. Noch dazu kommt diese unvermutet und überraschend, zwei Tage nach Veröffentlichung der „Änderung der COVID-19-Einreiseverordnung des Gesundheitsministers".

Die Bundesregierung hat aus der im Sommer überraschenden Regelung für Kroatien nicht gelernt und das getroffene Versprechen einer hinkünftigen „längeren Vorlaufzeit“ nicht eingehalten.

Es ist ein weiterer Tiefschlag für die Reisebranche – mit finanziellen Folgen und weiterem Vertrauensverlust.

Warum nicht nachvollziehbar?

Vor Wochen wurde eine Novelle der COVID-19 Einreiseverordnung medial groß angekündigt (ab Mitte Dezember, Quarantäneregelung bei 14-Tagesinzidenz über 100, …).

Erst mit Ausgabe 15. Dezember 2020 wurde die COVID-19 Einreiseverordnung ab 19. Dezember 2020 im Detail veröffentlicht. Als „sichere“ Länder sind dabei nur 10 Länder angeführt.

Kunden, die dennoch gebucht haben (Dubai, Kanaren, Seychellen, Dominikanische Republik, Malediven – trotz Reisewarnung) ist bewusst gewesen, dass sie bei Rückkehr in eine 10-tägige Quarantäne müssen bzw. sich frühestens nach 5 Tagen freitesten können.

Am 17. Dezember um 17:59 Uhr wird die Reisebranche vorinformiert, dass ab 19. Dezember 2020 00:00 Uhr (sprich: ab heute um Mitternacht) eine weltweite Reisewarnung gilt (für alle touristischen und nicht notwendigen Reisen! Geschäftsreisen sind ua möglich).

Folgen der Reisewarnung?

Jene Kunden, die über Weihnachten gebucht haben, ist es bewusst gewesen, dass sie bei Rückkehr in eine 10-tägige Quarantäne müssen (oder sich frühestens nach 5 Tagen freitesten können).

Gebuchte Kunden haben nunmehr die Möglichkeit, kostenfrei von der Reise zurücktreten zu können.

Sollten sie dennoch reisen, gilt kein Versicherungsschutz, eventuell sogar verbunden mit dem Verlust des Arbeitsplatzes, …

Reisebüros müssen Kundengelder zurückzahlen, haben aber Leistungsträger (Airlines, Hotels in den Destinationen) großteils schon bezahlt („Weihnachtsbuchungen werden voraus an Leistungsträger bezahlt“)

Reisebüros haben nunmehr nicht nur einen höheren Arbeitsaufwand, zusätzliche Liquiditätsprobleme und einen neuerlichen Vertrauensverlust bei den Kunden.

Kunden müssen auf den geplanten Urlaub verzichten oder nehmen bewusstes Risiko in Kauf.

Es ist nicht davon auszugehen, dass die weltweite Reisewarnung mit nunmehr 18. Jänner aufgehoben wird. Eine Aufnahme der Reisetätigkeit ist daher in weite Ferne gerückt, allein weil es keine Planungssicherheit gibt.

Forderungen der Reisebranche:

Rücknahme dieser Reisewarnung, weil diese für den Kunden nichts ändert (Quarantäneregelung gilt ob Reisewarnung oder nicht), jedoch für die Reisebranche enorme negative Auswirkungen hat.

Kostenübernahme aller finanziellen Schäden, die den Reisebüros durch diese Maßnahmen entstehen (z.B. Gelder an Leistungsträger, die von diesen nicht rückgezahlt werden)

Was ebenfalls dringend einer Lösung bedarf: Insolvenzabsicherung der Reisebranche

Seit spätestens September ist der Bundesregierung bekannt, dass es für die Reisebranche keine Möglichkeit mehr gibt, die gesetzlichen Erfordernisse für die Absicherung gegen eine Insolvenz zu erfüllen.

Medial wurde am 10. Dezember seitens des Tourismusministeriums  eine „Insolvenzabsicherung für Kundengelder der Reisebranche“ mit einem Haftungsrahmen in Höhe von 300 Mio. Euro angekündigt. Noch immer sind keine Details der Absicherung bekannt (Abwickler, marktübliche Gebühren für die Bankgarantie, Nachfristen, …), obwohl die Unternehmen die Absicherung mit 1. Jänner 2021 benötigen.

Hier bedarf es einer dringenden Regelung zu marktüblichen Konditionen, auch damit es dem KMU Förderungsgesetz entspricht.

 

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, sehr geehrte BundesministerInnen,

wir wissen, dass es eine herausfordernde Zeit für uns alle ist. Es kann aber nicht sein, dass gerade die am längsten und massivsten betroffene Reisebranche die Branche ist, die von heute auf morgen zusätzlich geschädigt und enttäuscht wird. Das betrifft auch die Reisenden.

 

Dr. Josef Peterleithner, Präsident Österreichischer Reiseverband (ÖRV)

Phillies Ramberger, Präsidentin Österreichischer Verein für Touristik (ÖVT)

Mag. Gregor Kadanka, Obmann Fachverband der Reisebüros in der WKO Österreich

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