ÖRV

Tödlicher Entwurf für Reisebranche

Die exorbitante Erhöhung der Kundengelder-Absicherung steht als Knackpunkt der neuen Pauschalreiseverordnung noch aus. Fünf Gründe, warum dieser Entwurf für die Touristiker und auch die Urlauber absolut nicht passt.

Seit 1. Juli 2018 gilt EU-weit das neue Pauschalreisegesetz, das für Reisekunden zwar ein Mehr an Rechtsicherheit und Transparenz für Buchungen im Reisebüro und im Internet bringt, im Endeffekt aber für die Tourismusbranche mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden ist. Die ursprüngliche Intention der Richtlinie, die Auswüchse der Online-Reiseplattformen einzufangen, ist jedoch kaum gelungen. Noch nicht in Kraft ist die Pauschalreiseverordnung, deren vorliegender Entwurf nicht nur tausende Arbeitsplätze gefährdet und den Wirtschaftsstandort Österreich schwächt, sondern auch für Urlauber und Reisebürokunden erhebliche Nachteile bringt. Warum die Pauschalreiserverordnung des Ministeriums für Wirtschaft und Digitales zur Absicherung der Kundengelder in der vorliegenden Fassung keinesfalls umgesetzt werden sollte, fasst der Österreichische ReiseVerband (ÖRV) zusammen:

1. Die neue Verordnung bedroht eine ganze Branche und bis zu 10.000 Arbeitsplätze

Knackpunkt ist laut einhelliger Meinung der Touristiker die exorbitante Erhöhung der Bemessungsgrundlage (bis zu 67 %) für die Absicherung der Kundengelder im Insolvenzfall von Reiseveranstaltern und Reisebüros, die Pauschalreisen und verbundene Reiseleistungen anbieten. Dies wird zusätzlich verschärft durch eine Erhöhung des Absicherungsprozentsatzes auf 20 %. „Diese Erhöhung wird Veranstalter zwingen, ihre Büros in Österreich zu schließen und künftig vom benachbarten Ausland aus zu agieren“, so ÖRV-Präsident Dr. Josef Peterleithner. Die Folge: Verlust von bis zu 10.000 Arbeitsplätzen. Unnötige doppelte Absicherungen, massive Erhöhungen der Bemessungsgrundlagen machen deutlich, dass hier jedes Maß und Ziel verloren wurde und Reiseveranstalter und Reisebüros massiv wirtschaftlich gefährdet werden.

2. Der Wirtschaftsstandort Österreich wird geschwächt

Mit 4,7 Milliarden Euro sind die österreichischen Reiseveranstalter und Reisebüros derzeit ein prägender Faktor für den Wirtschaftsstandort Österreich. Aus den bereits genannten Gründen ist mit massiven Einbrüchen zu rechnen. Es ist auch zu befürchten, dass es vielen KMUs unter diesen Voraussetzungen nicht mehr möglich ist, Reisedienstleistungen anzubieten. In den letzten zehn Jahren musste die Staatshaftung für Insolvenzfälle von Reiseveranstaltern bzw. Reisebüros durchschnittlich nur für 6.500 Euro pro Jahr einspringen. Das Vorgehen des Wirtschaftsministeriums ist daher reine Willkür und negiert vollständig das seriöse Verhalten der österreichischen Reisebüros und Reiseveranstalter.

3. Wettbewerbsnachteile für Reiseveranstalter gegenüber reinen Online-Portalen

Online-Portale bieten den Urlaubern oft weit weniger Serviceleistungen und Sicherheit bei der Reisebuchung und auch während und nach der Reise. Der Wettbewerbsnachteil der Veranstalter gegenüber den reinen Online-Portalen und den Airlines wird weiter verstärkt, da sich Onlineportale nur unter bestimmten Voraussetzungen absichern müssen bzw. dies leicht umgehen können. Airlines müssen die Kundengelder überhaupt nicht absichern.

Zum Nachteil der Konsumenten. So müssen sich z. B. Airlines nicht gegen Insolvenz absichern. Die negativen Auswirkungen: Hunderttausende geschädigte Konsumenten allein in Österreich durch den Konkurs von airberlin und NIKI im letzten Jahr.

Gerade bei Buchung einer Pauschalreise bei einem Reiseveranstalter oder in einem Reisebüro – stationär oder online – hat sich gezeigt, dass der Kunde sicher ist. Neben der finanziellen Sicherheit, auch bei Krisensituationen. Als Beispiele sind Airline-Pleiten, Naturkatastrophen oder terroristische Anschläge angeführt.

4. Nachteile für Urlauber

„Diese Wettbewerbsverzerrung wird in der Folge dazu führen, dass das Angebot an qualitativ hochwertigen Pauschalreisen schrumpfen wird“, so Josef Peterleithner. „Gerade in Zeiten von Flugausfällen, Internet-Betrügern und erhöhtem Sicherheitsbedürfnis der Reisenden ist diese Entwicklung kontraproduktiv. Betroffen sind insbesondere auch kleinere Reiseveranstalter, die sich mit außergewöhnlichen Reisedestinationen, spezifischem Expertenwissen und intensiver Kundenbetreuung auszeichnen. Der ÖRV unterstützt daher die Petition des Österreichischen Vereins für Touristik (ÖVT) für eine Überarbeitung der Pauschalreiseverordnung. Informationen unter www.prg-aber-gerecht.at

5. Nischenveranstaltern droht das Aus

Besonders betroffen von der Erhöhung der Kundengeld-Absicherungen sind Spezialisten wie etwa Golf- oder Maturareisen, deren Umsatz-Spitzen sich auf wenige Wochen bzw. Monate im Jahr beschränken. Denn in diesem Fall käme ein Passus der Verordnung zum Tragen, der ein Wirtschaften praktisch unmöglich macht.

Auf den Punkt gebracht bedeutet das, dass Unternehmen, die sich auf saisonale Ereignisse spezialisiert haben, wie z. B. Gruppenreisen, Themenreisen, Maturareisen, in ihrem Spitzenmonat 50 % des Umsatzes absichern müssen. Wird noch berücksichtigt, dass sie zusätzlich bei Leistungsträgern, wie Airlines und Hotels, in Vorlage treten müssen, selbst aber nur 20 % des Reisepreises als Anzahlung nehmen dürfen, und den Gesamtpreis frühestens 20 Tage vor der Reise, so ergibt sich ein finanzieller Spagat, den weder die Unternehmen noch die Banken abdecken können. Die Folge wird ein Aus für solche Nischenveranstalter sein, betont der ÖRV.

Informationen unter www.oerv.at

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